Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtlicher Bewährungshelfer?
Mein Name ist Mathias Liebergesell, ich bin 37 Jahre alt und seit Oktober 2024 ehrenamtlicher Bewährungshelfer in Graz
Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Dadurch, dass ich in meiner hauptberuflichen Arbeit viele Berührungspunkte mit NEUSTART habe, wurde mein Interesse an der ehrenamtlichen Bewährungshilfe geweckt. Neben der eigentlichen Arbeit mit den Klient:innen gefällt mit der kollegiale Austausch im multiprofessionellen Team sehr gut. Ich empfinde die verschiedenen Herangehensweisen und Perspektiven als sehr bereichernd.
Und was machst du hauptberuflich?
Ich bin Sozialarbeiter.
Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Da ich in meinem Hauptberuf in der mobilen Wohnbetreuung für Menschen, die aus der Haft kommen, arbeite, ergänzen sich diese zwei Bereiche sehr gut. Auch wenn es Überschneidungen gibt, hat man als Bewährungshelfer schon noch einmal einen anderen Blick auf die einzelnen Lebensbereiche der Klient:innen.
Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche:r Bewährungshelfer:in bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Da ich seit ungefähr zehn Jahren Sozialarbeiter bin, hat das die Menschen in meinem Umfeld nicht sonderlich überrascht, glaube ich.
Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Fünf.
Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Ich würde nicht sagen, dass ich mit bestimmten Gruppen lieber arbeite. Allerdings empfinde ich die Arbeit mit Menschen im Bereich der Betrugsdelikte als herausfordernd und sehr interessant.
Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Einen typischen Ablauf gibt es in diesem Sinne nicht. Auch wenn im Laufe einer Betreuung bestimmte Themen besprochen werden müssen, unterschiedenen sich die einzelnen Termine doch immer wieder. Grundsätzlich lege ich bei den ersten Terminen darauf Wert, dem Beziehungsaufbau ausreichend Platz zu geben, das erleichtert dann in weiterer Folge die Bearbeitung der einzelnen Themen.
Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Als eine Herausforderungen empfinde ich die Wiedereingliederung der Menschen in die Gesellschaft, beispielsweise in die Arbeitswelt. Viele Klient:innen wollen unbedingt wieder zu arbeiten beginnen, mit einer mehrjährigen Lücke im Lebenslauf oder einer befüllten Strafregisterbescheinigung lässt sich allerdings schwer ein Job finden.
Auch die Überschuldung stellt eine große Herausforderung dar, vor allem im Zusammenhang mit Suchtmitteldelikten und den dazugehörigen Verfallszahlungen, die nach der Haft fällig werden und einen großen Einfluss auf das restliche Leben der Klient:innen haben können.
Für mich als Sozialarbeiter ist es dann besonders herausfordernd, wenn sich strukturelle Rahmenbedingungen nachteilig verändern, Hilfsangebote für Klient:innen wegfallen und existenzsichernde Maßnahmen für Menschen, die sowieso zu wenig haben, weiter gekürzt werden, so wie es uns aktuell beispielsweise in der Steiermark bevorsteht. Da steht man dann oft auf individueller Ebene an.
Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Ich freue mich, wenn meine Klient:innen und ich gemeinsam zurückschauen und sehen: Hoppla, in dieser Zeit hat sich doch schon einiges zum Positiven entwickelt.
Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Ich schaue, dass ich möglichst viel Sport mache und mich einigermaßen gesund ernähre.


