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Blog und Diskussion

Gewalt in Paarbeziehungen: Zivilcourage und Früherkennung

Mag. Bernhard Glaeser - 21.11.2019 08:16

Über 30 Frauen wurden 2018 in Österreich Opfer von Beziehungsmorden. Das ist nur die Spitze des Eisbergs von Gewalt gegen Frauen. Die vielfache nicht öffentlich gewordene Gewalt in Beziehungen und das noch unzureichende gesellschaftliche Bewusstsein für Beziehungsgewalt sind evident. Leider auch die fehlende Entschlossenheit, etwas dagegen zu tun.

 

Dabei gilt Österreich im internationalen Vergleich als Vorreiter bei Maßnahmen gegen Partnergewalt. Die bekanntesten Meilensteine sind das erste Gewaltschutzgesetz 1997, das die Möglichkeit eines Betretungsverbots für Gefährder vorsieht und Gewaltschutzzentren begründete; die Prozessbegleitung für Opfer von Gewaltstraftaten; die Ratifizierung der Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention). Die gesetzlichen Instrumente gegen Paargewalt sind wichtig, um Täterinnen und Tätern klarzumachen: Gewalt in der Beziehung ist keine Privatsache und wird nicht toleriert, sondern vom Staat verfolgt. Vor allem geht es um Täter: 80 Prozent der Gewaltdelikte mit Beziehungsstatus werden von Männern begangen. 20 Prozent häuslicher Gewalt werden von Frauen begangen.

 

Frauen, die von ihrem Partner misshandelt werden, sind oft verängstigt und wagen nicht, Hilfe zu suchen und zu holen. Sie schweigen und dulden lange. Wir wissen, dass Gewalt in Paarbeziehungen in vielen Fällen kein einmaliger „Ausrutscher" ist. Zur Durchsetzung meist männlicher Machtansprüche entwickeln Täter typischerweise ein sich steigerndes Dominanz- und Unterdrückungsverhalten, auf Besitzdenken basierende Kontrolle und psychische Gewalt bis hin zu körperlicher und sexueller Gewalt. Oft sind Kinder mitbetroffen. Dem Gewalthandeln ist nur schwer ohne Hilfe oder Eingriff von außen beizukommen. Zumal es besonders gefährlich wird, wenn Frauen sich doch durchringen, aus der Gewaltbeziehung aussteigen zu wollen.

 

Paargewalt wird von anderen schon früh wahrgenommen: Laute Auseinandersetzungen im Haus; Arbeitskolleginnen, die mit blauen Flecken in die Arbeit kommen; andere Auffälligkeiten und Symptome, auch bei Kindern. Behördliche Maßnahmen und Schutzmöglichkeiten können rechtzeitig wirksam werden, wenn bei sich abzeichnender Paargewalt Nachbarinnen und Nachbarn, Verwandte, Lehrerinnen und Lehrer oder Bekannte reagieren. Erfahrungen zeigen, dass Nachbarinnen und Nachbarn auch gerne etwas tun wollen, aber nicht wissen, wie sie es richtig machen können – im Sinn der Gewaltprävention und auch des Selbstschutzes.

 

In fünften Wiener Gemeindebezirk gibt es deshalb das Präventionsprojekt „StoP – Stadtteil ohne Partnergewalt". Hier geht es um Sensibilisierung, darum, achtsam zu sein und etwas zu sagen, etwas zu tun, bevor schwere Gewalt passiert. So sollen Opfer möglichst frühzeitig verhindert werden. Wahrnehmungen anzusprechen und Zivilcourage zu zeigen kann der Beginn des Durchbrechens des Gewaltkreislaufs sein. Projekte wie dieses, bei dem NEUSTART gerne Projektpartner ist, sind enorm hilfreich, um die Problematik von Paargewalt zu einem gesellschaftlichen Thema und zu unserer gemeinsamen Verantwortung zu machen.

 

Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

 

Webtipp
https://stop-partnergewalt.org/wordpress/stop-konkret/stop-wien-margareten/

 

 

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