Die behandelten Themen waren vielfältig. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie neue Technologien in der Bewährungshilfe sinnvoll und ethisch verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Deutlich wurde: Der Sektor steht hier noch am7. Anfang. Gleichzeitig braucht es klare Rahmenbedingungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass KI ein unterstützendes Werkzeug sein kann – die persönliche Beziehung jedoch weder ersetzen kann noch soll.
Ein weiterer Fokus lag auf der Rolle von Ehrenamtlichen. Österreich nimmt hier international eine besondere Stellung ein: In keinem anderen Land sind so viele Ehrenamtliche in die Bewährungshilfe eingebunden – und übernehmen dabei eigenständig Fallverantwortung. Anderswo werden sie meist ergänzend zu hauptamtlichen Bewährungshelfer:innen eingesetzt. Eine vergleichbar starke Tradition gibt es nur in Japan: Dort unterstützen rund 47.000 sogenannte „Hogoshi“ Menschen, die Straftaten begangen haben, in enger Zusammenarbeit mit hauptberuflichen Fachkräften.
Am vierten Kongresstag besuchte eine kleine Delegation die Bangli Narcotics Correctional Facility, ein Gefängnis für Menschen, die wegen Drogendelikten verurteilt wurden. In Indonesien betrifft das rund 40 Prozent aller Inhaftierten. Die Haftanstalten sind stark überbelegt: Insgesamt sitzen etwa 277.000 Menschen in Haft – bei einer Kapazität von rund 146.000 Plätzen. Auch das Gefängnis in Bangli ist davon betroffen: Mehr als 1.150 Personen sind dort untergebracht, vorgesehen ist es für 400.
Beeindruckend war das Engagement des Personals. Trotz der Überbelegung gibt es zahlreiche Arbeits-, Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote.
Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich ein Rehabilitationszentrum, das Menschen nach ihrer Haftentlassung unterstützt. Dort erhalten sie Beratung, können vorübergehend wohnen und an Ausbildungen teilnehmen – von landwirtschaftlichen Programmen über Kunstkurse bis hin zu Sportprojekten.


