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Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Hilfe bei Stalking

Wenn man über einen längeren Zeitraum gegen seinen Willen von jemandem belästigt und in seiner Lebensführung beeinträchtigt wird, wird man gestalkt (Stalking ist ein Fachausdruck für nachstellen, verfolgen). Stalking ist eine Sonderform von Beziehungsgewalt. Durch die mit Juli 2006 gesetzliche Handhabe in Form des § 107a Strafgesetzbuch ("beharrliche Verfolgung") ist eine Zuweisung von Stalking-Fällen zum Tatausgleich (in diesen Fällen als Stalking-Stopp-Vermittlung bezeichnet) möglich.

Rasche Reaktion mit Dauerwirkung

Eine der Voraussetzungen in der Bearbeitung durch NEUSTART (neben der grundsätzlichen Zustimmung des Opfers) ist, dass das Stalking sofort und dauerhaft gestoppt wird. Damit das Opfer geschützt wird, kontrollieren erfahrene Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter laufend die Einhaltung dieser Voraussetzung.

Anti-Stalking Maßnahmen

  • Kein persönlicher Kontakt zwischen Täterin oder Täter und Opfer
  • Erstellen einer Risikoeinschätzung, die laufend aktualisiert wird
  • Erarbeitung eines Sicherheitsplans mit dem Opfer
  • Schriftliche Verpflichtung der oder des Beschuldigten, auf jeglichen Kontakt mit dem Opfer zu verzichten
  • Überprüfung dieser Verpflichtung
  • Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sorgen dafür, dass es zu keinem Kontakt zwischen Täter und Opfer kommt
  • Abschluss notwendiger Vereinbarungen (Schadensgutmachung, Besuchsregelungen...) nur im indirekten Weg
  • Herstellung notwendiger Kontakte zu anderen Einrichtungen (Gewaltschutzzentren, Polizei, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Fachärztinnen und Fachärzte)
  • laufende Abstimmung mit dem Opfer

Ziele

Gemeinsam mit dem Opfer erarbeiten die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von NEUSTART die Bedingungen und Umstände, unter denen das Ende des Stalking verwirklicht werden kann.

Wenn es einstweilige Verfügungen gibt, werden die Informationen darüber an die zuständigen Stellen weitergegeben. Prozessbegleitung wird nach erfolgreicher Hilfe bei Stalking ebenso geklärt wie die Schadenswiedergutmachung. Im Ergebnis ist die Handlungsfähigkeit des Opfers verbessert sowie eine möglich Traumatisierung bearbeitet und reduziert.

Unsere Tätigkeit bei Stalking hat ihr Ziel erreicht, wenn die Belästigung beendet ist, das Opfer angstfrei und unbehelligt leben kann und sich sicher fühlt.

Bewährungshilfe für Klientinnen und Klienten mit Stalking-Delikten

Entscheidungsgrundlagen

Stalking ist eine Sonderform von Beziehungsgewalt. Wer über einen längeren Zeitraum gegen seinen Willen von jemand anderem belästigt und in seiner Lebensführung beeinträchtigt wird, wird gestalkt. Mit Juli 2006 wurde in Form des § 107a Strafgesetzbuch eine gesetzliche Handhabe geschaffen, die eine Zuweisung von Stalking-Fällen zur Bewährungshilfe ermöglicht.

Zielgruppe: Wer wird betreut?

Beschuldigte / Täter, denen rasch Grenzen gesetzt werden müssen. Bei Stalking muss rasch interveniert werden, damit weitere Kontakte zwischen Täterin oder und Opfer ausgeschlossen werden. Für das Opfer besteht die Möglichkeit einer Prozessbegleitung.

Zielsetzung

Ziel ist, dass die oder der Beschuldigte die ihr oder ihm gesetzten Grenzen akzeptiert und die Nachstellung beendet. Durch schriftliche Belehrung (zur Kenntnisnahme von der Täterin oder dem Täter unterschrieben) werden Normen verdeutlicht und die Konsequenzen bei Nichteinhaltung sichergestellt. Falls nötig, wird Psychotherapie vermittelt. Es wird klar verdeutlicht, dass auch nach Einstellung des Strafverfahrens bei einem Rückfall mit einer Anzeige und strafrechtlichen Verfolgung zu rechnen ist.
Ausdrücklich vermieden wird im Fall von Stalking, dass Nähe mit dem Opfer hergestellt wird, um Kontakt- oder Machtfantasien auf allen Ebenen zu unterbinden.

Betreuung konkret

Um der Täterin oder dem Täter Grenzen zu setzen und den Schutz des Opfers zu verbessern wird eng mit einschlägigen Institutionen zusammengearbeitet – insbesondere mit Gewaltschutzzentren (Interventionsstellen) als Anti-Stalking-Einrichtungen, da diese von jeder Anzeige informiert werden können.
Die betreuende Bewährungshelferin oder der betreuende Bewährungshelfer nimmt mit der oder dem Beschuldigten schriftlich Kontakt auf, lädt zu einem Termin ein und führt ein persönliches Gespräch mit der Täterin oder dem Täter, um ihr oder sein Einverständnis mit der Bewährungshilfe gemäß § 203 StPO zu erreichen (bei § 203 StPO-Zuweisungen). In der Betreuung werden der Kontaktabbruch und die Trennung sowie Unrechtseinsicht und Verantwortungsübernahme abgeklärt.

Eine zweite Bewährungshelferin oder eini zweiter Bewährungshelfer (keinesfalls die oder der die Täterin oder den Täter betreuende) nimmt nach Erklärung der Bereitschaft durch die Täterin oder den Täter Kontakt mit dem Opfer auf (durch schriftliche Information), in dem dieses über die Bewährungshilfe-Betreuung informiert wird. Dem Opfer wird ein Gespräch angeboten, in dem es über die Möglichkeit der Prozessbegleitung informiert wird und entscheiden kann, ob es diese annehmen möchte. Weiters erhält das Opfer Informationen über Beratungs- und Therapieeinrichtungen, wie es bei neuerlichem Stalking reagieren soll, ob es in der Zukunft Kontaktnotwendigkeiten gibt (etwa wegen gemeinsamer Kinder) und wie mit zu erwartenden Schwierigkeiten umgegangen werden soll. Bei Kontaktnotwendigkeit (zum Beispiel gemeinsame Kinder) ist zwischen Täterin oder Täter und Opfer eine Vereinbarung zu treffen, die aber nicht direkt, sondern nur über die Bewährungshelferin oder den Bewährungshelfer, die Anti-Stalking-Begleiterin oder die Prozessbegleiterin / den Prozessbegleiter erstellt wird. Auch allfällige Schadenersatz- oder Schmerzengeldzahlungen erfolgen nur über ein Ausgleichskonto und nicht direkt.

Leistungen von NEUSTART Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfern

Die betreuende Bewährungshelferin oder der betreuende Bewährungshelfer konfrontiert die oder den Beschuldigten mit ihrer oder seiner Tat und verdeutlicht ihr oder ihm die überschrittenen Normen.  Der nächste Schritt ist das deutliche Aussprechen eines Kontaktverbots – dieses steht auch im Vordergrund der Deliktbearbeitung. Die Kontakte mit dem Opfer werden durch eine andere Person (andere Bewährungshelferin oder Bewährungshelfer, Abteilungsleiterin oder Abteilungsleiter) als die betreuende Bewährungshelferin oder den betreuenden Bewährungshelfer wahrgenommen. Mit dem Opfer werden bei Bedarf bis zu vier Gespräche geführt. Wenn das Opfer Prozessbegleitung wünscht, werden die Kontakte im Rahmen der Prozessbegleitung wahrgenommen.

Qualitätsmerkmale

Oberstes Ziel ist, dass zwischen Täterin oder Täter und Opfer kein persönlicher Kontakt stattfindet. Eine laufend Risikoeinschätzung der Täterin oder des Täters wird erstellt und laufend aktualisiert. Mit dem Opfer wird ein Sicherheitsplan erarbeitet. Die oder der Beschuldigte verpflichtet sich schriftlich, auf jeglichen Kontakt mit dem Opfer zu verzichten – diese Verpflichtung wird überprüft. Notwendige Vereinbarungen (Schadensgutmachung, Besuchsregelungen…) werden nur über indirekte Wege getroffen. Kontakte zu anderen Einrichtungen werden hergestellt (Gewaltschutzzentren, Polizei, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Fachärztinnen und Fachärzte). Jeder Schritt wird mit dem Opfer abgestimmt.

Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wurde, muss die oder der Beschuldigte jederzeit mit einer neuen Anzeige rechnen, wenn sie oder er zum Opfer Kontakt aufnimmt. Vor einer möglichen Einsichtnahme in den Gerichtsakt oder Akt der Staatsanwaltschaft durch die oder den Beschuldigten oder ihren oder seinen Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter ist sicherzustellen, dass der Akt keine Daten des Opfers enthält, die der oder dem Beschuldigten möglicherweise nicht bekannt sind (Wohn- oder Arbeitsadresse, Telefonnummer). Solche Informationen sind für die Einsicht unkenntlich zu machen. Am Ende der Probezeit wird mit dem Opfer ein Evaluierungsgespräch geführt, in dem positive und negative Veränderungen sowie weitere Unterstützungsmöglichkeiten besprochen werden.

Tatausgleich bei Stalking

Im Fall von Stalking weicht die Vorgangsweise der Konfliktreglerinnen und Konfliktregler ab: Da die oder der Beschuldigte das Opfer beharrlich verfolgt und gegen dessen Willen unbedingt den Kontakt sucht, wäre es völlig falsch, die Beteiligten im Tatausgleich an einen Tisch zu bringen. Vielmehr geht es in diesen Fällen darum, jeglichen Kontakt zu vermeiden. Gelungen sind solche Fälle nur dann, wenn die Kontaktaufnahmeversuche des Beschuldigten nachhaltig unterbleiben.
Die speziell entwickelte Vorgangsweise im Tatausgleich beinhaltet Risikoeinschätzung, Schutz und Vermittlung von Unterstützung für das Opfer, Beratung und Unterstützung des Beschuldigten bei Bedarf.
Der Tatausgleich wird beendet, wenn es zu neuerlichen Kontaktversuchen kommt oder die Situation als gefährlich für das Opfer eingeschätzt wird.

Aufgrund der Aktenlage beziehungsweise nach dem Erstgespräch mit dem Opfer wird eine vorläufige Risikoeinschätzung erstellt; eine erweiterte Risikoeinschätzung erfolgt nach dem Erstgespräch mit der oder dem Beschuldigten. Sollte Gefahr in Verzug vorliegen, wird umgehend die Zuweiserin oder der Zuweiser und bei Vorhandensein die Anti-Stalking-Begleiterin des Gewaltschutzzentrums beziehungsweise die Prozessbegleiterin oder der Prozessbegleiter verständigt. Wesentlich ist es, der oder dem Beschuldigten deutlich zu machen, dass die Beziehung zum Opfer beendet ist.

Im Gespräch mit dem Opfer werden Möglichkeiten der Entlastung erörtert und Verständnis für die belastende Situation gezeigt. Die Gewaltgeschichte wird erhoben und die Hintergründe erfasst, auch wird eruiert, ob es bereits ähnliche Vorfälle (auch in früheren Beziehungen) gegeben hat. Ein Sicherheitsplan wird erstellt und Unterstützungsmöglichkeiten (durch Interventionsstellen oder ähnliche) werden erarbeitet. Es erfolgt eine Abklärung der psychischen Situation und möglicher Beeinträchtigungen. Das Opfer wird bei Notwendigkeit an eine Beratungseinrichtung beziehungsweise Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten vermittelt.

Die mögliche Nichteinhaltung der Schutzerklärung wird dokumentiert. Ambivalenzen zur Beschuldigten oder zum Beschuldigten werden abgeklärt (ist der völlige Kontaktabbruch auch der tatsächlich Wunsch des Opfers? Was braucht das Opfer an Unterstützung, um durchhalten zu können?). Mit dem Opfer wird abgeklärt, ob es eine Kontaktnotwendigkeit in Zukunft (zum Beispiel gemeinsame Kinder) gibt und in welchen Bereichen am ehesten Schwierigkeiten zu erwarten sind.

Die oder der Beschuldigte wird darüber belehrt, dass die Voraussetzung für die Durchführung eines Tatausgleichs das sofortige Beenden des Stalkings ist. Die Zustimmung des Opfers ist dafür notwendig und ist nur gegeben, wenn die Kontaktaufnahme umgehend beendet wird. Die Entscheidung liegt bei der Konfliktreglerin oder beim Konfliktregler, ob der Tatausgleich trotz Zustimmung dennoch abgebrochen werden muss. Dadurch wird das Opfer aus der Verantwortung genommen und zusätzlicher Druck vermieden. Der oder dem Beschuldigten wird das Beziehungsende klar und deutlich vermittelt. Im Gespräch ist zu klären, ob und wie die oder der Beschuldigte den Kontakt abbrechen kann und ob sie oder er die Trennung akzeptieren kann. Unrechtseinsicht und Verantwortungsübernahme sind abzuklären. Wenn das nicht möglich ist, erfolgt der Abbruch des Tatausgleichs. Außerdem wird allfälliger Therapiebedarf abgeklärt, allfällige Schäden und deren Wiedergutmachung werden erhoben (Schadenersatz bei Sachschäden, Schmerzengeld auch für emotionale Beeinträchtigungen).

Die Konfliktreglerin oder der Konfliktregler vermittelt einen allfälligen Schadenersatz beziehungsweise Schmerzengeldzahlungen, wobei symbolische oder alternative Wiedergutmachungen, die Kontakt voraussetzen, zu vermeiden sind. Zahlungen sollen nur über das Ausgleichskonto der Konfliktregelung, keinesfalls direkt erfolgen.

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