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Blog und Diskussion

Mutig für ein friedliches Miteinander

Susanne J. Pekler MBA - 1.8.2018 07:47

Unlängst hatte ich Gelegenheit, in Graz einen spannenden Vortrag der engagierten Menschenrechtsaktivistin Seyran Ates zu hören. Bereits das Auftreten der Mitbegründerin des europäischen Volksbegehrens „Stop Extremism" hinterließ ein beklemmendes Gefühl: Die Anwältin, Autorin und Imamin ist von Personenschützern umgeben. Es gab erst im Vorjahr Todesdrohungen und Mordaufrufe gegen Ates, als sie in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnete, in der Männer und Frauen, mit und ohne Kopftuch, gemeinsam beten und ihren Glauben leben. 1984 wurde Seyran Ates Opfer eines Schussattentats, als sie in einer Informationsstelle für türkische Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren, arbeitete.

 

Seyran Ates kämpft in ihren zahlreichen Publikationen und bei öffentlichen Auftritten gegen Zwangsehe, Ehrenmord, häusliche Gewalt, Kinderehe, Genitalverstümmelung, Gewalt und Ausgrenzung gleichgeschlechtlich Liebender. Sie definiert sich selbst als „Verfassungspatriotin": Statt Ethnie oder Sprache bildet das sich Entscheiden für ein gemeinschaftliches staatspolitisches Wertekonstrukt (beruhend auf Demokratie, Meinungsfreiheit und Achtung der Würde Einzelner) den gemeinsamen Bezugsrahmen einer Gesellschaft. Anfeindungen kommen sowohl von Seiten radikaler salafistischer Muslime als auch von linken sozial engagierten Aktivisten, die Ates überzogene Fixierung auf negative Randbereiche der muslimischen Kultur vorwerfen. Auch auf Seite der rechten Heimatschützer findet sie mit ihrem Konzept der verschiedenen Heimaten und mit ihrer feministischen Positionierung keine Freunde.

 

NEUSTART begibt sich seit Jahren in einen ähnlichen Spagat. Mit unserem Einstehen für Menschen, die Straftaten begangen haben und mit der Forderung nach einer zweiten Chance für Täter, Unterstützung und Hilfe zur Problemlösung und sozial konstruktiven Alternativen zur Haftstrafe für im In- und Ausland Geborene unterstellen uns viele Sozialromatik und Naivität. Wir bekommen Kritik von Sozialarbeitsorganisationen und durchaus auch von eigenen (ehemaligen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; weil wir dazu stehen, dass unsere Arbeit auch Kontrolle, Überwachung von Weisungen, Einfordern von angemessenen Reaktionen von Seiten des Gerichts auf Fehlverhalten beinhaltet. Weil wir meinen, dass Sozialarbeit steuernd und manchmal auch sehr konfrontativ sein muss.

 

Seyran Ates ist uns ein Vorbild, mutig, klug und sich selbst immer wieder reflektierend, diesen differenzierten und professionellen Weg zu gehen. Und uns auch immer wieder von innen und von außen kommender konstruktiver Kritik zu stellen. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes dankte an diesem Abend in Graz nach kontroversieller Diskussion nicht nur denjenigen für ihr Kommen, die ihre Forderungen unterstützen, sondern vor allem auch jenen, deren politische Feindin sie sei. „Danke, dass sie mit mir diskutieren, aus jedem Gespräch lerne ich, nehme mir was mit und entwickle mich weiter." In diesem Sinne ersuche ich jene, die meinen Blog lesen, um Zuspruch und noch mehr um Kritik.

 

Susanne J. Pekler MBA ist Leiterin von NEUSTART Steiermark

 

 

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