#TeamNEUSTART: Katharina Zeller

Ein Thema, das Katharina Zeller besonders am Herzen liegt, ist die Sozialnetzkonferenz, oder wie wir bei NEUSTART sagen: SONEKO. Was hat es damit auf sich?

Bitte stell dich kurz vor.
Ich heiße Katharina Zeller, bin 29 Jahre alt und wohne in Hohenems.

In welcher NEUSTART Einrichtung und welchem Bereich arbeitest Du?
Ich arbeite bei NEUSTART Vorarlberg in der Bewährungshilfe. Außerdem leite ich ein Team Ehrenamtlicher und vertrete derzeit unseren Abteilungsleiter während seines Sabbats. Vor dieser Vertretung war ich in den Bereichen Jugendbegleitung im Strafverfahren, Vermittlung gemeinnütziger Leistungen und Sozialnetzkonferenzen tätig.

Seit wann bist du bei NEUSTART? Was waren deine vorherigen beruflichen Stationen?
Seit März 2020 arbeite ich bei NEUSTART. Davor habe ich in Deutschland Soziale Arbeit studiert und bin nach meinem Studienabschluss direkt hier eingestiegen.

Warum hast du dich für NEUSTART als Arbeitgeber entschieden?
Eigentlich bin ich eher zufällig auf NEUSTART aufmerksam geworden. Ich habe bereits mein Praxissemester in Vorarlberg absolviert, kannte aber die regionale Soziallandschaft noch nicht besonders gut. Deshalb habe ich ganz allgemein nach offenen Stellen gesucht und bin auf die Ausschreibung von NEUSTART gestoßen. Da ich im Studium bereits den Schwerpunkt „Soziale Arbeit mit der Justiz“ gewählt hatte, kannte ich die Bewährungshilfe schon aus Deutschland und fand dieses Arbeitsfeld sehr spannend. Heute bin ich sehr froh, dass ich hier gelandet bin!

Du hast mir vorab gesagt, dass du gerne über die sogenannte „SONEKO“ sprechen möchtest. Wofür steht diese Abkürzung?
SONEKO steht für Sozialnetzkonferenz.

Für wen kommt so eine SONEKO in Frage und wer weist uns die Klient:innen dafür zu?
Eine Sozialnetzkonferenz (SONEKO) richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in Untersuchungs- oder Strafhaft befinden. Die Zuweisung erfolgt durch die zuständige Haftrichterin bzw. den zuständigen Haftrichter.

Und wer wählt die Teilnehmer:innen aus dem sozialen Netz der Klient:innen aus? Welche Menschen sind das? Freund:innen, Eltern, Lehrer:innen, …?
Nach der Zuweisung findet so rasch wie möglich ein Erstgespräch in der Justizanstalt statt. Dabei wird gemeinsam mit der betroffenen Person eine erste Liste möglicher Teilnehmer:innen erstellt. Erst wenn die:der Klient:in dieser Liste zustimmt, werden die ausgewählten Personen kontaktiert und zur Sozialnetzkonferenz eingeladen.
Im Mittelpunkt steht das soziale Netz der betroffenen Person. Dazu zählen beispielsweise Familienangehörige, Freund:innen oder andere wichtige Vertrauenspersonen. In den meisten Fällen nehmen auch Vertreter:innen des professionellen Hilfesystems, wie Sozialarbeiter:innen der Kinder- und Jugendhilfe oder anderer betreuender Einrichtungen, teil. Üblicherweise ist auch die zuständige Bewährungshilfe anwesend.

Was passiert dann bei der SONEKO konkret? Was ist das Ziel einer solchen Konferenz?
Das Ziel der Konferenz ist ein verbindlicher Zukunftsplan, der dem Gericht als zusätzliche Entscheidungsgrundlage dient. Im Idealfall trägt dieser dazu bei, eine Fortsetzung der Untersuchungshaft zu vermeiden und eine zeitnahe Enthaftung zu erreichen.
Eine Sozialnetzkonferenz gliedert sich in mehrere Phasen. Sie startet mit einer kurzen Vorstellungsrunde und einer Darstellung des Ablaufs. Dann werden die bestehenden Herausforderungen besprochen, was die Bewährungshilfe in Form einer Sorgeformulierung zusammenfasst. Anschließend wird gemeinsam erarbeitet, welche Unterstützung das soziale Umfeld anbieten kann und welche Ressourcen bereits vorhanden sind. Dabei steht die Mitarbeit des sozialen Netzwerks im Mittelpunkt, damit die betroffene Person bei wichtigen Schritten und Herausforderungen begleitet und unterstützt werden kann.

Wie reagieren die Jugendlichen darauf, wenn sie sehen, dass sie so viel Rückhalt von ihrem sozialen Netz bekommen? Gibt es da Gemeinsamkeiten, die du immer wieder beobachtest oder ist das individuell ganz unterschiedlich?
Das ist natürlich individuell. Viele Jugendliche sind eher zurückhaltend oder fühlen sich überwältigt davon, dass sich so viele Menschen Zeit nehmen und in diesem Rahmen zusammenkommen. Während der Konferenz erleben sie dann oft zum ersten Mal, wie viel Unterstützung sie erhalten.
Gleichzeitig gibt es aber auch Jugendliche, die nur über ein kleines Netzwerk verfügen. Dann fällt die Unterstützung natürlich geringer aus. Gerade in solchen Fällen kann die Konferenz dabei helfen, gemeinsam zu überlegen, wie das bestehende Netz gestärkt bzw. erweitert werden kann.
Unabhängig davon wie groß das soziale Netzwerk ist erleben viele Jugendliche die Konferenz als Zeichen dafür, dass ihre Situation ernst genommen wird und sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind.

Empfinden sie den Plan, der gemeinsam erarbeitet wird, als Motivation oder überwiegt der „Respekt“ vor der Herausforderung, ihn tatsächlich umzusetzen? Wie erlebst du das?
Aus meiner Erfahrung sind viele Jugendliche sehr motiviert und nehmen sich für die Zeit nach der Entlassung viel vor. Die Zeit in Untersuchungshaft wird von den meisten als belastend erlebt, weshalb der Wunsch, entlassen zu werden und etwas zu verändern, oft sehr groß ist. Dann steht die Motivation meist stärker im Vordergrund als die Frage, wie realistisch die Umsetzung tatsächlich ist.
Die gemeinsame Erarbeitung des Plans ist deshalb so wichtig, weil alle Beteiligten darauf achten, dass die vereinbarten Ziele realistisch und umsetzbar sind.

Was gefällt dir an der SONEKO am besten?
Mich beeindruckt immer wieder, wie viel Potenzial selbst in einem kleinen sozialen Netzwerk stecken kann. Häufig erleben wir, dass Menschen, die zuvor nur wenig miteinander gesprochen haben, gemeinsam Lösungen entwickeln und dabei auch Gefühle und Sorgen ansprechen können. Die Sozialnetzkonferenz schafft einen Rahmen, in dem alle gemeinsam an einem Ziel arbeiten: die:den Jugendliche:n bestmöglich auf dem weiteren Weg zu unterstützen.

Was sind, umgekehrt, die größten Herausforderungen daran?
Eine Herausforderung ist sicherlich die Organisation. Innerhalb kurzer Zeit müssen viele Beteiligte eingeladen und viele Aspekte koordiniert werden.
Außerdem braucht es die Bereitschaft aller, sich Zeit zu nehmen und offen miteinander zu sprechen. Nicht jede Familie oder jedes soziale Umfeld ist konfliktfrei. Oft fällt es schwer, nicht über Schuld zu sprechen, sondern sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Gerade deshalb ist eine gute Moderation wichtig, damit alle gehört werden und am Ende ein tragfähiger Plan entsteht.

Wo hast du gesehen, dass eine SONEKO wirklich etwas bewirken kann? Fällt dir ein konkretes Beispiel ein?
Beispielsweise, wenn Jugendliche nach der Entlassung nicht in alte Muster zurückfallen, weil sie die Unterstützung von Familie, Freund:innen und dem Hilfesystem erhalten. Dieses gemeinsame Verantwortungsgefühl kann dazu beitragen, dass sie einen stabileren Start nach der Haft schaffen und einen neuen Weg einschlagen können.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job?
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit meinen Freund:innen. Zudem habe ich vor etwa einem Jahr das Tanzen für mich entdeckt und bin seitdem mehrmals pro Woche in Bachata und Kizomba Tanzkursen. Darüber hinaus bin ich gerne kreativ – egal ob beim Basteln, Töpfern oder Möbel Restaurieren.

Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Passt bitte alle gut auf euch auf und seid nett zueinander 😊.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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