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Tatausgleich vermeidet Gerichtsverhandlung

Bei bestimmten Alltagsdelikten wie Körperverletzungen oder Drohungen, bei denen es zu Auseinandersetzungen zwischen Personen gekommen ist, muss es nicht immer zu einer Gerichtsverhandlung kommen. Als Alternative kann von Staatsanwaltschaften oder Gerichten ein Tatausgleich angeboten werden. In der Folge nimmt eine Konfliktreglerin oder ein Konfliktregler von NEUSTART Kontakt mit Beschuldigter oder Beschuldigtem und Opfer auf und klärt in Einzelgesprächen, ob und unter welchen Bedingungen die Bereitschaft zur Teilnahme an einem Tatausgleich gegeben ist. Ein gelungener Tatausgleich hat zur Folge, dass es keine Gerichtsverhandlung und keine Verurteilung gibt. Die Beteiligten haben selbst im Rahmen des Tatausgleichs einen fairen Ausgleich herstellen können. Beschuldigte werden dadurch nicht kriminalisiert, sondern entgehen einer Vorstrafe.

Opfer haben die Möglichkeit, ihre Wünsche, Interessen und Gefühle zu formulieren und unbürokratisch Wiedergutmachung und Schadenersatz zu erlangen. Die Teilnahme an einem Tatausgleich ist für Opfer und Beschuldigte freiwillig.

Gespräche am runden Tisch

Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, kommt es nach den Einzelgesprächen und allen erforderlichen Abklärungen zu einem gemeinsamen Gespräch am runden Tisch. Ziel ist es, eine faire, umfassende und für alle Konfliktpartner tragfähige Lösung außerhalb des gerichtlichen Prozessweges zu erarbeiten. Unsere in Mediation ausgebildeten und erfahrenen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter achten darauf, dass die Interessen des Opfers wahrgenommen werden und die oder der Beschuldigte die Verantwortung für ihre oder seine Tat übernimmt. Zu einem gelungenen Tatausgleich gehören die materielle Schadenswiedergutmachung, eine ehrliche Entschuldigung sowie sonstige Vereinbarungen, um künftige Vorfälle zu vermeiden.

Voraussetzungen für einen Tatausgleich

  • Angebot der Staatsanwältin, des Staatsanwalts oder der Richterin / des Richters
    auch auf Anregung des Opfers oder der Beschuldigten
  • Einstufung der Schuld als „nicht schwer“
  • keine Zuständigkeit eines Schöffen- oder Geschworenengerichtes
  • die Tat darf nicht den Tod eines Menschen zur Folge gehabt haben
  • Zustimmung des Opfers: Ablehnungsgründe des Opfers haben Einfluss auf Entscheidung
  • Bereitschaft, für die Tat einzustehen und sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen
  • Bereitschaft der oder des Beschuldigten, die Folgen der Tat auszugleichen, insbesondere einen entstandenen Schaden wiedergutzumachen
Gute Erfolge bei Jugendlichen und Erwachsenen

Derzeit (2019) werden dem Verein NEUSTART pro Jahr rund 5.000 Fälle von Staatsanwaltschaften und Gerichten zum Tatausgleich zugewiesen. NEUSTART hat 30-jährige Erfahrung mit zirka 168.000 Tatausgleichsfällen, an denen 300.000 Menschen entweder als Beschuldigte oder Opfer beteiligt waren. Bei Erwachsenen können die Konfliktreglerinnen und Konfliktregler in 70 Prozent der Fälle eine Einigung zwischen Beschuldigter oder Beschuldigtem und Opfer herbeiführen; bei Jugendlichen liegt die Erfolgsquote sogar bei über 85 Prozent.

Die Rückfallquote beim Tatausgleich liegt laut der jüngsten Studie zur Legalbewährung nach einem positiv abgeschlossenen Tatausgleich bei 13 Prozent. Das heißt, dass 87 Prozent nach einem Tatausgleich nicht mehr rückfällig (beziehungsweise straffällig) werden. Bei Gewalt in Paarbeziehungen werden nach einem positiven Abschluss des Tatausgleichs sogar 89 Prozent nicht mehr rückfällig (Studie Legalbiografien von NEUSTART Klienten, Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Hofinger, Peschak 2017).

Broschüren und Informationen in verschiedenen Sprachen finden Sie unter Downloads.