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Blog und Diskussion

Gerade in Krisenzeiten: proaktive Hilfe wirkt

Alexander Grohs MSc - 25.3.2020 07:47

Die aktuelle Situation stellt unsere Kolleginnen und Kollegen in der Betreuung vor besondere Herausforderungen. Der persönliche Kontakt ist – abgesehen von Fällen mit besonders hoher Rückfallgefährdung – durch den telefonischen ersetzt worden. Wir alle, besonders aber auch unsere Klientinnen und Klienten, finden eine noch nie dagewesene Lebenssituation vor. Was schon zu Beginn der notwendigen Beschränkungen klar war: Wir können sie nicht alleine lassen in dieser schwierigen Lage. Gerade dadurch könnten jetzt Rückfälle passieren und latente Krisen oder Konflikte eskalieren. Nicht umsonst ist auch in den letzten Tagen von den Opferschutzeinrichtungen darauf hingewiesen worden, dass häusliche Gewalt voraussichtlich steigen wird und sich die Lage für die potenziellen Opfer verschärft.

 

NEUSTART hat sich für den aus meiner Sicht wichtigen Schritt entschieden, nicht nur telefonisch zur Verfügung zu stehen, sondern die Klientinnen und Klienten proaktiv zu kontaktieren und Beratungen und Betreuungen durchzuführen, sowie gegebenenfalls die Intervalle zu erhöhen. Gerade bei Risikodelikten wie häusliche Gewalt oder bei Sexualstraftaten ist das nun unerlässlich.

 

Was natürlich unklar war im Vorfeld: Wie wird es funktionieren und nehmen unserer Klientinnen und Klienten dieses Angebot an, beziehungsweise erreichen wir sie? Das erste Fazit nach einer Woche ist positiv. Hier einige gute Beispiele, wie gearbeitet wird und was erreicht werden kann: Herr U. hat seine Arbeit verloren und ist nun mit seiner gesamten Familie zu Hause. Aufgrund der räumlichen Enge und den neuen Anforderungen (unter anderem Schule zu Hause für seine Kinder) ist er überfordert. Der Aggressionslevel steigt, aktuell vor allem verbal. Seine Bewährungshelferin kontaktiert ihn mehrmals pro Woche. Hier kann er seinen Frust artikulieren und seine Befürchtungen und Ängste sagen. Perspektiven werden aufgezeigt und vermittelt, Tipps für teils alltägliche Situationen, die nun nicht mehr wie gewohnt stattfinden können, gegeben.

 

Herr S. ist selbstständig, sein Gewerbe kann er aufgrund der aktuellen Lage nicht ausführen. Existenzängste plagen ihn und er befürchtet, wieder rückfällig zu werden (Eigentumsdelikte). In vielen Entlastungsgesprächen hat ihn sein Bewährungshelfer beruhigt und eine Perspektive aufgebaut. Aktuell ist eine Anstellung als Lagerarbeiter in Aussicht, wo erhöhter Bedarf herrscht.

 

Herr W. ist wegen häuslicher Gewalt verurteilt und lebt in einer neuen Beziehung. Seine Partnerin und er sind erst vor kurzem zusammengezogen und erstmals mit der aktuellen sozialen Nähe konfrontiert. Herr W. war bisher auf einem guten Weg. In der Betreuung wurden bereits Handlungspläne erstellt und erprobt, um einen erneuten Rückfall zu verhindern. Herr W. ist bemüht und kooperativ, nur funktionieren vielen der etablierten Lösungsmuster nun nicht mehr. Der Bewährungshelfer meldet sich mehrmals pro Woche und spricht zu Beginn, mit Einverständnis von beiden, per Konferenzschaltung mit Klient und Partnerin über die aktuelle Situation und ob es Gefährdungssituationen gegeben hat. Im Anschluss erarbeitet er mit Herrn W. neue Handlungsoptionen. Und er prüft gemeinsam mit ihm, ob seine bisherigen Optionen vielleicht doch weiterhin mit Anpassungen funktionieren.

 

Das telefonische Gespräch kann das persönliche nicht auf Dauer und nicht eins zu eins ersetzen. Aber es ist in der derzeitigen Lage ein wichtiges Mittel der Prävention und Sicherheit. Und was man nicht übersehen darf: Sozialer Isolation kann damit entgegengewirkt werden. Perspektiven können aufgezeigt und geschaffen werden. Und Menschen mit Perspektiven haben ein geringeres Rückfallrisiko.

 

Alexander Grohs MSc ist Leiter von NEUSTART Niederösterreich und Burgenland

 

 

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