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#TeamNEUSTART: Melanie Hain

Melanie Hain sieht sich als Zacken im Zahnrad des Lebens ihrer Klient:innen. Ein schönes Bild, das ihren menschlichen und professionellen Zugang zur Arbeit als Sozialarbeiterin bei NEUSTART Oberösterreich sehr treffend illustriert…

Bitte stell dich kurz vor
Ich heiße Melanie Hain, bin 28 Jahre alt und wohne in Linz.

In welcher NEUSTART Einrichtung und welchem Bereich arbeitest Du?
Ich arbeite bei NEUSTART Linz in der Bewährungshilfe, im elektronisch überwachten Hausarrest und führe Sozialnetzkonferenzen durch. In der Bewährungshilfe betreue ich auch Sexualstraftäter:innen und Menschen die nach §278 StGB (Straftaten im Rahmen einer terroristischen Vereinigung) verurteilt wurden.

Seit wann bist du bei NEUSTART?
Seit 1. April 2019.

Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag für dich? Falls ja, wie sieht dieser aus?
Dass jeder Tag anders abläuft und ich nie weiß, was zusätzlich zu den planbaren und vereinbarten Terminen dazukommt, macht meinen Arbeitsalltag abwechslungsreich. In der Früh trinke ich gerne mit Kolleg:innen einen Kaffee und starte dann im Büro mit dem Lesen von Mails und schaue, ob dringende Sachen in den Akten zu erledigen sind. Dann habe ich Termine in den verschiedenen Leistungsbereichen, mache die DOKU (Dokumentationssystem von NEUSTART), schreibe Gerichtsberichte und arbeite Anliegen, die kurzfristig kommen, ab. Punktuell begleite ich Klient:innen bei Behördengängen, zu Gerichtsverhandlungen oder besuche sie bei sich zuhause. An ein paar Tagen im Monat besuche ich meine Klient:innen in meinem Außendienstgebiet in Rohrbach.

Warum hast du dich für NEUSTART als Arbeitgeber entschieden?
Ich habe 2015 mein Langzeitpraktikum bei NEUSTART absolviert und hier einen Arbeitsalltag erlebt, der von interessanten Klient:innen, einem sehr guten Arbeitsklima und einem hohen Maß an Professionalität geprägt war. Deshalb wusste ich, dass NEUSTART mein berufliches Ziel in der Sozialarbeit ist und habe es seither nicht aus den Augen verloren. Nach meinem Masterabschluss 2019 wurde dann ein Job frei, ich bewarb mich und bin sehr froh, mich für NEUSTART entschieden zu haben – und NEUSTART sich für mich. Ich schätze vor allem die Abwechslung, die tollen Kolleg:innen, das hohe Maß an Selbstorganisation und die damit verbundene Flexibilität.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?
Jeder Tag ist anders, man weiß nie, mit was die Klient:innen kommen und das sorgt dafür, dass es immer spannend bleibt. Neben dem Kennenlernen und Betreuen meiner Klient:innen, interessiert es mich natürlich, wie ihr Leben bisher ausgesehen hat und wie es sich so entwickelt hat, dass sie nun bei mir sitzen. Am meisten gefällt mir, wenn man die Früchte der Arbeit sieht, wenn Menschen einen Mehrwert aus meiner Betreuung ziehen und ihr Leben in eine positive Richtung verändern können.

Was sind die größten Herausforderungen in deinem Job?
Herausfordernd erlebe ich die Summe an Klient:innen und die zeitlich begrenzten Ressourcen dafür. Teilweise geht sich alles gut aus, manchmal muss man aber auch Abstriche machen und priorisieren. Es ist nicht immer einfach, das mit den eigenen Ansprüchen zu vereinbaren. Ebenso herausfordernd sind die strukturellen Gegebenheiten, mit denen Klient:innen – und in weiterer Folge auch wir als Betreuer:innen – oft konfrontiert sind. Da kommt man schon mal an Grenzen, die, unabhängig vom Willen und Bemühen der Menschen, nicht überwindbar sind.

Wo hast du gesehen, dass deine Arbeit etwas bewirkt?
Da gibt es Gott sei Dank viele Anhaltspunkte. Was mir gleich einfällt ist, wenn Menschen anfangen, wieder an sich selbst zu glauben und sich auch was zutrauen. Oft kommen sie zu Beginn der Betreuung mit einem sehr angekratzten Selbstwert. Sie haben wenig Vorstellung davon, was sie eigentlich können und wie sich ihr Leben tatsächlich verändern kann. Wenn es in der Probezeit zu keinen neuen Straftaten gekommen ist und sich die Lebensqualität, in Bezug auf verschiedene Aspekte, verbessert hat, dann sehe ich, dass die Betreuung etwas bewirkt hat.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job?
Es sollte das Ziel sein, dass man am Ende des Tages nachhause geht und die – teilweise wirklich traurigen, schwierigen und berührenden – Geschichten der Klient:innen im Büro lässt. Das gelingt mir nicht immer, aber ich bin mir bewusst, dass ich von Montag bis Freitag einen Teil dazu beitragen kann, meine Klient:innen auf dem Weg in ein stabileres Leben zu begleiten. Ich bin aber nur ein Zacken im Zahnrad ihres Lebens, das auch ohne mich weiterläuft – dieser Gedanke entlastet mich. Ansonsten finde ich Ausgleich bei den verschiedensten Aktivitäten mit Freund:innen, draußen in der Natur und auf Reisen. Dass wir Kolleg:innen auch außerhalb der Arbeit Kontakt miteinander haben, man sich auch über die Arbeit hinaus kennenlernt und gerne was zusammen unternimmt, ist auch ein schöner Ausgleich.

Gibt es sonst noch etwas, das du mit deinen Kolleg:innen teilen möchtest?
Ihr tragt einen großen Teil dazu bei, dass ich so gut wie jeden Tag gerne in die Arbeit komme – ich schätze eure Hilfsbereitschaft, euer Wissen, euren Sinn für Humor und vor allem unseren respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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