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Blog und Diskussion

Jung, gewaltbereit, dschihadistisch – resozialisierbar?

Jürgen Kaiser MBA - 11.4.2018 07:54

Die derzeit in allen Medien präsente Gerichtsverhandlung über einen Jugendlichen, dem vorgeworfen wird, sich radikalisiert zu haben und Anschläge geplant zu haben, verunsichert viele. Was tun mit solchen Jugendlichen?

 

NEUSTART widmet Klientinnen und Klienten mit dschihadistischem Hintergrund besondere Aufmerksamkeit. Derzeit betreuen wir österreichweit 63 Klientinnen und Klienten, die nach § 278b Strafgesetzbuch (Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung) verurteilt wurden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Betreuung dieser Menschen sowie für die Früherkennung und Prävention mit der nötigen fachlichen Expertise ausgestattet, um Sozialarbeit nach dem aktuellen Stand des Wissens durchführen zu können.

 

Für Sozialarbeit ansprechbar sind radikalisierungsgefährdete oder radikalisierte junge Menschen, die in der Radikalisierung Zugehörigkeit, Identität und Schutz suchen. Radikale Ideologien erklären die Welt einfach, schwarz-weiß und leicht fassbar. Botschaften wie „Wir sind die Guten", einfache Modelle von Rache und Gerechtigkeit sowie das Versprechen, bedeutend zu sein, geben jungen Menschen ein Gefühl von Wichtigkeit. Vor allem junge Menschen mit tendenziell geringer Bildung und geringen Perspektiven, die unzufrieden und mit persönlichen Konflikten konfrontiert sind, sich oftmals gedemütigt und abgelehnt fühlen, sind in krisenhaften Momenten für Radikalisierung ansprechbar. Viele von ihnen fühlen sich entfremdet oder haben Entfremdung erfahren. Das Annehmen extremistischer Ideologien kann ihnen ein Gefühl der Stärke und Zugehörigkeit vermitteln, sie fühlen sich verstanden.

 

Erstes Ziel der Sozialarbeit bei NEUSTART ist es, die Gewaltbereitschaft dieser Menschen zu beenden und sie von ihren extremen Ideologien abzubringen. Einen besonderen Stellenwert bei radikalisierten Menschen hat die Arbeit an den persönlichen Ressourcen: Wie kann es gelingen, sich auf anderem Weg als über radikale Ideologien als stark und wirksam zu erleben, wie kann es gelingen, sich als zugehörig zu fühlen und nicht als Außenseiter?

 

NEUSTART sucht auch aktiv die Einbindung in Netzwerken von Expertinnen und Experten. In der Zusammenarbeit mit Religions-Experten kann es gelingen, dem engen Islamverständnis radikalisierter Menschen Gegennarrative anzubieten: Es ist gut möglich, mit dem Islam zu leben, ohne gewaltbereit sein zu müssen. Besondere Bedeutung hat die kritische Betrachtung des sozialen Umfelds durch uns. Unterstützende Strukturen in der Familie und ein nicht gewaltbereiter Freundeskreis können nämlich großen stabilisierenden Einfluss ausüben. Ziel ist ein Lebensentwurf, in dem sich die Menschen nicht mehr fremd fühlen und Perspektiven ohne Gewalt für ihr künftiges Leben entwickeln.

 

Jürgen Kaiser MBA ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |3 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

schrieb am 26.04.2018 19:26

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Jürgen Kaiser schrieb am 17.04.2018 09:34

Lieber Herr Nachtwey!
Vielen Dank für den Tipp und die Wünsche!
Herzliche Grüße
Jürgen Kaiser

Markus Nachtwey schrieb am 12.04.2018 11:44

wow, ich bin überrascht über die Anzahl von 64 Klienten, vermutlich nur die Spitze vom tatsächlichen Eisberg.
Gestern Abend lief im Fenrsehprogramm https://www.tv-media.at/programm/ARD/macht-euch-keine-sorgen/2018-04-11/77148632173
Keine leichte Aufgabe- viel Erfolg bei der Arbeit!