Was bedeutet das Leitbild für jede:n von uns persönlich? Was bedeutet es für unsere Zusammenarbeit im Team?
Diese Fragen haben wir in den vergangenen Monaten in unseren Leitbildworkshops auf Abteilungs- und Teamebene reflektiert. Ich habe mit zwei Kolleginnen aus Oberösterreich gesprochen, die ihre Kolleg:innen durch den Workshop begleitet haben: Manuela Traxler, Leiterin der Administration, und Andrea Peck, die den Workshop mit zwei Teams Ehrenamtlicher durchgeführt hat.
Manuela hatte bereits während des gesamten Leitbildprozesses immer wieder Berührungspunkte mit der Materie. Sie nahm an der Online-Befragung teil, wurde von einer Kollegin aus der Querschnittgruppe interviewt und beteiligte sich an der Leitbildveranstaltung für Führungskräfte. Sie findet das Endergebnis sehr gelungen – besonders die Bildsprache und dass sich in der Broschüre auch die:der eine oder andere Kolleg:in wiederfindet, gefallen ihr: „Die Leitsätze geben ein klares Bild unserer Haltung und sind eine wertvolle Stütze in der täglichen Arbeit“, so Manuela.
Andrea stimmt zu, dass das Endergebnis gelungen und ansprechend ist. Sie fand es ebenfalls gut, dass die Mitarbeiter:innen in den Prozess einbezogen wurden, hat sich aber erst im Zuge der Workshops tiefergehend mit dem neuen Leitbild beschäftigt: „Im Arbeitsalltag fand ich vorher kaum Zeit, mich genauer damit auseinanderzusetzen. Richtig beschäftigt habe ich mich dann damit, als ich selbst am Workshop teilgenommen und mit meinen Teams Ehrenamtlicher dazu gearbeitet habe.“
„Es fällt mir leicht, unsere Werte hochzuhalten“
Beide stimmen überein, dass die im Leitbild niedergeschriebenen Werte im Einklang mit ihrem eigenen Wertesystem und Menschenbild stehen. Manuela etwa hat sich als Mutter schon früh mit dem Thema „Strafe“ auseinandergesetzt und die Erfahrung gemacht, dass diese keinen langfristigen Erfolg bringt, sondern Kinder dadurch lediglich das Vertrauen in die Bezugsperson verlieren: „Viel sinnvoller ist es, den Kindern Grenzen und die Folgen ihres Handelns aufzuzeigen, und sie die Konsequenzen daraus tragen zu lassen.“ Laut ihr lässt sich das auch auf unsere Klient:innen übertragen.
Auch für Andrea steht das Wertesystem im Einklang mit ihrem eigenen Leben:
„Diese Werte sind mir nicht fremd. Ich versuche schon lange, sie in meiner Arbeit und auch in meinem restlichen Leben zu leben. Ich verspüre keine Abweichungen, daher fällt es mir leicht, unsere Werte in meiner Arbeit hochzuhalten.“
„Das ist ja eh klar!“
In ihrem Workshop wurde für Manuela deutlich, dass ihre Kolleg:innen die Werte von NEUSTART zu einem guten Teil bereits verinnerlicht haben. Es fielen Sätze wie „Ist ja eh klar!“ und „Das tun wir sowieso.“ Gleichzeitig wurden einzelne Leitsätze durchaus kritisch diskutiert und Problemfelder beleuchtet: „In der Auseinandersetzung wurden positive, aber auch negative Aspekte thematisiert. Wir konnten ein besseres Verständnis für unsere Arbeit und unsere Strukturen schaffen und gemeinsam hervorheben, wie wichtig unsere gute Zusammenarbeit ist.“
Auch die beiden Teams Ehrenamtlicher, die Andrea durch den Workshop begleiten durfte, waren sehr motiviert. Es wurde rege diskutiert und die Ergebnisse wirken weiter, etwa wenn es darum geht, einzuschätzen, wie Handlungen mit dem Leitbild und den im Workshop erarbeiteten Ergebnissen in Einklang zu bringen sind: „Ich werde die Plakate weiter im Teamraum behalten und es wird sich sicherlich die eine oder andere Situation ergeben, in der es sich lohnt, einen Blick darauf zu werfen.“
Vom Empfang bis zur Sozialarbeit: Unser Leitbild wird gelebt
Manuelas Administrationsteam hat sich schwerpunktmäßig mit unserem Menschenbild und unserem Umgang miteinander befasst: „Für uns ist vor allem der respektvolle und wertschätzende Umgang mit Klient:innen und Kolleg:innen – am persönlichen und telefonischen Empfang – von großer Bedeutung. Als erste Anlaufstelle repräsentiert die Verwaltung den Verein nach außen. Außerdem stellen wir notwendige Leistungen für Sozialarbeiter:innen und Führungskräfte bereit. Deshalb sind ein intensiver Austausch, gute Kooperation und Vernetzung so wichtig für uns.“
„Unsere Arbeit macht Sinn.“
Andrea ist der Meinung, dass die Verankerung des neuen Leitbildes als ein steter Prozess gesehen werden kann: „Werte und Worte werden lebendig und zur Haltung, wenn sie immer wieder angesprochen, aufgezeigt und mögliche Abweichungen offen reflektiert werden können.“
Für Manuela ist unser Leitbild bereits gut in der Organisationskultur verankert: „Ich habe das Gefühl, dass die Kolleg:innen unsere Werte hochhalten, unsere Vision mittragen und wissen, wofür sie sich einsetzen und warum sie bei NEUSTART arbeiten. Unsere Arbeit macht Sinn und das wird auch so gesehen“, bringt sie es auf den Punkt.
Die Qual der Wahl
Schwieriger zu beantworten war für Manuela die Frage nach jenem Leitsatz, den sie persönlich am wichtigsten findet, weil sie alle Leitsätze wichtig findet. Dennoch hebt sie in ihrer Antwort unseren Qualitätsanspruch und die beiden Themenfelder hervor, die ihre Workshopgruppe schwerpunktmäßig bearbeitet hat: unser Menschenbild und unseren Umgang miteinander: „Ich glaube, wenn wir diese grundsätzlichen Leitsätze verinnerlicht haben und danach leben, leisten wir ganz selbstverständlich einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft und kommen unserer Vision einen großen Schritt näher.“
Auch Andrea möchte keinen Leitsatz stärker gewichten als die anderen: „Für mich sind alle gleich wichtig. Erst ihr Zusammenspiel ergibt das große Ganze.“
