Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtliche Bewährungshelferin?
Mein Name ist Elisabeth Bachlechner und ich bin 66 Jahre alt. Seit zwei Jahren bin ich im Team Bruck an der Leitha-Hainburg tätig.
Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Nachdem ich 44 Jahre als Sozialarbeiterin tätig war und 2023 den Ruhestand angetreten habe, wollte ich mich weiterhin sozial engagieren. Durch eine ehemalige Arbeitskollegin, und mittlerweile Freundin, bin ich in meinem Team gelandet und freue mich sowohl über das gute Klima im Team als auch über die spannende Tätigkeit mit den Klient:innen.
Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und ehemaliger Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Durch meine langjährige Arbeit als Sozialarbeiterin in der Kinder- und Jugendhilfe und der Erwachsenensozialarbeit konnte ich viel Erfahrung sammeln, was den Umgang mit Menschen in Krisen betrifft. Die Gesprächsführung und der Beziehungsaufbau mit meinen Klient:innen fällt mir nicht schwer.
Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche Bewährungshelferin bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Bei vielen ruft es doch Erstaunen hervor, dass ich mich auch nach dem aktiven Berufsleben noch im sozialen Engagement betätige.
Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Ich begleite seit zwei Jahren zwei Klient:innen, vor kurzem habe ich zusätzlich eine weitere Frau und einen jungen Mann übernommen.
Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Ich betreue vom jungen Mann mit Migrationshintergrund bis zur 68-jährigen Pensionistin verschiedene Altersgruppen mit verschiedenen Delikten, wobei ich keine Delikt-Art „bevorzuge“.
Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Auch die Betreuungssituationen und Termine laufen unterschiedlich ab. Vom 14-tägigen bis zum reduzierten Kontakt alle zwei Monate finden die Treffen entweder im Haushalt der Klient:innen, im Kaffeehaus oder im Freien bei einem Spaziergang statt. Bis jetzt fanden sämtliche vereinbarten Termine statt, meine Klient:innen sind sehr verlässlich und auch gut telefonisch erreichbar.
Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Bis jetzt habe ich gemerkt, dass es einem Großteil der Klient:innen schwerfällt, über das Delikt, bzw. die Deliktverarbeitung zu sprechen, sie schämen sich und neigen dazu, das Geschehene zu verdrängen. Durch die emphatische Haltung der ehrenamtlichen Bewährungshelfer:innen kann es gelingen, eine professionelle Beziehung aufzubauen, die es ermöglicht, Vertrauen aufzubauen und daran zu arbeiten.
Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Ich bekomme positives Feedback von den Klient:innen und bis jetzt gab es bei ihnen keine Rückfälle – wobei zwei Jahre noch recht kurz ist.
Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie – meinem Mann, meinen Kindern und meinem Enkelkind, bin in meinem Ort in einer Laien Schauspieltruppe, singe in einem gemischten Chor und versuche mich im Volleyballspielen. Ansonsten lese ich gerne und fahre auch gerne mit dem Rad.
Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Es gibt die Wende zum Guten. Die Bewährungshilfe gilt als die wirkungsvollste Methode, um straffällige Menschen langfristig wieder in unsere Gesellschaft einzugliedern. Eine Studie aus 2017 besagt, dass 70 Prozent nach der Betreuung durch die Bewährungshilfe rückfallfrei bleiben. Das motiviert mich.


