Suche
Close this search box.

#TeamNEUSTART: Elias Rieder

Elias Rieder ist Lehramtsstudent und ehrenamtlicher Bewährungshelfer in Tirol. Seinen Kopf bekommt er beim Reisen frei, zu Fuß oder mit dem Motorrad…

Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtlicher Bewährungshelfer?
Mein Name ist Elias Rieder und ich bin 28 Jahre alt. Ich wuchs in relativ kleinen Dörfern in Tirol, später in Vorarlberg, auf und wohne seit einigen Jahren in Innsbruck. Seit November 2021 engagiere ich mich dort als ehrenamtlicher Bewährungshelfer bei NEUSTART.

Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Die ehrenamtliche Bewährungshilfe bietet mir die Möglichkeit, in Lebenswelten und Institutionen einzutauchen, mit denen ich vorher wenig Berührungspunkte hatte. Dabei werde ich regelmäßig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Zudem gefällt mir die Vorstellung, mich in einer 1-zu-1 Betreuungssituation vollkommen auf einen Menschen konzentrieren zu können. Kurz gesagt: Jeder Mensch hat sein gewohntes Lebensumfeld, oft auch „Bubble“ genannt. Aus dieser hin und wieder auszubrechen, erfüllt mein Leben mit Abwechslung und steigert meine Empathiefähigkeit.

Und was machst du hauptberuflich?
Ich bin Lehramtsstudent and der Uni Innsbruck, meine Fächer sind Sport und Geschichte. Vor allem als Trainer in verschiedenen Sportkursen und als Aushilfslehrer verdiene ich neben dem Studium mein Geld.

Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Als Lehrperson beschäftigt man sich mit großen Gruppen junger Menschen. Die Ressourcen, bei einigen Schüler:innen genauer hinzuschauen sind daher sehr begrenzt. Bei NEUSTART schule ich meine Fähigkeiten im Erkennen und Begleiten von Situationen, in denen Unterstützungsbedarf besteht.

Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche:r Bewährungshelfer:in bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Meine Mutter meinte anfangs: „Übernimm dich nicht.“ Freunde sind oft beeindruckt, da ich Einblick in den meisten eher unbekannte Bereiche habe und z.B. viel über das Strafrecht in Österreich lernen konnte. Auf die Frage, wie ich Zeit dafür finde, antworte ich, dass ich mir die Termine selber einteilen kann und ich auch eine Aufwandsentschädigung für den Zeitaufwand erhalte.

Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Ich begleite derzeit fünf Klient:innen, was auch das festgelegte Maximum für Ehrenamtliche ist.

Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Da ich noch nicht so lange dabei bin, kann ich das schwer beurteilen. Zurzeit betreue ich aber sehr junge Klient:innen zwischen 17 und 25 Jahren, die alle für Verbrechen gegen Leib und Leben verurteilt wurden. Da ich der jüngste in unserem Team bin und Lehrer werde, finde ich diese Zuteilung sinnvoll. Ich kann es mir aber genauso vorstellen, mit älteren Klient:innen zu arbeiten.

Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Stehen ernsthafte Gespräche an und ist die Deliktverarbeitung noch nicht abgeschlossen, treffe ich meine Klient:innen gerne im Büro. Dort haben wir einerseits unsere Ruhe, andererseits kann ich von einem professionellen Umfeld profitieren und jederzeit Fragen an Hauptamtliche stellen. Mit Fortschreiten der Betreuung bin ich gerne draußen und gehe mit meinen Klient:innen spazieren. Mit meinem am längsten betreuten Klienten werde ich bald eine Führung durch die Uni unternehmen, da er sich dafür interessiert.

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Eine geeignete Tagesstruktur aufzubauen ist für viele Jugendliche und junge Erwachsene, die schon länger keiner Beschäftigung oder Ausbildung nachgehen, extrem schwer. In solchen Fällen ist deren Verlässlichkeit bei Terminen auch oft ein Thema. Weiters ist auch eine nachhaltige Einstellungsänderung ohne den Ausstieg aus gewissen sozialen Umfeldern kaum möglich. Die Motivation dafür muss von den Klient:innen selbst kommen. Manche haben sie schon zu Beginn der Betreuung und bei einigen hoffe ich, dass sie sie bald finden werden. Um Regeln und deren Sinnhaftigkeit anzuerkennen ist eine gewisse Identifikation mit unserer Gesellschaft notwendig. Diese fällt jenen besonders schwer, die sich nicht zugehörig fühlen.

Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Wenn mit fortschreitendem Beziehungsaufbau das Vertrauen wächst und ich mehr über die Lebenssituationen der Klient:innen erfahre. Dann werden auch meine Hilfestellungen mehr in Anspruch genommen. Bleiben Klient:inne über längere Zeit straffrei, empfinde ich es aber als deren Erfolg.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Alles, wobei ich meinen Körper mehr als mein Kopf einsetzen kann, hilft mir, einen Ausgleich zu finden. Ich mache Sport, übe mich in Handwerklichem oder spiele auf der Gitarre. Am Wochenende gehe ich auch gerne mit Freunden feiern. Auf ein- oder mehrwöchigen Reisen zu Fuß oder mit dem Motorrad bekomme ich meinen Kopf dann so richtig frei.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

Mehr von mir lesen >>