Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtliche Bewährungshelferin?
Seit Oktober 2013 in der Stadt Salzburg.
Was gefällt dir daran am besten?
Dass man drei Jahre Zeit hat für die Betreuung, in denen eine echte Reflexion der Handlungen passiert. In dieser Zeit kann man die Ressourcen der Klient:innen nachhaltig stärken und ihre Entwicklung beobachten.
Und was machst du hauptberuflich?
Ich bin inzwischen in Pension, davor war ich seit 1986 auch hauptberuflich Bewährungshelferin.
Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und früherer Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Natürlich kommt mir meine Erfahrung von früher im Ehrenamt noch zugute. Ich arbeite nach wie vor gerne mit unterschiedlichen Leuten und schätze die Inputs aus meinem Team Ehrenamtlicher.
Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche Bewährungshelferin bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Da bekomme ich durchwegs positive Rückmeldungen, interessierte Nachfragen und sehr viel Anerkennung.
Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Fünf.
Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Ich arbeite mittlerweile gerne mit Erwachsenen, sehr gerne mit Frauen. Bis auf Delikte im massiv rechtsradikalen Bereich – dafür fühle ich mich nicht genug ausgebildet – habe ich mit keinem Delikt Probleme.
Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Seit meiner Pensionierung treffe ich die Klient:innen dort, wo sie sich am wohlsten fühlen – mache Hausbesuche, Spaziergänge oder wir treffen uns im Café. Bei sehr heiklen Themen finden die Termine aber immer im Büro statt. Zeitlich habe ich als Ehrenamtliche zwar mehr Ressourcen, dafür sind Fehltermine jetzt lästiger.
Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Vertrauen aufbauen, Ziele finden, kleine Fortschritte fördern und Mut bei Rückschlägen vermitteln. Außerdem ist es herausfordernd, den Selbstwert der Klient:innen zu stärken und ihnen gleichzeitig die Realität aufzuzeigen. Viele haben Brüche in der Vergangenheit erlebt, umso wichtig ist, dass sie spüren, dass ich dranbleibe und zu ihnen stehe, gleich was passiert.
Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Wenn Klient:innen ihr Verhalten besser reflektieren, Verantwortung übernehmen, Vertrauen aufbauen und alte Verhaltensmuster durchbrechen können.
Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Ich habe viele Enkelkinder, arbeite zeitweise in einer Bibliothek und engagiere mich politisch, außerdem sind meine Freundinnen sehr wichtig für mich.
Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Ehrenamtliche bereichern die Arbeit der hauptberuflichen Bewährungshilfe durch ihre Herangehensweisen und ihren frischen Blick aus unterschiedlichen Berufen. Mich hat schon im Hauptberuf die Arbeit als Leiterin eines Teams Ehrenamtlicher sehr inspiriert!


