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Tipps für heikle Situationen

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NEUSTART Positionen Burgenland am 5. November 2019

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Anfang November fand in der Amtsbibliothek des Landesgerichts Eisenstadt die vierte Veranstaltung der NEUSTART Positionen im Burgenland statt. Die Räumlichkeiten dafür wurden von Landesgerichtspräsident Hofrat Dr. Karl Mitterhöfer zur Verfügung gestellt. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken!

 

Die Vorträge mit anschließender Podiumsdiskussion standen unter dem Titel „Sicherheit durch Sozialarbeit? Strafe versus Resozialisierung?". Leitende Fragen waren: Schrecken Strafen ab und bringen sie langfristig weniger Rückfälle? Sind Maßnahmen zur Resozialisierung der bessere Weg oder gibt es hier Grenzen? Die Vortragenden widmeten sich diesen und anderen Fragen in Impulsreferaten aus ihren individuellen beruflichen Blickwinkeln, woraus spannende Diskussionen entstanden.

 

Als Vortragende beteiligten sich:

  • Alexander Grohs MSc, Leiter NEUSTART Niederösterreich und Burgenland
  • Dr. Walter Hammerschick, Geschäftsführer Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie
  • Mag. Beatrix Resatz, Erste Staatsanwältin Staatsanwaltschaft Eisenstadt
  • Hofrat Christian Stella MA, Landespolizeidirektor-Stellvertreter Burgenland


Das Interesse war sehr groß. Die Amtsbibliothek war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das bunt gemischte Publikum aus den Bereichen Justiz, Polizei, Politik, Behörden, NGOs und Medien holte sich wertvolle Anregungen und hat aktiv mitdiskutiert.

 

Inhaltliches Resümee der Veranstaltung

Die positive Wirkung der Abschreckung durch hohe Freiheitsstrafen auf die Sicherheit ist vergleichsweise gering. Effektiver sind Maßnahmen, die sich am Einzelfall orientieren und gezielt an den Ursachen ansetzen. Das kann ein Mediationsverfahren im Tatausgleich, bei Fällen von situativer Gewalt, oder die Anordnung von Bewährungshilfe, bei einer bedingten Verurteilung, sein. Besonderes Augenmerk wurde auf den elektronisch überwachten Hausarrest gelegt, da er sozial integrativ wirkt, die Rückfallquote minimal ist und Haftschäden vermieden werden. Auch die Zahlen stützen diese Einschätzung, so gibt es beispielsweise nur in zwölf Prozent der positiv abgeschlossenen Tatausgleiche und bei 27 Prozent der bedingten Verurteilungen einen Rückfall. Im Gegensatz dazu steht eine Rückfallquote von knapp 54 Prozent bei Personen, die eine unbedingte Haftstrafe voll verbüßen.

 

Sind Haftstrafen also überflüssig? Die Referentinnen und Referenten sind sich einig, dass Strafen als Rahmen und Ultima Ratio bei bestimmten Fällen notwendig sind, um kurz- und mittelfristig eine Gefahr für die Bevölkerung abzuwenden. Da Straftäterinnen und Straftäter aber nach einer Haft, oder ohne Haft, (wieder) Teil der Gesellschaft sind, muss das angestrebte Ziel das der Legalbewährung sein. Dafür braucht es einerseits, zusätzlich zur Haft, ein ausdifferenziertes Angebot an Maßnahmen im Strafrecht, die Möglichkeit zur Innovation bei neuen Phänomenen (zum Beispiel Dialog statt Hass für verurteilte Hassposterinnen und Hassposter) und die notwendige budgetäre Ausstattung aller relevanten Behörden und Organisationen – von der Justiz, über die Polizei bis hin zu Täterarbeits- und Opferschutzeinrichtungen.

 

Auffallend war auch die breite Zustimmung zu Kooperation und Vernetzung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen erkannt. Auch wenn sich die direkten Aufträge und Rollen unterscheiden – alle Akteurinnen und Akteure teilen das Ziel, dass – ganz im Sinne einer opferschutzorientierten Täterinnen- und Täterarbeit und des Opferschutzes –
zukünftige Opfer vermieden werden und damit ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit der Gesellschaft geleistet wird.

 

Denn nur gemeinsam schaffen wir die Wende zum Guten!

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