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Blog und Diskussion

Sind Flüchtlinge krimineller als Einheimische?

Dr. Kristin Henning - 24.1.2018 07:34

Immer wieder wird ein Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Straftaten hergestellt. Zur letzten großen Fluchtbewegung (2015/2016) lassen sich noch keine mittelfristigen Trends in den Verurteilungsstatistiken nachvollziehen. Es gibt jedoch eine umfassende wissenschaftliche Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, die auf der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeslandes fußt und einen differenzierten Blick ermöglicht. Tatsächlich ist es so, dass in Niedersachsen nach Jahren des Rückgangs in den Jahren 2014 und 2015 Strafanzeigen wieder gestiegen sind und auch der Anteil an tatverdächtigen Flüchtlingen zugenommen hat.

 

Die nähere Betrachtung zeigt, dass die Alters- und Geschlechtszusammensetzung der Flüchtlinge darauf Einfluss haben. Wie die Autoren schreiben, sind überall auf der Welt männliche Jugendliche und Erwachsene im Alter zwischen 14 und 30 Jahren (also gerade jene Bevölkerungsgruppe, die die größte Gruppe an Flüchtlingen darstellt) in der Kriminalstatistik überrepräsentiert. Auch die Tatsache, dass die Flüchtlinge mehrheitlich aus Ländern stammen, die von männlicher Dominanz geprägt sind und in ihrem sozialen Umfeld in Deutschland Partnerinnen, Mütter und Schwestern fehlen, wirkt sich auf die Gewaltbereitschaft aus. Aus anderen Studien ist bekannt, dass der kulturelle Lernprozess, der gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen zurückdrängt, sehr lange braucht. In unserer westlichen Kultur dauerte es Jahrzehnte beziehungsweise Generationen, bis sich die gewaltfreie Erziehung durchgesetzt hatte.

 

Ein weiterer relevanter Faktor ist die Aufenthaltsperspektive. Flüchtlinge, die eine realistische Perspektive auf Asyl und Aufenthalt haben, sind bemüht, diesen nicht durch Straftaten zu gefährden. Jene Flüchtlinge, die keine oder eine schlechte Bleibeperspektive haben (zum Beispiel Personen aus Marokko, Tunesien oder Algerien) werden häufiger straffällig. Das bedeutet, dass ein relativ kleiner Anteil an Flüchtlingen (in der Studie 0,9 Prozent) für 17 Prozent der aufgeklärten Taten verantwortlich war. Außerdem ermittelt die Studie, dass ausländische Täter bei Gewaltdelikten doppelt so häufig angezeigt werden wie Inländer. Das könnte darin begründet sein, dass Opfer von Gewalttaten diese Situationen bei „fremden" Tätern als besonders bedrohlich erleben und daher häufiger die Unterstützung der Polizei suchen.

 

Bemerkenswert ist, dass bei circa einem Drittel der Straftaten andere Flüchtlinge die Opfer waren. Ein weiteres Drittel betraf andere Ausländer und nur ein Drittel der Opfer waren Deutsche. Auch hinsichtlich der Deliktarten gab es große Unterschiede: Während sich drei Viertel der gefährlichen / schweren Körperverletzungen gegen andere Flüchtlinge und Ausländer richteten, waren bei Raubdelikten 70 Prozent der Opfer Deutsche. Während sich viele der Gewaltdelikte in den beengten Flüchtlingsunterkünften abspielen, gingen die Täter bei den Raubdelikten wohl davon aus, dass bei deutschen Opfern mehr Geld zu erbeuten ist.

 

Die Ursachen für Kriminalität bei Flüchtlingen unterscheiden sich also nicht wesentlich von den Ursachen für Kriminalität bei Einheimischen. Wir erleben, dass fehlende Perspektiven, fehlende Struktur im Alltag und fehlende soziale Bindungen im Alltag Risikofaktoren sind. Es sind also die Umstände, die maßgeblichen Einfluss haben beziehungsweise Risikofaktoren darstellen. Durch Perspektiven – und dazu zählen neben einer raschen Klärung des Aufenthalts auch sprachliche und schulische / berufliche Qualifizierung – erhöhen wir die Sicherheit. Auch die Art der Unterbringung von Flüchtlingen in kleineren Einrichtungen, in denen auf die ethnische Zusammensetzung geachtet wird, beeinflusst das Risiko ethnisch bedingter Konflikte untereinander und daraus resultierender Straftaten.

 

Dr. Kristin Henning ist Leiterin von NEUSTART Tirol

 

Webtipp: Studie von Christian Pfeiffer, Dirk Baier und Sören Kliem

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |3 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

schrieb am 19.02.2018 23:22

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Dr. Kristin Henning schrieb am 29.01.2018 08:20

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung über die positiven Erfahrungen, die Sie gemacht haben. Sie sprechen einen sehr wichtigen Punkt an: Viele haben traumatische Erfahrungen in ihren Herkunftsländern beziehungsweise auf der Flucht gemacht. Auch hier ist es sehr wichtig, Unterstützung bei der Bewältigung anzubieten.
Wie Sie bin ich überzeugt, dass Unterstützung bei der Integration ein entscheidender Schritt für eine gemeinsame Zukunft ist. Liebe Grüße, Kristin Henning

bebe schrieb am 25.01.2018 22:19

Als Deutschtrainerin von Flüchtlingen im Alter von 15 bis 19 kann ich dem nur voll zustimmen. Eventuell vorhandene Gewaltbereitschaft sinkt je mehr man auf sie zugeht und sie Stück für Stück an unsere westliche Kultur heranführt. Niemals würden sie uns was zu Leide tun. Wenn es Konflikte gibt, dann zwischen ihnen untereinander. Diese jungen Menschen, die ohne Eltern, ohne Gewissheit, wie es ihrer Familie (sofern noch am Leben) ergehen wird und mit teilweise einschneidenden Erlebnissen auf der Flucht zu uns gekommen sind, werden in vielerlei Hinsicht - wenn auch von manchen nicht gern gehört - unsere Zukunft sein. Diese Menschen interessieren sich für Berufe, welche zunehmend auf der Liste der Mangelberufe zu finden sind und haben offene Herzen gegenüber uns. Sie teilen, wenn sie auch noch so wenig Geld haben und sind vor allem wahnsinnig DANKBAR.