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Blog und Diskussion

Jugend findet Gewalt uncool

Dr. Kristin Henning - 8.8.2018 07:47

Schwere, durch Jugendliche verursachte Gewaltverbrechen erwecken vielfach den Eindruck, dass die heutige Jugend gewaltbereiter sei als frühere Generationen. Tatsächlich begehen die Jugendlichen heute insgesamt weniger Straftaten als die Generation ihrer Eltern. Auch die Zahl der Gewaltdelikte nimmt ab. Die Kriminalstatistik Österreichs verzeichnete 2016 circa 2.000 Verurteilungen von Jugendlichen. Das sind etwa ein Drittel weniger als 2006. Dieser langfristige Rückgang bezieht sich auch auf Gewaltdelikte wie schwere Körperverletzung.

 

Gut beforscht ist die Entwicklung der Jugendgewalt in Deutschland. Zuletzt wurde Anfang des Jahres 2018 vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) und der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZAHW) eine diesbezügliche Studie veröffentlicht. Diese beobachtete einen Rückgang nicht nur in der deutschen Kriminalstatistik, sondern auch bei deutschen Unfallversicherungen, die Raufunfälle an Schulen erfassen. Auch schwere Vorfälle (jene mit Knochenbrüchen) sind deutlich zurückgegangen. Selbstauskünfte von Jugendlichen belegen ebenfalls, dass sie seltener Gewalt ausgeübt haben beziehungsweise seltener Opfer von Gewalt geworden sind.

 

Die Studie zeigt auch Erklärungsansätze auf: So wird der Rückgang unter anderem auf einen höheren Ausbildungsgrad der Jugendlichen und auf niedrigere Jugendarbeitslosigkeit zurückgeführt. Die heutige Generation wächst häufiger gewaltfrei in ihren Familien auf. Erziehungsstile, insbesondere die emotionale Zuwendung, haben sich im Lauf der letzten Generationen stark verändert. Interessant ist, dass Gewalt unter Jugendlichen heute eine viel stärkere Missbilligung erfährt, als das früher der Fall war. Gewalt ist nicht mehr „cool" und der Kontakt mit gewalttätigen Gleichaltrigen wird eher gemieden. Auch der Alkoholkonsum, der oftmals zur Verstärkung von Emotionen beitragen und enthemmend wirken kann, sinkt.

 

Diese Ergebnisse und Erklärungsansätze dürften auch für Österreich anwendbar sein. Sie sollten für uns als Gesellschaft handlungsanleitend sein: Wenn wir Jugendliche gesellschaftlich integrieren, sie qualifizieren, ihnen Chancen zur Entwicklung geben, sinkt das Risiko von Gewalt maßgeblich. Ohne individuelle leidvolle Erfahrungen und Folgen von Jugendgewalt bagatellisieren zu wollen bleibt doch das erfreuliche Fazit, dass Jugendgewalt insgesamt zurückgeht.

 

Dr. Kristin Henning ist Leiterin von NEUSTART Tirol

 

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