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Blog und Diskussion

Gemeinnützige Arbeit hat Mehrwert

Susanne J. Pekler MBA - 14.11.2018 10:21

Genau 1.101 Personen haben im Jahr 2017 in der Steiermark über 100.000 Arbeitsstunden abgeleistet, statt eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe zu bekommen oder eine uneinbringliche Geldstrafe im Ersatzarrest absitzen zu müssen. Die Vertreterinnen und Vertreter jener gemeinnützigen Einrichtungen, die Nutznießende dieser unbezahlten Arbeitsleistungen sind, erzählen berührende Geschichten: Von Jugendlichen, die aus Langeweile sinnlose Sachbeschädigungen begingen und durch die Verpflichtung zur Ableistung ihrer Stunden in einem Tierheim als Ehrenamtliche eine Aufgabe gefunden haben und heute noch mitarbeiten. Von einer Frau mittleren Alters, die jahrelang arbeitslos war und bei der Mitarbeit in einer Senioreneinrichtung so positiv auffiel, dass sie eine Festanstellung in der Küche bekam. Von einem jungen Mann, der nach Ableistung seiner Stunden um einen Zivildienstplatz in derselben Einrichtung ansuchte und ihr Jahre später noch verbunden ist, zu Besuch kommt und Kleiderspenden und Süßigkeiten für die Bewohnerinnen mitbringt.

 

Es braucht Erfahrung, Geduld und manchmal liebevolle Strenge der Anleitenden, um die Zugewiesenen dazu zu bringen, die aufgetragenen Stunden in vollem Umfang abzuleisten – in einer Weise, die für die Einrichtungen auch von Nutzen ist. NEUSTART unterstützt dabei durch Norm verdeutlichende Gespräche und sozialarbeiterische Hilfestellungen für jene Klientinnen und Klienten, die Probleme haben, ihre Lebenssituation zu meistern. Im Endeffekt gelingt es fast 85 Prozent, die aufgetragenen Stunden in vollem Umfang zu erbringen und damit der Gesellschaft etwas zurückzugeben und angerichteten Schaden gutzumachen. Wird die Leistung nicht voll erbracht, wird das Strafverfahren fortgesetzt beziehungsweise ist der Ersatzarrest anzutreten.

 

Laut einer Studie des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie kommt es bei 77 Prozent all jener, die Arbeiten für das Gemeinwohl geleistet haben, zu keiner weiteren Straftat. Eine sehr viel bessere Rückfallbilanz als nach Freiheitsstrafen. Es wäre hoch an der Zeit, auch für Delikte im Verwaltungsstrafverfahren die Möglichkeit zu schaffen, uneinbringliche Geldstrafen abarbeiten zu dürfen und zum Wohl der Allgemeinheit bei Sozialeinrichtungen wichtige Dienste an der Gesellschaft zu erbringen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass für gesellschaftlich meist als weniger schwerwiegend angesehene Vergehen (etwa Parkstrafen) noch immer Menschen in Haft gehen müssen und teure Haftplätze besetzen. Weil sie zu mittellos sind, um zu bezahlen. Gemeinnützige Leistungen bringen eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und ersparen dem Staat Kosten.

 

Susanne J. Pekler MBA ist Leiterin von NEUSTART Steiermark

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Marion Maier schrieb am 29.11.2018 08:09

Interessante Perspektiven. Die Fernwirkungen und Nutzen für unterschiedliche AkteurInnen von ehrenamtlichen Engagement sollten meiner Meinung nach empirisch (qualitativ sowie quantitativ) stärker beforscht werden.
Interessanter Beitrag.
Beste Grüße,
Marion Maier