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Femizide – das Problem der vermittelten Bilder

Ein weiterer erschütternder Femizid zeigt auch welch gravierendes Problem in der Berichterstattung über das Thema steckt.

Ein furchtbare Tat, die einen erschüttert: Eine Frau in Salzburg ist Opfer eines Tötungsdeliktes, eines Femizids, geworden. Der mutmaßliche Täter der Expartner. 

Was einen aber noch trifft und im ersten Moment sprachlos zurück lässt, sind die Begründungen, welche derzeit kommuniziert werden.

Man liest von „hoffnungsloser Verzweiflung“ und „auswegloser Situation“ aufgrund von beabsichtigter Trennung und Übernahmeabsichten des Opfers von gemeinsamen Unternehmen. Daher habe er „in einer allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung“ gehandelt, quasi im Affekt.

Lassen wir einmal die juristische Verteidigung außen vor und die genannten Gründe auf uns wirken – was spiegeln diese Worte für gesellschaftliche Bilder wider?

Wenn die Frau/Partnerin nicht handelt wie der Mann möchte, dann ist es verständlich, wenn dieser zu einem Messer greift und zusticht?

Wenn sie sich schon trennt, dann muss dies zu den Bedingungen des Mannes geschehen?

Die (männliche) Gesellschaft kann diese Gemütsbewegung natürlich nachvollziehen? 

Hier gehört von gesellschaftlicher Seite ein klares NEIN zu solchen Bildern her! Nicht das Opfer trägt die Verantwortung für die zugefügte Gewalt, sondern der Täter!

Auf Basis der genannten patriarchalen Haltungen kann erst Gewalt gegen Frauen entstehen und hier gehört entschieden vorgegangen.

Teils Jahrzehnte der Erfahrung in Hinblick auf Gewalt in Paarbeziehungen in der Bewährungshilfe, dem Tatausgleich, in Anti-Gewalt-Trainings und der Gewaltpräventionsberatung haben gezeigt, dass man die Hintergründe für Gewalt nicht beschönigen und beschwichtigen darf, sondern dass man diese konfrontativ und beharrlich ansprechen und bearbeiten muss! 

Dies in Kooperation mit den Opferschutzeinrichtungen, welche für Opfer von Gewalt unverzichtbar sind, denn nur so kann opferschutzorientierte Täterarbeit erfolgreich sein.

Aber es kommt auch auf die Gesellschaft als Ganzes an.
Wir alle sollten, ja müssen, die Bilder hinterfragen, die durch diese Aussagen vermittelt werden.

Alexander Grohs ist Leiter von NEUSTART Niederösterreich und Burgenland

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Über die/den Autor:in

Leiter von NEUSTART Niederösterreich und Burgenland seit 2017. Zuvor Abteilungsleiter und Sozialarbeiter, im Schwerpunkt tätig in der Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe und Anti-Gewalt-Training.
Nebenberuflicher Lektor an der der FH St. Pölten für „Devianz und Strafrecht“. Referent für Gewaltarbeit und (De-)Radikalisierung.
Vor NEUSTART als Flüchtlingsberater, Outplacer und Schulsozialarbeiter beschäftigt.

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