Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtlicher Bewährungshelfer?
Mein Name ist Lothar Lins. Ich bin Jahrgang 1981 und werde somit dieses Jahr 45 Jahre alt. Ich bin seit 2019 ehrenamtlich im Team Feldkirch tätig.
Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Ein Kollege aus meinem „profanen“ Beruf machte mich auf die Tätigkeit aufmerksam. Für die Entscheidung mich bei NEUSTART zu bewerben, ließ ich mir dann aber zwei Jahre Zeit, da ich neben meinem Hauptberuf bei der Lebenshilfe Vorarlberg auch noch bei der Wassergenossenschaft Rankweil im Ausschuss mitwirke und bei der Agrargemeinschaft im Prüfungsausschuss bin. Somit bin ich im Ehrenamt sehr gut beschäftigt. Ausschlaggebend für NEUSTART war die Tätigkeit mit Menschen, die sinnstiftend und wirksam ist. Mit kleinen Dingen kann man viel erreichen, Methodik mit Beziehungsarbeit kombinieren und im Idealfall eine echte Stütze in der positiven Lebensgestaltung eines Menschen darstellen.
Und was machst du hauptberuflich?
Ich bin Leiter des Wohnhaus Muntlix und Teamleiter Selbstständiges Wohnen bei der Lebenshilfe Vorarlberg.
Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Die Erfahrungen, die ich in inzwischen 25 Jahren in der Arbeit mit und für Menschen sammeln konnte, machen mir den Zugang sicher einfacher. Den Schwerpunkt nicht auf Defizite zu setzen, sondern Ressourcen und Potentiale zu erkennen und zu versuchen, diese zu nutzen, ist in beiden Bereichen möglich und wichtig. Es geht darum, Vertrauen und eine belastbare Beziehung zu schaffen, damit ein offener und ehrlicher Austausch für die erfolgreiche Arbeit an und mit Themen möglich ist.
Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtlicher Bewährungshelfer bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Mein Umfeld ist durchwegs interessiert an dieser Tätigkeit. Ich würde sagen, es ist wohl eine Mischung aus Neugier und Faszination.
Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Drei.
Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Ich denke, dass mir jüngere Menschen mehr liegen – die Beurteilung ist aber schwierig, weil mir die Erfahrung mit älteren Klient:innen fehlt.
Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Nein, die eine typische Situation gibt es nicht. Ich versuche immer, auf die jeweilige Situation und Vorlieben einzugehen und die Gestaltung der Termine dadurch möglichst stress- und druckfrei zu machen.
Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Das gilt nicht nur für Straffällige aber wenn ich merke, dass Mühe und Engagement nichts bewirken, die:der Klient:in eine positive Wirkung nicht sehen und reflektieren kann und dadurch kein Fortschritt erkennbar ist.
Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Wenn ich mit kleinen Dingen, mittels Beziehungsarbeit und/oder Kontakten im Sozialraum Hürden abbauen oder minimieren und so den Weg zu einem normalen Leben erleichtern kann.
Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Meine Freizeit ist als Vater von Drillingen sicherlich von meiner Familie dominiert. Daneben beschäftige ich mich mit Schmieden, lese sehr gerne und brenne selbst Spirituosen aus heimischen Obstsorten.


