#TeamNEUSTART: Monika Schlemmer

Kurz nach ihrer Pensionierung hat die ehemalige AHS Lehrerin Monika Schlemmer als ehrenamtliche Bewährungshelferin bei NEUSTART Vorarlberg begonnen. Ihre Klient:innen profitieren von Monikas pädagogischer Expertise …

Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtliche Bewährungshelferin?
Ich heiße Monika Schlemmer und bin 63 Jahre alt. Bis zu meiner Pension im Februar 2025 habe ich an einer AHS Englisch und Deutsch unterrichtet. Meine beiden Kinder sind 32 und 30 Jahre alt. Seit Oktober 2025 engagiere ich mich ehrenamtlich bei NEUSTART Vorarlberg.

Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Weil ich schon immer gerne mit Menschen gearbeitet habe. Besonders reizt mich an dieser Aufgabe, Menschen zu begleiten, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und nun ihren Weg zurück in die Gesellschaft suchen. Ich möchte sie besser verstehen lernen und sie im Rahmen meiner Möglichkeiten dabei unterstützen, wieder Fuß zu fassen und neue Perspektiven zu entwickeln. Am meisten gefällt mir daran, dass ich Menschen in einer schwierigen Lebensphase begleiten und ihnen durch Vertrauen, Verständnis und Unterstützung Mut für einen positiven Neuanfang geben kann.

Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und früherer Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Mein ehemaliger Hauptberuf als Lehrerin und mein Ehrenamt ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Durch meine pädagogische Tätigkeit habe ich gelernt, mit ganz unterschiedlichen Menschen und Charakteren umzugehen, aufmerksam zuzuhören und Verständnis für verschiedene Lebenssituationen zu entwickeln. Diese Erfahrungen helfen mir in meinem Ehrenamt sehr. Gleichzeitig bereichert mich das Ehrenamt auch persönlich, weil ich neue Perspektiven gewinne und meine sozialen Fähigkeiten weiter vertiefen kann.

Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche Bewährungshelferin bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Wenn meine Bekannten erfahren, dass ich als ehrenamtliche Bewährungshelferin tätig bin, bekomme ich sehr unterschiedliche Reaktionen. Manche reagieren zunächst entsetzt oder können sich nicht vorstellen, selbst in diesem Bereich tätig zu sein. Sie sagen, sie hätten Angst vor diesem Umfeld, oder es fehle ihnen das Verständnis dafür, weshalb man vorbestrafte Menschen unterstützen möchte. Andere hingegen zeigen sich beeindruckt und beginnen sogar darüber nachzudenken, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren. Wieder andere finden mein Engagement zwar bewundernswert, sagen aber offen, dass sie sich diese Aufgabe selbst nicht zutrauen würden.

Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Derzeit begleite ich vier Klient:innen, die wegen unterschiedlicher Delikte verurteilt wurden.

Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Am liebsten und am konstruktivsten arbeite ich mit Klient:innen, die grundsätzlich bereit sind, Unterstützung anzunehmen und sich aktiv mit ihren Themen auseinanderzusetzen. Weniger entscheidend sind für mich demografische Merkmale oder bestimmte Deliktarten; wichtiger ist die Haltung der Person gegenüber dem Veränderungsprozess. Besonders motivierend erlebe ich die Arbeit, wenn Klient:innen Verantwortung übernehmen möchten, offen für Reflexion sind und das Ziel verfolgen, wieder einen stabilen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Normalerweise treffe ich meine Klient:innen einmal im Monat. Da ich zeitlich flexibel bin, richte ich mich bei der Terminvereinbarung gerne nach ihren Möglichkeiten. Die Treffen finden an unterschiedlichen Orten statt – je nachdem, was gerade passend oder hilfreich ist. Manchmal gehen wir gemeinsam spazieren, treffen uns in einem Kaffeehaus, bei den Klient:innen zu Hause oder in einem Büro von NEUSTART.

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Ihr Vertrauen zu gewinnen, tragfähige Beziehungen aufzubauen und sie zu einer konstruktiven Zusammenarbeit sowie zu positiven Veränderungsprozessen zu motivieren.

Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Da ich noch nicht lange in diesem Bereich ehrenamtlich tätig bin, kann ich die Wirkung meiner Arbeit bisher nur an einzelnen konkreten Beispielen festmachen. Mit zwei meiner Klienten habe ich einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben erarbeitet. Einer von ihnen hat inzwischen eine Arbeitsstelle bekommen. Der zweite hat mir rückgemeldet, dass ihn die fertigen Unterlagen motivieren, den nächsten Schritt zu gehen und sich aktiv zu bewerben. Sollte es auch ihm gelingen, beruflich wieder Fuß zu fassen, würde mich das sehr für ihn freuen. Für mich zeigt sich Wirkung also besonders dann, wenn jemand durch die gemeinsame Arbeit wieder mehr Zuversicht gewinnt, ins Handeln kommt und neue Perspektiven entwickelt.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Vor allem in Bewegung, Natur und Zeit mit meiner Familie. In meiner Freizeit gehe ich gerne wandern, schwimmen und Rad fahren. Außerdem liebe ich es zu reisen – und genieße es sehr, dass ich zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben nicht mehr auf die Hauptsaison angewiesen bin.
Gerade bin ich von einem sechswöchigen Aufenthalt in Madagaskar zurückgekehrt, wo ich die Möglichkeit hatte, an einer Schule zu unterrichten. Diese Zeit in einem sehr armen Land hat mir erneut vor Augen geführt, wie privilegiert wir sind, in einem Sozialstaat leben zu dürfen. Ich habe dort große Armut kennengelernt, aber auch wunderbare Menschen getroffen und erlebt, dass Zufriedenheit nicht zwingend von fließendem Wasser oder ständigem Internetzugang abhängt – sondern oft schon davon, ein Dach über dem Kopf, sauberes Wasser und ausreichend einfache Nahrung zu haben.
Ich wurde dort sehr herzlich aufgenommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die vor allem mit den einfachen Lebensverhältnissen zu tun hatten, habe ich mich sehr wohlgefühlt. Im nächsten Jahr möchte ich wieder zurückkehren – dann gerne für etwas länger, weil ich nun besser weiß, was an der Schule gebraucht wird und wo und wie ich sinnvoll unterstützen kann.

Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Für mich ist es besonders bereichernd, dass ich in meiner Tätigkeit nicht nur mit den vielfältigen Lebensgeschichten der Klient:innen in Kontakt komme, sondern dabei auch viele bemühte, sympathische und beeindruckende Menschen kennenlernen darf. Ebenso schätze ich die regelmäßigen Teamsitzungen, weil man dadurch die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen sowie die hauptamtlichen Kolleg:innen besser kennenlernt. Ich empfinde den Austausch in diesen Sitzungen als sehr wertvoll und bereichernd. Die Gespräche geben mir hilfreiche Denkanstöße und praktische Tipps, die mich unterstützen, wenn ich in der Arbeit mit einer:m Klient:in an meine Grenzen stoße oder neue Perspektiven benötige.
Auch die Fortbildungen empfinde ich als große Unterstützung: Sie vermitteln wichtiges Hintergrundwissen, das ich in meine Arbeit einbringen kann. Darüber hinaus ist für mich der Kontakt mit verschiedenen Institutionen und den dort tätigen Mitarbeiter:innen neu und interessant.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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