Happy Birthday, Gewaltpräventionsberatung!

Am 1. September 2026 feiert die Gewaltpräventionsberatung in Österreich ihren fünften Geburtstag. Zeit, „Danke“ zu sagen.

Für alle, die nicht bis zum Ende des Beitrages lesen wollen: Mit der Einführung der Gewaltpräventionsberatung ist NEUSTART ein Quantensprung in der opferschutzorientierten Täter:innenarbeit gelungen.

Der Dank dafür gebührt allen Kolleg:innen, die schon lange bei NEUSTART waren und sich auf etwas vollkommen Neues eingelassen haben. Der Dank gebührt aber genauso allen Kolleg:innen, die die Chance genutzt haben, NEUSTART zu (ver)stärken, und mit neuen Perspektiven und anderen Erfahrungen zu uns gekommen sind. Durch euch alle ist NEUSTART eine Organisation mit festen Wurzeln und neuen Trieben.

Danke auch an alle, die einen vollkommen übereilten Start überhaupt erst möglich gemacht haben: in der Verwaltung, in Führungspositionen, in den Einrichtungen und in der Zentrale – im Zentralbereich Sozialarbeit,  in der Personalabteilung und Personalentwicklung, in den Finanzen und im Berichtswesen, in den Zentralbereichen Recht und Infrastruktur, in der Innenrevision, im Projektmanagement und in der Kommunikation.

Vor fünf Jahren waren die Belastungen durch die neue Leistung deutlich spürbar. Damals habe ich in vielen Gesprächen zu Kolleg:innen gesagt: In einigen Jahren werden wir zurückschauen und stolz sein auf das, was wir geschafft haben. Dass es eine ganz eigene Magie habe, etwas Neues aufzubauen.

Ich hoffe, vielen von euch geht es heute tatsächlich so.

Eines haben diese fünf Jahre jedenfalls gezeigt – unabhängig davon, wie man zur Gewaltpräventionsberatung steht: NEUSTART ist als Organisation unglaublich selbstwirksam, stellt sich neuen Herausforderungen und geht auch aus schwierigen Zeiten der Veränderung gestärkt hervor.

Wenn wir auf das heute Erreichte schauen, ist die Geschichte der Gewaltpräventionsberatung eine Erfolgsgeschichte:

  • Aus dem Zusammenspiel des Gewaltschutzes in Österreich sind die Beratungsstellen für Gewaltprävention nicht mehr wegzudenken. Und anfangs durchaus belächelt, gibt es mittlerweile auch in anderen europäischen Staaten konkrete Überlegungen, ähnliche Kurzinterventionen einzuführen.
  • NEUSTART ist nicht nur unverzichtbarer Partner der Justiz, sondern in den vergangenen Jahren auch zu einem starken Partner der Gewaltschutzzentren, der Frauenhäuser und der Polizei geworden.
  • NEUSTART engagiert sich darüber hinaus im Dachverband Vernetzter Opferschutz & Opferschutzorientierte Täterarbeit (DVOTA) und bringt dort insbesondere die Perspektive der Täter:innenarbeit ein. Denn wirksamer Gewaltschutz braucht Zusammenarbeit und den Austausch zwischen jenen Organisationen, die mit Betroffenen ebenso wie mit Gefährder:innen arbeiten.

Ein Wermutstropfen bleibt, dass wir in der Gewaltpräventionsberatung nicht im gesamten Bundesgebiet zuständig sind. Auch wenn in den harten Anfangsjahren die eine oder andere Stimme zu hören war, man sei im Westen ganz erleichtert, sich nicht durch die neuen Anforderungen kämpfen zu müssen, sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass NEUSTART die Organisation mit jahrzehntelanger Erfahrung in Sozialer Arbeit im Zwangskontext und deshalb für diese Aufgabe besonders prädestiniert ist.

Aber auch wenn nicht überall offiziell „Beratungsstelle für Gewaltprävention“ an der Haustüre steht (und das tut es nirgends), teile ich die Überzeugung, dass die Gewaltpräventionsberatung grundsätzlich und österreichweit ausgestrahlt hat: Die intensive Auseinandersetzung mit opferschutzorientierter Täter:innenarbeit hat alle Leistungen und Regionen beeinflusst und weiterentwickelt.

Und nur ganz nebenbei noch einmal zurück zum Quantensprung: In der Physik bezeichnet er nicht den riesigen Sprung, den wir umgangssprachlich damit verbinden, sondern den sprunghaften Übergang eines Systems von einem Quantenzustand in einen anderen. Unser Quantensprung 2021 kam keineswegs aus dem Nichts. NEUSTART hatte schon davor viel Expertise und Sensibilität in der opferschutzorientierten Arbeit.

Als nur ein Beispiel sei hier der Tatausgleich genannt, der die Interessen und Perspektiven der Opfer konsequent und sensibel miteinbezieht, insbesondere mit seinem Methodenset bei Fällen von Gewalt in Paarbeziehungen.

In diesem Sinne wünschen Alfred und ich euch weiterhin viel Energie in der Gewaltpräventionsberatung und viele Erfolgserlebnisse. Nach fünf Jahren sind uns allen auch die Mühen der Ebene bekannt. Die Gewaltprävention ist ein Pflänzchen in unserer Obhut – wir tragen dazu bei, dass es weiter gedeiht. Und damit zu mehr gefühlter und tatsächlicher Sicherheit von vielen Frauen, Kindern und Männern in ihren eigenen vier Wänden beiträgt. Denn darauf kommt es letztendlich an.

Über die/den Autor:in

Dina Nachbaur ist seit 2026 NEUSTART Geschäftsführerin für "Sozialarbeit und Organisation der Einrichtungen". Davor hat die Juristin und Kriminalsoziologin den Zentralbereich Sozialarbeit bei NEUSTART geleitet. In dieser Rolle hat sie die Leitung der NEUSTART Beratungsstellen für Gewaltpräventionsberatung verantwortet und die Weiterentwicklung des Gewaltschutz in Österreich mitgeprägt. Für Dina Nachbaur ist die Entwicklung kluger, evidenzbasierter Alternativen zur Haft eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre – ebenso wie das Schritthalten der NEUSTART Angebote mit aktuellen Entwicklungen im Digitalbereich.

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