Wenn Worte allein nicht reichen – Metaphern, Geschichten und Impact-Techniken in der Bewährungshilfe

Was haben Becher mit Wasser, Steine, Plastiktiere und Tischtennisschläger mit psychosozialer Beratung und Bewährungshilfe zu tun?

Wie können wir Menschen in Gesprächen erreichen, wenn gute Argumente allein nicht ausreichen? Auf welche Weise lässt sich eine Einsicht so vermitteln, dass sie nicht nur gehört, sondern verstanden, erlebt und erinnert wird? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Workshop „Metaphern, Geschichten und Impact-Techniken in der Beratung“ mit Fachpersonen der Bewährungshilfe von NEUSTART.

Manchmal reicht es nicht, über etwas zu sprechen

Die zentrale Idee von Impact-Techniken ist recht einfach und zugleich sehr wirkungsvoll: Manchmal reicht es einfach nicht, über etwas zu sprechen, sondern man muss es auf eine bestimmte Weise sichtbar, greifbar oder unmittelbar erlebbar machen. Anstelle langer Erklärungen und vieler Worte können Gegenstände, räumliche Anordnungen oder kleine Handlungen eingesetzt werden, um Gedanken und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Dadurch entsteht eine andere Form des Zugangs: Eine Frage oder ein Problem wird nicht nur besprochen, es wird „verdinglicht“ und bekommt so eine Form, eine Gestalt. Es wird sichtbar, greifbar und vor allem erlebbar.

Im Workshop wird mit unterschiedlichen Gegenständen gearbeitet, um Entscheidungen, Prioritäten und Argumente erfahrbar zu machen. Entscheidend ist dabei nicht der Gegenstand selbst, sondern das, was durch seine Verwendung im Beratungsprozess ausgelöst wird: Aufmerksamkeit, Irritation, eine neue Perspektive oder eine andere Art, über ein vertrautes Problem nachzudenken. Gerade für die Bewährungshilfe kann dies eine interessante Erweiterung des sozialarbeiterischen Handlungsrepertoires sein. Beratung findet hier häufig in Situationen statt, in denen Veränderung nicht selbstverständlich ist. Impact-Techniken können dabei helfen, festgefahrene Situationen zu bewegen und einen gedanklichen Prozess in Gang zu bringen, ohne die „richtige“ Antwort bereits vorzugeben. Die Methode sorgt für Überraschung, aktiviert und fordert zum Nachdenken heraus. Die Bedeutung muss die Klientin oder der Klient letztlich selbst herstellen.

Methaphern und Geschichten

Eine wunderbare Erweiterung von Impact-Techniken sind Metaphern und Geschichten. Eine Metapher ermöglicht es, einen Sachverhalt über ein Bild oder einen Vergleich zu betrachten. Wir tragen einen Rucksack mit uns herum, drehen uns im Kreis oder stecken in einer Sackgasse. Metaphern sind sprachliche Bilder, die abstrakte Themen in eine anschauliche Form bringen können. Das besondere daran: Eine Metapher erklärt nicht alles. Sie kann vieldeutig sein, einen Denkraum eröffnen, neue Perspektiven oder Einsichten ermöglichen. Was drücken Klientinnen und Klienten mit der Metapher aus, die sie gewählt haben? Wie lässt sich diese Metapher aufgreifen, um im Gespräch voranzukommen?

Geschichten gehen hier noch einen Schritt weiter. Sie können Erfahrungen, Konflikte, Entscheidungen und Entwicklungsmöglichkeiten in einen Zusammenhang stellen. Eine Geschichte kann eine Botschaft vermitteln, ohne dass diese als direkte Empfehlung ausgesprochen werden muss. Sie erschließen sich oft nicht sofort, bleiben in den Gedanken hängen und entfalten so eine besondere Wirkung. Mit Geschichten lassen sich Dinge ansprechen, die mit einer direkten Argumentation schwer erreichbar sind.

Was machen wir im Seminar?

Im Seminar werden Impact-Techniken, Metaphern und Geschichten vorgestellt und ihre Wirkungen untersucht. Welche Form ist in welchen Situationen hilfreich? Die Teilnehmenden machen eigene Erfahrungen, experimentieren mit Wasserbechern, Pinguinen und Schwämmen, um Einsichten erfahrbar zu machen. Sie entwickeln eigene Impact-Techniken und Geschichten, erproben Metaphern und testen deren Einsatz in verschiedenen Gesprächssituationen.

Dabei werden sowohl Unterschiede als auch die Verbindung zwischen Impact-Techniken, Metaphern und Geschichten deutlich. Alle drei Ansätze nutzen Bilder und Bedeutungen, die entdeckt werden können. Impact-Techniken machen etwas unmittelbar erfahrbar und nutzen dabei häufig die Wirkung des konkreten Tuns. Metaphern schaffen ein sprachliches Bild, das einen neuen Blick auf ein Thema ermöglicht. Geschichten verbinden Bilder, Handlungen und Botschaften zu einer kleinen Erzählung. Während bei Impact-Techniken das Moment der Überraschung, der Aktion und des unmittelbaren Erlebens eine besondere Rolle spielen kann, liegt die Stärke von Geschichten unter anderem darin, dass ihre Botschaft auch über das konkrete Beratungsgespräch hinaus im Gedächtnis bleiben kann.

Wenn Worte allein nicht mehr weiterführen

Für die Soziale Arbeit bei NEUSTART geht es dabei nicht darum, bewährte Gesprächs- und Beratungsmethoden durch „neue Tricks“ zu ersetzen. Vielmehr erweitern Metaphern, Geschichten und Impact-Techniken die Möglichkeiten professioneller Kommunikation. Entscheidend bleibt die Frage: Wie kann ich diesen Menschen erreichen? Wie kann ich Einsichten, Botschaften und Bedeutungsinhalte so vermitteln, dass sie länger im Gedächtnis bleiben und eine nachhaltige Wirkung entfalten? So verstanden sind Impact-Techniken, Metaphern und Geschichten keine spektakulären Zusatzmethoden, sondern unterschiedliche Möglichkeiten, sozialarbeiterische Beratung lebendig, anschlussfähig und wirksam zu gestalten. Sie können helfen, neue Perspektiven zu eröffnen, Reflexion anzuregen und Veränderung dort in Bewegung zu bringen, wo Worte allein vielleicht nicht mehr weiterführen. Beratung wird so lebendiger, überraschender, kreativer und macht mehr Spaß.

Literatur
  • Beaulieu, D. (2021) Impact-Techniken für die Psychotherapie. (8. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.
  • Casula, c. (2017) Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine: Metaphern und Geschichten für die persönliche und berufliche Entwicklung. Heidelberg: Carl Auer.
  • Hammel, St. (2018) Handbuch des therapeutischen Erzählens. Stuttgart: Klett Kotta.
  • Schmitt, R. & Heidenreich, Th. (2019) Metaphern in Psychotherapie und Beraung. Weinheim: Beltz.
  • Wendenburg, N., Vüst, B. & Mennekes, L. (2025) Therapie-Tools Impact-Techniken im Einzelsetting. Weinheim: Beltz.
Über die/den Autor:in

Klaus Mayer, Fachpsychologe für Psychotherapie und Rechtspsychologie, Dozent am Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, führt seit 2003 Seminare bei NEUSTART zu Deliktverarbeitung und Methoden der psychosozialen Beratung durch.

Mehr von mir lesen >>

Bleib auf dem Laufenden mit unserem Newsletter NEUSTART news!