Spuren, die bleiben – mein Abschied von NEUSTART

Vom Tatausgleich in den 1990er-Jahren bis zu Programmen wie Sicher.net § 207a: In den vergangenen 35 Jahren hat sich NEUSTART stetig weiterentwickelt. Zum Abschied in die Pension blicke ich als langjähriger Geschäftsführer auf prägende Projekte und Werte zurück, die den Verein bis heute ausmachen.

Per Zufall und dank Andreas Zembaty, dem mittlerweile ebenfalls pensionierten Pressesprecher von NEUSTART, kam ich vor 35 Jahren zum „Verein für Bewährungshilfe und Soziale Arbeit“ – wie NEUSTART früher hieß. Der Verein hat meinem Weltbild von Anfang an entsprochen und ist sehr rasch zu meiner Heimat geworden. Das gemeinsame Wertefundament kommt wunderbar im Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck: All human beings are born free and equal in dignity and rights. Diese Erklärung war und ist der Grundkonsens – und die Antwort auf das unendliche Leid und die Millionen Toten der beiden Weltkriege. NEUSTART hat für mich diese Werte mit seiner Haltung in all den 35 Jahren immer gelebt.

Was mir von meiner Zeit bei NEUSTART in Erinnerung bleiben wird …

… ist der Tatausgleich in den 90er-Jahren, die Organisationsreform 2001, die NEUSTART gemeinnützige GmbH in Baden-Württemberg, die Arbeitsgruppe zur Einführung der gemeinnützigen Leistungen als Ersatzfreiheitsstrafe, die drei Anläufe zur Einführung des elektronisch überwachten Hausarrestes sowie die Sozialnetzkonferenzen für Jugendliche in Untersuchungshaft.

Dazu kommen Programme wie Dialog statt Hass und Sicher.net § 207a, der Stress bei der Umsetzung der Gewaltpräventionsberatung, die Einführung von Spezialist:innen bei Extremismus-Themen, die steuernde Sozialarbeit, das Lampenfieber bei so mancher Medienarbeit sowie die Arbeitsgruppen zu den Themen Jugend, Gewaltschutz und Reform des Maßnahmen- und Strafvollzugs.

Und natürlich die vielen Touren durch die NEUSTART Einrichtungen in Österreich, die Entwicklung einer Strategie für den Verein sowie der Leitbildprozess.

Vor allem aber sind es die Begegnungen mit Menschen – bei NEUSTART, im Bundesministerium für Justiz, bei Gericht, im Strafvollzug, aus verschiedenen Ländern, im Gewaltschutzbereich, in der Wissenschaft, in sozialen Organisationen, bei „Polizei macht Menschenrechte“, in der Volksanwaltschaft und in der Politik –, die mir in Erinnerung bleiben werden, und die damit verbundene Dankbarkeit für 35 Jahre.

„Vor allem aber sind es die Begegnungen mit Menschen, die mir in Erinnerung bleiben werden, und die damit verbundene Dankbarkeit für 35 Jahre.“

Was ich zum Abschied sagen möchte ...

Der gute Ruf, den NEUSTART heute hat, ist der tagtäglichen Arbeit und der Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln, zu verdanken – ob in der Sozialarbeit, im Sekretariat, im Management oder im Aufsichtsrat. Das geht nur in Teamwork und im Zusammenspiel. Danke für den Gemeinsinn, den ich hier 35 Jahre erlebt habe. Teamgeist, Qualität und Professionalität bilden ein starkes Fundament, um zuversichtlich in die Zukunft zu gehen. Und ohne Sorge, dass uns – frei nach Asterix – „der Himmel auf den Kopf fallen könnte“.

Ich danke auch Alfred Kohlberger, meinem Geschäftsführerkollegen. Er war das Beste, was mir für meine Geschäftsführung passieren konnte. Ihm und Dina Nachbaur, meiner Nachfolgerin, wünsche ich alles Gute. Sie werden das gemeinsam mit den Kolleg:innen hervorragend machen.

„Teamgeist, Qualität und Professionalität bilden ein starkes Fundament, um zuversichtlich in die Zukunft zu gehen.“

Über die/den Autor:in

Christoph Koss ist Jurist und Sozialarbeiter. Er ist Geschäftsführer des Vereins NEUSTART, der in den Bereichen Bewährungshilfe, Diversion, Haftentlassenenhilfe und Prävention tätig ist.

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