Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Kriminalität: Blackbox der Gesellschaft

Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid - 21.2.2018 07:27

Das Risiko, im Straßenverkehr umzukommen, ist in Österreich rund zehnfach höher, als ermordet zu werden. Das Risiko, an einer Krebserkrankung zu sterben, ist rund 500 Mal höher. Ausschließlich nach dem statistischen Lebensrisiko beurteilt, ist die breite öffentliche Wahrnehmung und Diskussion schwerer Straftaten nicht nachvollziehbar. Doch der Mensch ist kein mathematisch kalkulierendes Wesen. Wir bewegen uns in der Gesellschaft und haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einer für alle Gesellschaftsmitglieder gültigen Definition von erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen. Wir wollen Normen und deren Sanktion. Im Strafrecht geht es um schwere Verletzungen der Regeln des menschlichen Zusammenlebens. Insbesondere Delikte gegen die körperliche und sexuelle Integrität lösen in uns Gefühle von Wut und Hass aus. Die regelmäßige mediale Konfrontation mit schweren Straftaten verstärkt unsere Angst und verursacht Gefühle der Ohnmacht.

 

Ein mit so mächtigen Gefühlen beladenes und dadurch so bedeutsames Thema hat mehr als nur die Aufmerksamkeit in Form von Tatortfotos und detaillierten Beschreibungen vom Tathergang verdient. Ein tiefes Verständnis über Entstehung und erfolgreiche Prävention von Kriminalität, über die Auswirkungen auf Opfer und deren Interessen würde unserer Gesellschaft viel von der oft erlebten Ohnmacht nehmen.

 

Von den Betroffenen selbst erfährt die Gesellschaft meist wenig: Viele Opfer schwerer strafbarer Handlungen verstummen, kämpfen mit Schamgefühlen und Ängsten. Sie können oder wollen nicht öffentlich darüber sprechen, was sie erlebt haben und was sie brauchen würden, um ihr Leid zu lindern. Menschen, die schwere Straftaten verübt haben, sind spätestens nach Bekanntwerden ihrer Tat an den Rand der Gesellschaft verbannt. Die Gesellschaft meidet den Kontakt. Viele Facetten des Phänomens Kriminalität bleiben damit unbekannt.

 

Hier tragen alle Institutionen Verantwortung, die sich mit betroffenen Opfern, aber auch Straftätern in ihrer täglichen Arbeit oder auf wissenschaftlicher Ebene auseinandersetzen: Universitäten, Ministerien, Staatsanwaltschaften, Gerichte, Polizei, Opferschutzeinrichtungen, NEUSTART. Sie können Betroffenen eine Stimme geben. Was sind die Ursachen für strafbare Handlungen? Welche Interessen haben Opfer schwerer Straftaten? Welche Maßnahmen können Straftaten wirksam verhindern? Welche ist die präventiv wirksamste Reaktion, wenn strafbare Handlungen bereits passiert sind?

 

NEUSTART trägt mit aktiver Öffentlichkeitsarbeit einen Teil dazu bei, Licht ins Dunkel dieses Themas zu bringen. Wir berichten über unsere konkreten Erfahrungen in der spezialpräventiven Sozialarbeit mit Straftäterinnen und Straftätern. Wir stellen dar, was wir tun, warum wir es tun und welche Wirkungen wir damit erzielen. Einer von vielen Schritten aus der Blackbox Kriminalität.

 

Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid ist Leiter von NEUSTART Oberösterreich

 

 

Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Lukas Schmid schrieb am 27.03.2018 10:33

Sehr geehrter Herr Yildirim,
danke für Ihren Kommentar, zu dem ich gerne Stellung nehme: Die Absicht meines Beitrags liegt genau darin, dass Gewaltkriminalität eben nicht unreflektiert mit anderen Lebensrisiken vergleichbar ist, sondern eine besondere Form der Betroffenheit bei den Opfern und in der Gesellschaft auslöst.
Freundliche Grüße
Lukas Schmid

Yunus Yildirim schrieb am 25.03.2018 12:22

Vergleichen Sie wirklich Verkehrsunfälle, Krebserkrankungen mit Gewalttaten und Mord?
Also es tut mir Leid, aber der nächste Satz verdeutlicht, wie gering Ihre Opferempathie ist:
"Ausschließlich nach dem statistischen Lebensrisiko beurteilt, ist die breite öffentliche Wahrnehmung und Diskussion schwerer Straftaten nicht nachvollziehbar."
Ihr Beitrag löst in mir Unverständnis, Ärger und Ohnmacht aus.