Ehrenamtliche Bewährungshilfe: Wieso? Weshalb? Warum?

Das Ehrenamt ist eine tragende Säule der österreichischen Gesellschaft. Laut Statistik Austria leistet fast die Hälfte der Bevölkerung eine oder mehrere Freiwilligentätigkeiten, etwa in der Nachbarschaftshilfe, bei Organisationen wie dem Roten Kreuz oder in Vereinen wie NEUSTART. Nachdem wir immer wieder mit Fragen und Unsicherheiten rund um das Ehrenamt konfrontiert werden, schauen wir uns das Thema einmal genauer an …

Das Ehrenamt war von Anfang an – und ist es bis heute – ein Grundpfeiler der Arbeit von NEUSTART. Es markiert den Beginn der Geschichte unseres Vereins, der von Ehrenamtlichen gegründet wurde: Die „Arbeitsgemeinschaft Bewährungshilfe“ hat 1957 begonnen, delinquente Jugendliche zu betreuen und damit – ehrenamtlich – den Grundstein für alle weiteren Entwicklungen gelegt.

Zivilgesellschaftliches Engagement

Noch heute ist vorgesehen, dass ein Drittel unserer Klient:innen in der Bewährungshilfe von Ehrenamtlichen betreut wird. Das soll auch so bleiben. Für uns ist es sehr wichtig, wenn Mitglieder der Zivilgesellschaft aktiv im Justizbereich arbeiten.

Vielfältige Expertise

Es kann natürlich nicht einfach „jede:r kommen“ – es gibt klar definierte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Die zuständigen Leiter:innen der NEUSTART Einrichtungen wählen gezielt aus, welche Interessent:innen mit ihrer hauptberuflichen Expertise und Lebenserfahrung ihre Teams sinnvoll ergänzen.

Wir gewinnen durch das Ehrenamt Menschen mit verschiedenen beruflichen und persönlichen Hintergründen, Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Erfahrungsschätzen, die Bewährungshilfe aktiv mitgestalten: Sozialarbeiter:innen, Juristi:innen, Pädagog:innen, Psycholog:innen, und, und, und, …

Fallvergabe

Bei jeder:m Klient:in wird ganz genau geschaut, ob der Fall wirklich für die ehrenamtliche Bewährungshilfe geeignet ist. Schwere Delikte oder besonders komplexe Fälle werden ausschließlich von hauptberuflichen Kolleg:innen begleitet. Mitunter gibt es aber sogar Ehrenamtliche, die bestimmte Fälle, aufgrund ihrer Expertise besonders gut begleiten können – etwa Lehrer:innen, die die Lebenswelt jugendlicher Klient:innen aus der Schule kennen, oder Psychotherapeut:innen, die Klient:innen mit psychischen Erkrankungen qualifiziert zur Seite stehen. Manchmal ist es auch so, dass ehemalige hauptberufliche Kolleg:innen in der Pension ehrenamtlich weiterarbeiten und ihre laufenden Klient:innen noch ins Ehrenamt „mitnehmen“ oder Absolvent:innen, die direkt nach der FH oder Universität ehrenamtlich einsteigen, um das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

Einschulung, Teamstruktur und laufende Begleitung

Gleichzeitig werden Ehrenamtliche, bevor sie ihre:n erste:n Klient:in treffen, entsprechend eingeschult und von Anfang an von hauptberuflichen Kolleg:innen begleitet und angeleitet. Sie sind in eine Teamstruktur eingebunden, in der monatliche Sitzungen stattfinden, um sich mit anderen Ehrenamtlichen und ihren Teamleiter:innen, die hauptberufliche Sozialarbeiter:innen bei NEUSTART sind, auszutauschen. Dabei werden konkrete Fälle besprochen und Expertise geteilt. Es gibt auch darüber hinaus jederzeit die Möglichkeit, Fälle mit der Teamleitung zu besprechen. Kein:e Ehrenamtliche:r wird mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe alleine gelassen.

Regionale Netzwerke

Durch unser Netzwerk an Ehrenamtlichen, das sich vom abgelegensten Tal in Vorarlberg bis in den Seewinkel und vom oberen Mühlviertel bis nach Osttirol erstreckt, ist sichergestellt, dass Straffällige die Begleitung bekommen, die sie brauchen, um wieder Fuß fassen zu können. So wie Straffällige aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen, tun das auch unsere Ehrenamtlichen. Unsere Klient:innen profitieren von ihren unverzichtbaren Netzwerken auf eine Art und Weise, die in einer ausschließlich hauptamtlich organisierten Bewährungshilfe so nicht möglich wäre. Sie kennen regionale Arbeits- und Wohnungsmärkte, die richtigen Ansprechpersonen und soziale Einrichtungen vor Ort, weil sie selbst Teil ihrer lokalen Gemeinschaft sind.

Ist NEUSTART die richtige Organisation für mich?

Ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement ist wichtig und es gibt zahlreiche Organisationen und Vereine, die darauf angewiesen sind. Jede:r die:der sich – wo auch immer – ehrenamtlich engagiert, ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und jede:r soll das in jener Organisation tun, die ihr:ihm am meisten zusagt. Für rund 1.000 Menschen in Österreich ist das NEUSTART und dafür sind wir dankbar. Wer sich das gar nicht vorstellen kann, sich aber dennoch ehrenamtlich engagieren möchte, die:der wird hoffentlich hier fündig: Freiwillige/Ehrenamtliche Mitarbeit

Aufwandsentschädigung

Als Ersatz für die entstehenden Unkosten erhalten ehrenamtliche Bewährungshelfer:innen eine pauschalierte Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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