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Blog und Diskussion

Gewalt an Schulen stark gestiegen?

Dr. Johannes Bernegger - 6.6.2018 08:13

Fast zeitgleich mit Beginn der amerikanischen Serie „Big Little Lies" kursieren Zahlen über den Anstieg von Gewalt an österreichischen Schulen. In der mit acht Emmys ausgezeichneten amerikanischen Serie kam es am ersten Schultag der ersten Klasse zu einem Übergriff unter sechsjährigen Schülerinnen und Schülern, bei der ein Mädchen verletzt wurde. Die Reaktion der Klassenlehrerin war, im Kreis der anderen Schülerinnen und Schüler samt deren Eltern den Schuldigen per Fingerzeig zu identifizieren. Der sechsjährige Schüler, neu zugezogen, mit allein erziehender Mutter, deren sozialer Status nicht dem der anderen Eltern entspricht, bestreitet, das Mädchen angerührt zu haben. Daraufhin verbieten einige Eltern ihren Kindern den Kontakt mit dem Buben. Pikanterweise gerade ein gegenüber seiner Frau gewalttätiger Mann!

 

Gewalt gegen eine Schülerin? Mobbing gegen einen Schüler? Zahlen des Innenministeriums ergeben eine dramatische Steigerung von Anzeigen wegen Gewaltdelikten an österreichischen Schulen. Tatsächlich wird erst seit 2013 erhoben, ob Fälle von angezeigter Gewalt an Schulen (vom Kindergarten bis zur Universität) passieren. Verschiedene Medien haben darauf reagiert. Der ORF Salzburg stellt die Frage, ob eine Zunahme um 60 Prozent in Salzburg denkbar ist. Alle befragten Akteurinnen und Akteure verneinen das. Auch die Polizei sagt, dass diese Zahlen nichts über die tatsächlichen Gewaltdelikte aussagen, denn es handelt sich „nur" um Anzeigen, keine rechtmäßigen Verurteilungen, bei denen Schuld festgestellt wurde.

 

Eine Recherche von NEUSTART bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt ergab für ganz Österreich folgendes Bild: 2013 wurde bei 1.737 durch vorsätzliche Gewalteinwirkung verletzten Schülerinnen und Schülern als Ort „Schule" angegeben; 2014 waren es 1.876, 2015 nur 1.594, 2016 1.671 und im Jahr 2017 1.652 verletzte Schülerinnen und Schüler.

 

Die Anzeigenpraxis und statistische Auswertungen ergeben also unterschiedliche Bilder. Zwei Aussagen lassen sich gesichert treffen: Erstens, dass das amerikanische „Shame and Blame"-Vorgehen in der Serie „Big Little Lies" nicht kindgerecht ist und keine Konflikte löst, sondern sie nur zuspitzt. Vor allem unter den Erwachsenen, was den Weg heraus immer schwieriger macht. Zweitens, dass Schulsozialarbeit, in Zusammenarbeit mit Schulpartnerinnen und -partnern, ein gutes Klima an Schulen fördern kann. Schulsozialarbeit hilft, Gewalt und Mobbing konsequent und konstruktiv zu begegnen, einen störungsfreien Unterricht zu ermöglichen und Schulverweigerung zu vermeiden. Schulsozialarbeit kann Lehrkräfte an Schulen darin unterstützen, für die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler (egal welcher Herkunft und unabhängig von ihrem Alter) das Beste zu leisten.

 

Dr. Johannes Bernegger ist Leiter von NEUSTART Salzburg

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Hr. Cimmermann schrieb am 07.06.2018 13:24

Zu dieser Thematik gibts auch einen sehr lesenswerten Artikel in der Tips. Es geht um die Zahlen für Niederösterreich, die von der FPÖ instrumentalisiert werden. Obwohl dort auch die Anzeigen zurückgehen.
https://www.tips.at/news/melk/wirtschaft-politik/428961-gewalt-an-niederoesterreichs-schulen-sinkt-fpoe-stellt-praevention-in-frage