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Blog und Diskussion

Hass im Netz: gemeinsam handeln

Mag. Bernhard Glaeser - 28.11.2018 07:24

Mitunter scheint es, als wären wir der Unkontrollierbarkeit des Internet hilflos ausgeliefert. Zu unüberschaubar sind Datenmengen und Kanäle; zu unkontrollierbar das Lauffeuer, wenn es zur Verbreitung von Inhalten kommt; zu stark die Verführung der Illusion von Anonymität im Netz. Das könnte einen beim Thema Hass im Netz verzagen lassen. Wie können wir erreichen, dass die unglaubliche tägliche Datenflut möglichst wenige Grenzverletzungen birgt und dass keine Gesetzesverletzungen – Stichwort Cybercrime – geschehen?

 

NEUSTART gibt im Pilotprojekt Dialog statt Hass Menschen ein Gesicht, die im Internet unter dem Deckmantel der Anonymität die Strafrechtsnorm wegen Verhetzung verletzen. Im Auftrag des Gerichts sprechen wir mit ihnen darüber, was sie dazu bewegt, andere Menschen zu diskriminieren. Wir motivieren sie zu überlegen, Fragen zu stellen und ihr Verhalten zu überdenken. Das Pilotprojekt Dialog statt Hass umfasst ein Programm von acht Modulen und dauert ein halbes Jahr. Das eigene Verhalten soll am konkreten Fall reflektiert werden. Die Personen können sich über Mechanismen und Wirkungen sozialer Medien informieren und Möglichkeiten erarbeiten, die eigene Meinung so zu äußern, dass kein Gesetz verletzt wird. Zusätzlich zu den Modulen Deliktverarbeitung, Medienkompetenz und Diskurskompetenz sind Themen wie Normverdeutlichung, Perspektivenwechsel, Opferempathie, Diskriminierung und – je nach Fall – die Arbeit mit Beispielen vorgesehen.

 

Mehr als 60 Menschen mit Strafverfahren wegen Verhetzung haben bisher erfolgreich an diesem sechsmonatigen Programm teilgenommen. Erste Ergebnisse zeigen uns, dass sich die meisten davon mit ihrem Verhalten intensiv auseinandersetzen, ihre Handlungen überdenken und positive Konsequenzen aufgrund ihrer Einsichten ziehen. Das zeigt, dass es Wege gibt, sich nicht mit schwerwiegenden Verletzungen der Menschenwürde abzufinden, sondern ihnen etwas konstruktiv entgegenzusetzen. In Zukunft wird mit großer Wahrscheinlichkeit im Datenverkehr mehr Kontrolle notwendig werden. Wir sind überzeugt, dass nicht nur Kontrolle und Strafe, sondern auch Prävention in Form von Unterstützung, von Aufklärung und des Aufzeigens positiven Verhaltens etwas bewirken kann. Es lohnt sich, dem Hass im Netz nicht ohnmächtig gegenüberzustehen, sondern sich mit eigenem Beispiel, Einsatz und gemeinsamer Anstrengung für mehr Dialog und Miteinander auch im Internet einzusetzen.

 

Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Verena Längle schrieb am 29.11.2018 08:51

Sehr geehrter Hr. Mag. Glaser,
das ist ein interessantes Projekt, über das ich gerne mehr erfahren würde! Falls es Betroffene in Vorarlberg gibt, die -natürlich in einem geschützten Rahmen - über ihre Erfahrungen mit diesem Programm berichten wollen, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme Ihrerseits!
Sie erreichen mich im Landesstudio in Dornbirn! mfg,
Verena Längle

Marion Maier schrieb am 29.11.2018 08:02

Das Pilotprojekt "Dialog statt Hass" im staatlichen Auftrag finde ich einen wichtigen Ansatz. Letztlich kann nur ein Bewusstseinswandel zu einem nachhaltig veränderten Verhalten beitragen.
"Achtsamkeit", d.h. sich bewusst erleben und bewusst leben, ist der Königsweg.
Wo kann man sich über dieses Pilotprojekt informieren?
Beste Grüße,
Marion Maier