Orange the World!

Es sind noch acht Jahre Zeit: Bis 2030 soll es keine oder zumindest bedeutend weniger Gewalt gegen Frauen und Mädchen geben. Das ist das ausdrückliche Ziel der UN-Kampagne Kampagne „UNITE to End Violence against Women by 2030“.

#16Tage gegen Gewalt an Frauen


Es ist ein ambitioniertes Ziel, denn gemäß der UN Women Statistik aus dem Jahr 2018 ist weltweit jede dritte Frau Opfer physischer, psychischer und/oder sexueller Gewalt. In Österreich ist es jede fünfte Frau. Damit zählt Gewalt gegen Frauen nach wie vor zu den am weitest verbreiteten Menschenrechtsverletzungen.
Häusliche Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung, die zumeist hinter verschlossenen Türen geschieht. Manchmal sogar im buchstäblichen Sinn, wenn Betroffene daran gehindert werden, Hilfe zu rufen. Immer jedoch im übertragenen Sinn. Es fällt schwer, sich einzugestehen, dass es im eigenen Zuhause zu Gewalt kommt – allen Beteiligten. Deshalb ist auch die Dunkelziffer bei diesem Thema besonders hoch.

Seit 2015 gibt es die Kampagne „Orange the World!“

Von 25. November bis 10. Dezember erstrahlen Gebäude und Wahrzeichen in oranger Farbe als sichtbares Zeichen der Solidarität mit Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt. Auch unsere Website und Social Media Kanäle werden während dieser Zeit nicht wie gewohnt in Pink, sondern in Orange ein Zeichen setzen und die Kampagne mittragen.

Die Kolleg:innen von NEUSTART sind in ihren Aufgabenbereichen immer wieder mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert: Manchmal gang „offiziell“, wenn Klient:innen im Zusammenhang mit einem einschlägigen Delikt zu NEUSTART kommen, manchmal aber auch „by the way“, wenn im Laufe der Betreuung und Beratung das Thema häusliche Gewalt angesprochen und bearbeitet wird. Klar ist dabei immer das Bekenntnis zu opferschutzorientierter Täterarbeit.

Opferschutzorientierte Täterarbeit

Opferschutzorientierung besagt, dass die Arbeit mit den gewaltausübenden Personen mit dem Ziel durchgeführt wird, den Schutz, die Sicherheit und die Rechte der gewaltbetroffenen Personen zu gewährleisten. Erreicht wird dies vor allem durch einen institutionellen und fallbezogenen Austausch zwischen den Einrichtungen, die mit gewaltausübenden und jenen, die mit gewaltbetroffenen Personen arbeiten. Darum engagiert sich NEUSTART im Dachverband opferschutzorientierte Täterarbeit.

Die Schweizer Sozialarbeiterin und Sozialarbeitswissenschaftlerin Silvia Staub-Bernasconi versteht die Sozialarbeit als Menschenrechtsprofession. Dadurch lässt sich auch das Doppelmandat der Sozialarbeit im Zwangskontext auflösen. Sie ist nicht den Kontrollinteressen einer Gesellschaft verpflichtet, aber auch nicht ausschließlich den Erwartungen der Klient:innen. Schlussendlich bilden die Menschenrechte die Basis unserer Arbeit.

In diesem Sinne: „Orange The World“ und „Think Pink“! Mit unserer alltäglichen Arbeit tragen wir auch in Zukunft wesentlich dazu bei, dass sich Frauen und Kinder zuhause sicher(er) fühlen können.

Über die/den Autor:in
Dina Nachbaur

In der Leitung Sozialarbeit zuständig für den Themenkomplex häusliche Gewalt, die Gewaltpräventionsberatung, den elektronisch überwachten Hausarrest, die Prozessbegleitung und den Saftladen.

Nebenberuflich Lektorin an der Sigmund-Freud-Universität und Trainerin, unter anderem in der Fortbildung zur juristischen Prozessbegleitung.
Vor NEUSTART wissenschaftlich und im Opferschutz tätig.