#TeamNEUSTART: Lara Schenkermayer

Lara Schenkermayer ist auch im Hauptberuf Sozialarbeiterin und arbeitet mit suchterkrankten Personen. Das Ehrenamt und ihre hauptberufliche Expertise ergänzen sich in vielfacher Hinsicht …

Bitte stell dich kurz vor. In welcher Region und seit wann engagierst du dich als ehrenamtliche Bewährungshelferin?
Mein Name ist Lara Schenkermayer, ich bin 24 Jahre alt und seit August 2024 als ehrenamtliche Bewährungshelferin in der Region Burgenland-Nord tätig.

Warum hast du dich für dieses Ehrenamt entschieden? Was gefällt dir daran am besten?
Ich habe im Zuge meines Studiums ein Langzeitpraktikum bei NEUSTART absolviert und konnte die Tätigkeit der Bewährungshilfe dort sehr intensiv kennenlernen. Diese Einblicke haben mich nachhaltig beeindruckt. Besonders schätze ich den langfristigen Charakter dieser Arbeit: Man begleitet Menschen über einen längeren Zeitraum, unterstützt sie in herausfordernden Situationen und sieht, wie sich Schritt für Schritt positive Veränderungen entwickeln können. Gleichzeitig gefällt mir an diesem Ehrenamt, dass es eine sinnvolle Verbindung zwischen fachlicher Kompetenz und echter Beziehungsgestaltung ermöglicht. Man arbeitet nicht nur „für“, sondern vor allem mit den Klient:innen – auf Augenhöhe, ressourcenorientiert und mit dem Ziel, gemeinsam neue Perspektiven zu eröffnen. Zu sehen, wie jemand durch verlässliche Begleitung mehr Stabilität, Selbstvertrauen und Orientierung gewinnt, gehört für mich zu den erfüllenden Momenten dieser Tätigkeit.

Und was machst du hauptberuflich?
Ich bin hauptberuflich Sozialarbeiterin in einer Langzeittherapieeinrichtung für suchterkrankte Personen. Dort begleite ich Menschen über mehrere Monate hinweg auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität.

Wie ergänzen sich dein Ehrenamt und Hauptberuf gegenseitig? Profitiert das eine vielleicht sogar vom anderen?
Mein Ehrenamt und mein Hauptberuf greifen in vieler Hinsicht ineinander. Neben der Deliktverarbeitung und juristisch-rechtlichen Fragestellungen, tauchen in der Bewährungshilfe häufig auch ganz praktische Themen auf – etwa Schulden, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten, finanzielle Fragen oder Probleme im Alltag. Durch meine hauptberufliche Tätigkeit kenne ich viele Unterstützungsangebote, Interventionsmöglichkeiten und Beratungsstellen, die ich in meine Arbeit mit den Klient:innen einfließen lassen kann. Gleichzeitig profitiere ich selbst von der Kombination: Die Erfahrung in der Suchttherapie schärft meinen Blick für Belastungsfaktoren, Ressourcen und Veränderungsprozesse, während die Bewährungshilfe meine rechtliche und sozialarbeiterische Perspektive erweitert. Beides zusammen stärkt meine Professionalität – und hilft mir dabei, Menschen ganzheitlich und realitätsnah zu unterstützen.

Was sagt dein Umfeld dazu, dass du ehrenamtliche Bewährungshelferin bist? Welche Rückmeldungen bekommst du, wenn du davon erzählst?
Mein engeres Umfeld war überhaupt nicht überrascht – viele meinten sogar, dass diese Aufgabe sehr gut zu mir passt. Während meines dreimonatigen Praktikums bei NEUSTART haben sie mich oft von der Tätigkeit schwärmen gehört, deshalb wurde mein Entschluss, mich ehrenamtlich zu engagieren, eher als logische Weiterführung gesehen. Wenn ich mit anderen Menschen über mein Ehrenamt spreche, bekomme ich häufig Reaktionen wie: „Das könnte ich nicht.“ Meistens steckt dahinter Respekt vor der Verantwortung und dem Setting. Gleichzeitig erlebe ich viel Interesse und Anerkennung, sobald ich ein wenig von der Arbeit erzähle – vor allem davon, wie vielseitig, zwischenmenschlich und sinnvoll diese Begleitung ist.

Wie viele Klient:innen begleitest du derzeit?
Aktuell begleite ich fünf Klient:innen und bin damit im Rahmen meines Ehrenamts voll belegt.

Gibt es Klient:innen-Typen mit denen du besonders gerne und konstruktiv arbeitest? Also liegen dir bestimmte demografische Gruppen oder Delikt-Arten mehr als andere?
Diese Frage ist für mich schwer eindeutig zu beantworten, weil die Zusammenarbeit stark von der jeweiligen Person und der zwischenmenschlichen Beziehung abhängt. Für mich hängt eine konstruktive Zusammenarbeit weniger von Deliktart oder Alter ab. Viel wichtiger ist, dass wir gemeinsam klare Rahmenbedingungen vereinbaren, respektvoll miteinander umgehen und eine Gesprächsbasis entsteht, auf der wir Themen wirklich bearbeiten können. Wenn dieser Raum gegeben ist, kann Veränderung Schritt für Schritt möglich werden. Derzeit begleite ich viele Klient:innen unter 30, was ich als spannend und dynamisch erlebe. Auch Fälle mit Suchtmitteldelikten finde ich, aufgrund meiner hauptberuflichen Erfahrung in der Suchthilfe, besonders interessant, weil ich hier fachliche Überschneidungen nutzen kann. Trotzdem bleibt für mich im Zentrum: Jede Person bringt eine eigene Geschichte, Motivation und Lebenssituation mit und genau diese individuelle Arbeit macht die Bewährungshilfe für mich so sinnvoll.

Gibt es so etwas wie eine typische Betreuungssituation? Wie laufen die Termine mit deinen Klient:innen ab?
Eine „typische“ Betreuungssituation gibt es eigentlich nicht. Jede Person bringt unterschiedliche Themen, Lebenslagen und Tagesverfassungen mit. Trotzdem haben meine Termine eine gewisse Grundstruktur: Zu Beginn frage ich immer, wie es der Person geht und was sich seit dem letzten Gespräch getan hat. Im weiteren Verlauf bringe entweder ich ein Thema ein, etwa im Rahmen der Deliktverarbeitung oder wenn bestimmte rechtliche oder organisatorische Schritte anstehen, oder wir greifen Anliegen auf, die die Klient:innen selbst mitbringen. Das Spektrum ist sehr breit: von Alltäglichem über Probleme und Sorgen bis hin zu konkreten Fragen rund um Arbeit, Finanzen oder Beziehungen.
So entsteht jedes Mal ein anderes, individuelles Gespräch, das sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der jeweiligen Person orientiert.

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Straffälligen?
Viele Herausforderungen sind sehr individuell und hängen stark von der jeweiligen Lebenssituation ab. Ein Thema ist oft die Strukturierung des Alltags: Zeitmanagement, das Einhalten von Terminen und die regelmäßige Teilnahme an den Gesprächen können für manche Menschen schwierig sein, was wiederum die kontinuierliche Betreuung herausfordernd macht. Ein weiterer großer Aspekt ist die gesellschaftliche Stigmatisierung. Viele Klient:innen haben das Gefühl, einen „Stempel“ zu tragen, der sie auch noch lange begleitet. Dieses Stigma beeinflusst nicht nur das Selbstbild, sondern auch konkrete Zukunftsperspektiven. Besonders im beruflichen Bereich spüren viele die Einschränkungen eines nicht sauberen Leumunds, da bestimmte Jobs dadurch kaum zugänglich sind. Auch der Vertrauensaufbau kann zu Beginn herausfordernd sein. Viele Menschen, die in der Bewährungshilfe begleitet werden, haben belastende Erfahrungen gemacht oder misstrauen unterstützenden Systemen. Eine stabile, tragfähige Arbeitsbeziehung aufzubauen, braucht daher Zeit, Geduld und Klarheit.

Woran merkst du ganz konkret, dass deine ehrenamtliche Arbeit etwas bewirkt?
Ich merke es vor allem am direkten Feedback meiner Klient:innen, wenn sie beispielsweise erzählen, dass die Termine für sie keine Belastung sind, sondern eher etwas, auf das sie sich freuen. Das zeigt mir, dass die Beziehung tragfähig ist und sie die Unterstützung als hilfreich erleben. Durch die langfristige Begleitung kann ich außerdem viele kleine und große Erfolgserlebnisse miterleben: wenn jemand verantwortungsvolle Entscheidungen trifft, neue Stabilität gewinnt oder konkrete Schritte in Richtung einer deliktfreien Zukunft setzt. Solche Entwicklungen machen spürbar, dass die gemeinsame Arbeit wirklich Wirkung zeigt und dass Verlässlichkeit, Struktur und ehrliche Gespräche einen Unterschied machen können.

Wie findest du persönlich Ausgleich zu deinem Job und Ehrenamt? Was machst du in deiner Freizeit?
Tiere geben mir unglaublich viel Ausgleich, deshalb verbringe ich einen Großteil meiner freien Zeit mit Hunden und meinem Kater. Spaziergänge in der Natur oder gemeinsames Training helfen mir, abzuschalten und wieder Kraft zu tanken. Außerdem genieße ich die Zeit mit Freund:innen und Familie und manchmal braucht es einfach Tage, an denen ich nur auf der Couch sitze, nichts mache und niemanden sehe. Solche Pausen gehören für mich genauso dazu, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Gibt es sonst noch etwas, das du mit unseren Leser:innen teilen möchtest?
Ich freue mich, Teil von NEUSTART zu sein und hoffe, dass die Relevanz und Wirkung dieser Tätigkeit noch mehr in den gesellschaftlichen Fokus rückt.

Über die/den Autor:in

Laura Roth ist seit 2019 Teil des Kommunikations-Teams des Vereins NEUSTART. Ihre Schwerpunkte sind die interne Kommunikation und unsere Newsletter. In unserer Serie #TeamNEUSTART holt sie regelmäßig Kolleg:innen aus ganz Österreich vor den Vorhang

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