Johannes F. wurde an einem Freitag aus der Haft entlassen. Schon am folgenden Montag stand er in der Einrichtung von NEUSTART und wollte mit seiner Bewährungshilfe beginnen. Da war der Akt des Gerichts noch nicht einmal eingelangt. „Ich wollte mein Leben komplett verändern“, sagt er. „Bei der Haftentlassung wusste ich, dass ich viel zu tun habe. Deshalb wollte ich eines nach dem anderen angehen – aber so schnell wie möglich.“ Wohnung und Arbeit hatte Johannes F. schnell gefunden. Somit konnte er sich voll auf die Suchttherapie und die Bewährungshilfe konzentrieren. Ihm war klar, dass er für das Lösen seiner Probleme selbst verantwortlich war, nicht sein Therapeut, nicht sein Bewährungshelfer und auch sonst niemand. „Am Ende des Tages war das Delikt meine Schuld. Also kann ich nicht von anderen erwarten, dass sie das wegzaubern. Ich musste die Dinge selbst in die Hand nehmen.“ Johannes grundlegendes Problem war nicht der Kokainkonsum – den hatte er aufgrund der Verhaftung bereits auf null reduziert. Sein Problem war die Gewaltbereitschaft. „Damit hatte ich mich viel beschäftigt. Und in meinem Fall kann man auch nicht sagen, die familiäre Situation wäre schuld gewesen“, sagt er. „Ich hatte eine Bilderbuchkindheit, keine Gewalt, kein Alkohol, keine Drogen.“ Und dennoch kam es dazu, dass Johannes sich als Teenager mehr und mehr durch die Gewalt, die er anderen zufügte, definierte. „Man hat mich gekannt, teilweise gefürchtet. Die Gewalt war meine Visitenkarte, meine Identität.“
Johannes F. hat bei seiner bedingten Haftentlassung selbst angeregt, ein Anti-Gewalt-Training besuchen zu wollen. Das absolvierte er dann bei NEUSTART. Mit seinem Bewährungshelfer besprach Johannes F. die Gruppensitzungen immer nach. Mit Erfolg. „Ich gehe Gewaltsituationen aus dem Weg“, sagt er. „Wenn ich merke, jemand ist gestresst, setze ich mich in der Straßenbahn einfach woanders hin. Früher bin ich auf jede Provokation eingestiegen. Heute geh’ ich weg. Das ist der wahre Gewinn. Ich kann heimgehen, muss mir keine Gedanken machen, ob die Polizei kommt, sondern kann ruhig einschlafen, weil ich weiß, dass ich keine Straftat begangen habe.“


