Ein Jahr Gewaltpräventionsberatung

Seit 1. September 2021 führt der Verein NEUSTART Gewaltpräventionsberatung im Auftrag des Innenministeriums durch.

Wien, 31. August (NEUSTART) – Seit 1. September 2021 müssen Personen, gegen die die Polizei ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausspricht, verpflichtend an einer sechsstündigen Gewaltpräventionsberatung teilnehmen. In fünf Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Oberösterreich) führt der Verein NEUSTART diese Beratungen durch.

In den vergangenen zwölf Monaten wurden NEUSTART mehr als 9.000 Gefährder:innen zur Beratung zugewiesen. 90 Prozent von ihnen sind männlich.

„Die Arbeit mit den Gefährder:innen ist herausfordernd, weil wir in sehr kurzer Zeit in einer hochemotionalen Situation eine Veränderungsbereitschaft bei unseren Klient:innen erreichen wollen“, sagt Dina Nachbaur, Leiterin der Gewaltpräventionsberatungen bei NEUSTART. „Der Vorteil ist, dass wir schon in einem sehr frühen Stadium einschreiten, also kurz nach dem Polizeieinsatz und lange vor einer möglichen Strafverhandlung. Damit schließen wir eine Lücke und das kann in vielen Fällen deeskalierend sein.“

Ein Großteil der Männer, die Gewaltpräventionsberatung in Anspruch nehmen müssen, sind bislang noch nicht straffällig geworden. Bei rund einem Drittel der Fälle kommt es zu keiner Anzeige. Das bedeutet, die Polizei ist bereits eingeschritten, bevor es zu einer Straftat gekommen ist. „Dass die Polizei eine Gewalttat verhindert, ist der Idealfall“, sagt Nachbaur. „Wir können dann mit der Person weiterarbeiten, damit Konflikte in Zukunft ohne Gewalt gelöst werden.“ Nachbaur rät potenziellen Opfern möglichst früh die Polizei zu alarmieren. An Männer, die bemerken, dass sie zu Gewalt neigen, appelliert Nachbaur, sich Hilfe zu holen, bevor die Situation eskaliert. Die Männerinfo bietet etwa eine telefonische Krisenberatung unter 0800 400 777, die rund um die Uhr erreichbar ist und kostenfrei und anonym weiterhilft.

„Die meisten unserer Klient:innen haben zuvor noch nie eine Beratung in Anspruch genommen und nehmen unser Angebot gut an“, sagt Nachbaur. „Besser wäre es natürlich, wenn sie sich schon zuvor freiwillig Hilfe gesucht hätten.“

Das wichtigste Ziel der Beratungen ist der Stopp der Gewalt. In den Einzelberatungen wird zunächst die unmittelbare Auswirkung der Gewalttat thematisiert. Es geht darum, ein Unrechtsbewusstsein bei den Gefährder:innen zu schaffen und an der Motivation zu arbeiten, gewalttätiges Verhalten zu ändern. Dazu wird zu freiwilligen Angeboten anderer Organisationen weitervermittelt, die über die sechs verpflichtenden Stunden hinausgehen. Die Gespräche werden von Sozialarbeiter:innen geführt, die bei Gefahr im Verzug die Sicherheitsbehörden alarmieren. Außerdem gibt es bei Risikofällen die Möglichkeit, eine sicherheitspolizeiliche Fallkonferenz anzuregen, bei der Polizei, Opferschutzeinrichtungen und andere involvierte Organisationen gemeinsam Maßnahmen besprechen können.

Über NEUSTART
Seit 1957 arbeitet NEUSTART in den Bereichen Straffälligenhilfe (Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe), Opferhilfe und Prävention. Der Verein bietet Einzelnen und der Gesellschaft Hilfen und Lösungen zur Bewältigung von Konflikten und zum Schutz vor Kriminalität an. NEUSTART beschäftigt 650 haupt- und rund 1.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit zählt NEUSTART zu einer der größten Non-Profit-Organisationen in Österreich. www.neustart.at

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