Stell dir vor, du bist Schulsozialarbeiter:in und die Schule ist geschlossen…

Ursula Brandauer berichtet über ihre Erfahrungen als Schulsozialarbeiterin in Zeiten der Pandemie.

Stell dir vor, du bist Schulsozialarbeiter:in und die Schule ist geschlossen…

Mein fünfzehnjähriger Sohn hat mich einmal gefragt, warum die Schüler:innen zu mir kommen. Er würde nie freiwillig zum Schulpsychologen gehen. Ich glaube das Geheimnis ist, dass wir einfach da sind, Zeit haben und zuhören. Es gibt kein Anmeldeformular, es bedarf keiner Zustimmung von Lehrer:innen oder Eltern, wir sind einfach da und unsere Tür ist offen.

Und dann kommt eine Pandemie…

Wer hätte sich je vorstellen können, dass Schulen geschlossen werden? Nicht nur für einen Tag oder eine Woche, sondern richtig lange und immer wieder. Von einem Tag auf den anderen ist nicht mehr möglich, was unsere Schulsozialarbeit ausmacht: Das persönliche Gespräch. Und das in einer Situation, in der uns die Jugendlichen besonders brauchen. In einer Krisenzeit, in der niemand sagen kann, wie es weiter geht, in der es Sorge um die eigene Gesundheit und finanzielle Existenz gibt.

In dieser Situation kam uns die jahrelange gute Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und Lehrer:innen zugute. Sehr unkompliziert konnten wir die Plattformen der Schule nützen, um Kontakt aufzunehmen, nachzufragen wie es geht und unsere Hilfe anzubieten. Die Botschaft war ausgesendet und die Rückmeldungen waren sehr unterschiedlich. Von „Passt schon- Danke“ bis „Mir geht es schlecht“. Aber richtig gute Gespräche waren kaum möglich. Wichtig war zu vermitteln, wir sind nach wie vor da. Nach dem ersten Lockdown haben wir angefangen, alle Möglichkeiten, die wir finden konnten, auszuschöpfen. Die Lehrer:innen haben uns informiert, wenn der Kontakt abgebrochen ist oder sie das Gefühl hatten, es braucht da oder dort Unterstützung. Wir sind wieder an die Schulen gefahren, haben einzelne Schüler:innen eingeladen, sind mit ihnen spazieren gegangen oder haben uns getroffen.

Auch die Salzburger Schulbehörde hat reagiert und eine „fliegende Schulsozialarbeit“ installiert, um auch in Schulen, an denen es noch keine Schulsozialarbeit gab, Hilfe anzubieten. Wir haben uns auf den Weg gemacht – vom Lungau bis in den Oberpinzgau –, um dort Unterstützung anzubieten, wo Direktor:innen konkreten Bedarf sahen. Der vom Land Salzburg geplante Ausbau der Schulsozialarbeit fand vorwiegend an diesen Schulen statt.

Es fällt schwer, über die vergangenen beiden Jahre Schulsozialarbeit ein einheitliches Bild zu zeichnen. Es hat so viele verschiedene Phasen gegeben. Da war die Hoffnung auf ein neues Schuljahr ohne Einschränkungen, das leider nicht gekommen ist. Da waren die letzten Monate, in denen von Tag zu Tag so viel Unsicherheit auf dem Stundenplan gestanden ist. All das hat uns herausgefordert und das tut es noch immer. Ich bin stolz darauf, dass wir uns den Herausforderungen gestellt haben und ich mit guten Gewissen sagen kann: Wir haben unsere Schüler:innen nicht alleine gelassen.