Wann und wie hat Sie Ihr beruflicher und/oder privater Weg in den NEUSTART Aufsichtsrat geführt?
Ich habe 1996, kurz nach dem Abschluss des Jusstudiums, meinen Zivildienst beim Außergerichtlichen Tatausgleich in der Hahngasse in Wien gemacht. Seither bin ich mit NEUSTART immer in Verbindung und im Austausch geblieben. Als ich dann meine Tätigkeit an der Universität begann, hielt ich Lehrveranstaltungen zu Diversion und alternativen Sanktionen, bei denen Vertreter:innen von NEUSTART regelmäßig zu Besuch sind. Als Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht bin ich regelmäßig mit Fragen der Resozialisierung von Straftäter:innen beschäftigt und denke über Alternativen zum Einsperren nach. 2023 wurde ich in den NEUSTART Aufsichtsrat gewählt, was mich sehr gefreut hat.
Was bedeutet Ihr Engagement bei NEUSTART für Sie persönlich?
Ich halte das Wirken von NEUSTART für enorm wichtig für unsere Gesellschaft. Wenn man sieht, was durch NEUSTART – für die einzelnen Täter:innen wie auch für die gesamte Gesellschaft – bewirkt werden kann und wie professionell bei NEUSTART gearbeitet wird, dann ist es für mich eine große Freude und Ehre, mich für NEUSTART zu engagieren. Wenn man sich in der Theorie beruflich so viel mit Strafrecht und der Entwicklung des Strafrechts beschäftigt, dann ist es gut zu erleben, wie ein positiver und konstruktiver Umgang mit straffällig gewordenen Menschen funktionieren kann.
Welche Anekdote, welches prägende Ereignis verbinden Sie mit NEUSTART? Gibt es einen Anlass, der Sie besonders berührt, bewegt oder beschäftigt hat?
Die Zeit des Zivildienstes bei NEUSTART war eine so prägende Zeit für mich – sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht. Ich habe viel über Menschen, menschliches Zusammenleben, Sinn und Zweck des Strafens, Resozialisierung, Restorative Justice und sinnvolle, konstruktive Antworten auf Straftaten gelernt. Dafür bin ich heute noch all jenen dankbar, mit denen ich damals zusammenarbeiten durfte. Ich erzähle heute noch meinen Studierenden Geschichten von Begegnungen mit Beschuldigten, den Umgang mit bestimmten Straftaten, die Erfahrungen, wie ein Tatausgleich funktioniert, aus dieser Zeit. Diese Zeit des Zivildienstes war sicher auch Grund dafür, dass mich mein beruflicher Weg ins Strafrecht geführt hat.


