Bitte stell dich kurz vor.
Ich bin die Romana, bin 33 Jahre alt und wohne im Bezirk Melk.
In welcher NEUSTART Einrichtung und welchem Bereich arbeitest Du?
In der Einrichtung Niederösterreich und Burgenland am Standort Amstetten. Ich arbeite in den Dienstleistungen Bewährungshilfe, Gewaltpräventionsberatung und elektronisch überwachter Hausarrest. Außerdem leite ich ein Team Ehrenamtlicher.
Seit wann bist du bei NEUSTART? Und warum hast du dich für NEUSTART als Arbeitgeber entschieden?
Seit Jänner 2024 hauptberuflich, davor seit 2021 mein ganzes Studium lang ehrenamtlich. Ich finde es total schön, Klient:innen in der Bewährungshilfe langfristig zu begleiten. In diesem Zusammenhang finde ich auch den Zwangskontext sehr spannend. Das habe ich schon während des Langzeitpraktikums gemerkt, das ich damals bei NEUSTART absolviert habe. Das hat mir total getaugt. Ich habe mich so wohlgefühlt, dass ich gleich geblieben bin (lacht).
Du hast mir vorab gesagt, dass du gerne über deine Arbeit mit weiblichen Klientinnen sprechen möchtest? Was ist dabei anders als bei der Arbeit mit Männern?
Ich habe das Gefühl, dass die Themen ganz andere sind. Bei mir sind viele jüngere Frauen in der Betreuung und da geht es oft um Mutterschaft, die Rolle als Frau in der Gesellschaft, Arbeitssuche. Wie schaffe ich es als junge Frau in einem Berufsfeld, das eher männerdominiert ist? Soll ich mich da überhaupt bewerben? Auch häusliche Gewalt ist – oder war in der Vergangenheit – oft ein Thema, meist aber aus Opferperspektive.
Warum arbeitest du so gerne mit Frauen?
Es ist total lustig. Anfangs habe ich mir nämlich gedacht, dass ich mit dieser Zielgruppe vielleicht gar nicht so gut kann. Dann hat es sich aber so entwickelt, dass ich ganz viele Frauen als Klientinnen bekommen habe. Gerade junge Frauen. Da gibt es immer wieder Momente, wo ich Eigenschaften in ihnen sehe, die ich von mir selbst oder von Freundinnen kenne und dann denke ich mir, wenn dieses Mädchen, das mir da gerade gegenübersitzt, in einem besseren Umfeld groß geworden wäre, dann wäre es jetzt vielleicht in meiner Position. Oftmals haben meine Klientinnen wenig bis keine Unterstützung in ihrem Umfeld. Ich denke, ich wäre in dem Alter auch froh gewesen, wenn ich jemanden an meiner Seite gehabt hätte, der mich unterstützt, wenn ich in meinem Umfeld keine Unterstützung erhalten hätte. Inzwischen arbeite ich wirklich gerne mit Frauen und komme gut mit ihnen in Kontakt.
Generell sagt man, Kriminalität sei männlich. Wie hoch ist überhaupt der Frauenanteil bei unseren Klient:innen?
Ich habe leider keine genauen Zahlen gefunden, aber ich schätze, dass der Frauenanteil irgendwo zwischen 10 und 20 % liegt. Ich bin da ein bisschen ein „Ausreißer“, weil der Anteil der Frauen an meinen Klient:innen fast ein Viertel ausmacht. Zeitweise war es sogar ein Drittel. Ich glaube, am Anfang war das wirklich ein Zufall. Mittlerweile weiß mein Abteilungsleiter aber, dass ich ganz gut mit den „Mädels“ kann und berücksichtigt das bei der Fallvergabe. Auch, wenn ich bei Frauen die Erhebung mache und mir da schon denke, dass das gut passen könnte, melde ich mich dafür, sie weiter zu betreuen.
Setzen Frauen andere Delikte als Männer?
Da habe ich mich nur wenig mit der Statistik beschäftigt. Die Schnittmenge bei meinen Klient:innen sind jedenfalls Suchtmitteldelikte. Ansonsten trifft, zumindest bei meinen Klient:innen, tatsächlich oft das Klischee zu, dass Frauen eher Eigentumsdelikte und Männer mehr Gewaltdelikte setzen. Wobei ich auch Frauen habe, die wegen gegenseitiger Partnerschaftsgewalt bei mir sind oder zur Gewaltpräventionsberatung kommen.
Stehst du in der Arbeit mit weiblichen Klientinnen vor anderen Herausforderungen als in der Arbeit mit männlichen Klienten?
Herausforderungen bringen alle Klient:innen mit sich aber ich habe schon das Gefühl, dass es bei Frauen teilweise andere Themen sind. Gerade bei jungen Klientinnen muss ich immer wieder mal die Grenze setzen, dass ich ihre Bewährungshelferin bin und nicht ihre Freundin und dass sie das bitte nicht verwechseln dürfen. Bei zwei meiner Klientinnen ist gerade das Thema Mutterschaft, mit sämtlichen Herausforderungen rundherum, sehr präsent. Was passiert mit dem Körper? Wie wird die Geburt? Das hat man bei Männern natürlich nicht so. Ich will ihnen das keinesfalls absprechen, habe aber trotzdem das Gefühl, dass diese Phase der Elternschaft für die Frau herausfordernder ist. Wobei mir der direkte Vergleich fehlt, weil ich derzeit keine Klienten habe, die gerade Vater geworden sind. Überhaupt ist Schwangerschaft in der Bewährungshilfe eine Herausforderung. Wie tun wir mit der Wochenbettzeit? Wie halten wir den Kontakt? Telefonieren wir?
Wo hast du gesehen, dass deine Arbeit etwas bewirkt?
Oft sind es Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel ein:e Klient:in sagt: „Ich hab mir das doch noch einmal überlegt und hab keinen ,Scheiß‘ gemacht.“ Oder wenn Klient:innen von selbst anrufen und sagen, dass sie Hilfe brauchen. Ja, es sind die kleinen Momente.
Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job?
Mit meinen Hunden. Wir sind viel am Hundeplatz unterwegs, machen Sport, verbringen Zeit in der Natur und gehen spazieren. Außerdem schätze ich die Zeit mit meiner Familie, meinem Partner und meinen Freund:innen sehr. Das ist mein Ausgleich. Ich höre außerdem gerne True Crime Podcasts. Das ist ganz lustig, weil mich viele Fragen, wie das ein Ausgleich sein kann aber für mich ist es das irgendwie (lacht).


