#TeamNEUSTART: Firnas Tamim

„Gemeinsam können wir viel bewirken“, sagt Firnas Tamim, der an der ehrenamtlichen Bewährungshilfe die Möglichkeit schätzt, Menschen aktiv unterstützen zu können …

Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtlicher Bewährungshelfer?
Mein Name ist Firnas Tamim, ich bin 36 Jahre alt und Sozialpädagoge. Ich engagiere mich seit Jänner 2025 ehrenamtlich als Bewährungshelfer bei NEUSTART. Erste Erfahrungen konnte ich schon ab Mai 2023 im sogenannten „Buddy-Projekt“, das inzwischen abgeschlossen ist, sammeln.

Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Ich habe mich dafür entschieden, weil ich Menschen unterstützen möchte. Vor zehn Jahren bin ich selbst als Flüchtling nach Österreich gekommen und weiß daher sehr genau, wie viel es bedeutet, wenn jemand an deiner Seite ist. Mir ist wichtig, Menschen neue Chancen zu geben und Gerechtigkeit zu fördern. Am besten gefällt mir, dass ich direkt erleben darf, wie kleine Schritte große Veränderungen bewirken können.

Und was machst du hauptberuflich?
Hauptberuflich arbeite ich seit 2017 als Betreuer für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei der Caritas.

Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Mein Ehrenamt ergänzt meinen Beruf sehr gut: Als Sozialpädagoge bringe ich Fachwissen und Erfahrung mit, und umgekehrt erweitert die Arbeit mit Klient:innen bei NEUSTART meinen Blick und mein Verständnis für verschiedene Lebenssituationen. So profitieren beide Seiten voneinander.

Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtlicher Bewährungshelfer bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Mein Umfeld reagiert sehr positiv. Familie, Freunde und Kolleg:innen sind stolz darauf, dass ich nicht nur rede, sondern auch handle und Menschen aktiv unterstütze.

Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Derzeit begleite ich fünf Klient:innen.

Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Grundsätzlich arbeite ich mit allen gerne. Besonders bei Jugendlichen oder Menschen mit Migrationshintergrund merke ich aber, dass ich durch meine eigenen Erfahrungen als Vorbild wirken und dadurch oft besser helfen kann.

Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Eine typische Betreuungssituation gibt es nicht, da jede Person andere Bedürfnisse hat. Meistens geht es um Gespräche über Alltagsprobleme, Motivation, Zukunftsplanung oder Unterstützung bei Behördenwegen. Wichtig ist, dass die Termine verlässlich, respektvoll und auf Augenhöhe ablaufen.

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Herausfordernd ist vor allem, die Motivation der Klient:innen langfristig aufrechtzuerhalten. Besonders bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund kommt dazu, dass sie oft Schwierigkeiten haben, unterschiedliche kulturelle Vorstellungen zu verstehen – zum Beispiel über Rollenbilder, Verantwortung oder Regeln des Zusammenlebens. Das sind Themen, die selbst für viele Erwachsene nicht leicht zu erklären oder zu akzeptieren sind. Deshalb braucht es hier viel Geduld, Klarheit und gegenseitigen Respekt, um Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis aufzubauen.

Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Ich merke es daran, wenn meine Klient:innen Vertrauen aufbauen, ihre Ziele ernsthaft verfolgen und kleine Fortschritte sichtbar werden. Schon wenn jemand sagt: „Danke, dass du da bist“, weiß ich, dass die Arbeit Wirkung zeigt.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Zum Ausgleich verbringe ich viel Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden. In meiner Freizeit spiele ich leidenschaftlich gerne Fußball und Tischtennis oder gehe wandern. Diese Aktivitäten geben mir nicht nur Energie, sondern auch den nötigen Abstand, um danach wieder mit voller Kraft für meine Klient:innen da zu sein.

Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Ja, mir ist wichtig zu betonen: Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Ehrenamtliches Engagement zeigt, wie viel wir alle dazu beitragen können, dass Menschen nicht aufgeben, sondern neue Perspektiven entwickeln. Ich möchte andere ermutigen, sich ebenfalls einzubringen – denn gemeinsam können wir viel bewirken.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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