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Blog und Diskussion

Die Kriminalität sinkt

Mag. Klaus Priechenfried - 5.10.2016 09:26

Es gibt das Phänomen, dass diverse Aussagen so oft wiederholt werden, dass man schon geneigt ist, sie zu glauben, ohne es überprüft zu haben. Bei der Kriminalität ist diese Tendenz immer wieder zu beobachten. Man glaubt, dass sie steigt, weil das interessanter ist als die Wahrheit: nämlich, dass sie seit langem sinkt. Der Sicherheitsbericht 2015 mit Originaldaten des Innen- und Justizministeriums gibt darüber Auskunft. „Die Zahl der Anzeigen in Österreich konnte 2015 erneut gesenkt und somit ein neuer Tiefstand der letzten zehn Jahre erzielt werden. Wurden im Jahr 2006 noch über 588.000 Fälle und 2014 noch über 527.692 Fälle zur Anzeige gebracht, so waren es 2015 517.870 Anzeigen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 9.822 Anzeigen (- 1,9 %)“, so der Sicherheitsbericht 2015.


Ausländer sind nicht krimineller als die hier ansässige Bevölkerung. Sie werden aber ein wenig strenger behandelt. Immer wieder werden auch Behauptungen in den Raum gestellt, dass zugewanderte Personen besonders viel Kriminalität produzieren. Allein – es stimmt nicht. Die zugewanderten Personen sind nicht krimineller als die hier Ansässigen. Das Bundeskriminalamt in Deutschland ist der Frage sehr genau nachgegangen und genau zu diesem Ergebnis gekommen. In Österreich deuten alle Daten darauf hin, dass es sich bei uns ebenso verhält. Der Anstieg der durch Fremde begangenen Delikte ist nicht entscheidend. Die Frage ist, ob der Anstieg höher ist als der Anstieg der fremden Personen insgesamt, und das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, der Anstieg der Tatverdächtigen mit dem Aufenthaltsstatus „Asylwerber“ von 10.416 im Jahr 2014 auf 14.458 im Jahr 2015 ist eher beruhigend als alarmierend. In der Asylstatistik des Bundesministeriums für Inneres sind 28.064 Asylanträge für das Jahr 2014 und 89.098 Asylanträge für das Jahr 2015 ausgewiesen. Der Steigerung der absoluten Anzeigenzahlen steht also eine deutliche Reduktion der relativen Anzeigebelastung gegenüber.


Kriminalität ist kein Ausländerphänomen. Es gibt nicht einmal eine fremdentypische Kriminalität. Der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl hat in einer Aussendung der Austria Presse Agentur klare Worte gefunden: „Das Merkmal Fremder erklärt überhaupt nichts. Das Merkmal Armut sehr wohl. Das ist Armutskriminalität, meinetwegen auch Jugendkriminalität", sagte Kreissl. Und: „Die Ausländer sind insgesamt nicht krimineller als die Inländer." Diebstahl, Raub und weitere Delikte auf der Straße „sind ein Problem von jungen Männern zwischen 15 und 25 Jahren, die unter schlechten sozialen Bedingungen leben und keine Bildung, keinen Job und keine Perspektiven haben". Die gestiegenen Zahlen seien „schlichtweg darauf zurückzuführen, dass mehr Jugendliche im kriminalitätsgefährdeten Alter in Österreich sind." Umgekehrt haben Arno Pilgram und Christina Schwarzl vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie festgestellt, dass die österreichische Justiz mit Ausländern strenger umgeht als mit Inländern. Es kommt nach Anzeigen seltener zu Diversionsmaßnahmen, Ausländer werden häufiger verurteilt und häufiger in Haft genommen.


Hören wir also auf mit der Diffamierungskampagne gegen Menschen aus anderen Ländern. Sie sind nicht krimineller. Obwohl sie nicht krimineller sind, behandeln wir sie strenger als unsere Landsleute. Freuen wir uns stattdessen, dass es uns zunehmend besser gelingt, Kriminalität zu senken – trotz aller Belastungen, denen unsere Gesellschaft ausgesetzt ist, mit Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und zu uns flüchtenden Menschen. Auch wenn jedes Delikt eines zu viel ist, darf man stolz darauf sein, die Gesamtzahl von Jahr zu Jahr zu senken. Unsere Bemühungen bei NEUSTART tragen sicherlich ein wenig dazu bei; es ist aber insgesamt ein Erfolg aller in diesem Bereich tätiger Menschen.


Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter von NEUSTART Wien 2



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