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Blog und Diskussion

Wohin mit schwierigen Jugendlichen?

Dr. Johannes Bernegger - 25.5.2016 09:01

Ein 14-jähriger Jugendlicher, der seine Mutter erpresst indem er seinen Bruder bedroht, wird von der Polizei aus der Wohnung weggewiesen und es wird ein Betretungsverbot ausgesprochen. Was tun mit dem Jugendlichen? Mit 18-Jährigen in einer Notschafstelle oder in ein Pensionszimmer mit Erwachsenen einquartieren? Tatsache an diesem Sonntag war, dass es keinen Platz in einer Kriseneinrichtung oder einer altersgemäßen Wohngemeinschaft gegeben hat, die ihn aufnehmen hätte können. Die einzige Einrichtung, die immer Platz haben muss und auch alle nehmen muss, ist die Justizanstalt. Also wurde er von einer besorgten Richterin in Untersuchungshaft genommen! Mangels geeigneter Betreuung war Tatbegehungsgefahr anzunehmen.


„Geht's noch?" Das ist der gängige Jargon, nicht nur von Jugendlichen. Wohin geht es, wenn wir keine adäquaten Betreuungsplätze für diejenigen haben, die es am dringendsten brauchen? Die schwierige Aufgabe des Erwachsenwerdens ist, in unsere Gesellschaft hineinzuwachsen, seinen Platz zu finden und die notwendigen Grenzen, die ein konfliktfreies Zusammenleben braucht, kennen und akzeptieren zu lernen. Das führte immer schon und genauso auch heute dazu, dass Grenzen beim Ausloten auch überschritten werden.


Mit vielen Reaktionen auf pubertäres abweichendes Verhalten werden Jugendliche, noch bevor sie in die Gesellschaft hineingewachsen sind, schon aus ihr ausgeschlossen. Der Ausschluss erfolgt bereits durch überforderte Eltern, später durch Schulen und letztlich durch die Polizei und das Gericht. Zumindest letzteres müsste nicht sein, wenn wir durch konstruktive Maßnahmen wie Schulsozialarbeit und Sozialnetz-Konferenzen rechtzeitig an der Stabilisierung des familiären Umfelds arbeiten könnten; wenn es freie beziehungsweise frei gehaltene Krisenplätze für Jugendliche gäbe; und wenn für diejenigen, die für eine gewisse Zeit angehalten werden müssen, entsprechend strukturierte und intensiv betreute kleine Wohngemeinschaften geschaffen werden würden. Eine jugendpsychiatrische Abklärung wäre hier ebenso wichtig, um gegebenenfalls therapeutische Maßnahmen einleiten zu können. Bund und Land, Justiz und Kinder- und Jugendhilfe sind aufgefordert, mit NGOs Lösungen zu finden, damit Untersuchungshaft nicht die einzige Lösung für 14-Jährige ist.


Bei diesem Jugendlichen ist es glimpflich verlaufen. Die Kinder- und Jugendhilfe hat nach intensiver Suche einen Betreuungsplatz gefunden. Die Bewährungshilfe konnte rechtzeitig mit der Betreuung beginnen; die Schule ist sehr unterstützend und die Gerichtsverhandlung wurde bald abgehalten. Der Weg zurück zur Normalität des Erwachsenwerdens kann beginnen.


Dr. Johannes Bernegger ist Leiter von NEUSTART Salzburg



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Zu diesem Beitrag gibt es |3 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Ing. S. Schatteiner schrieb am 13.01.2017 16:55

Ja, es gibt tatsächlich jugendliche, die in ihren Handlungen über die erlaubten Grenzen der Gesellschaft hinausschiessen. Die gibt es auch bei Erwachsenen. Eine Wegweisung mag in manchen besonderen Fällen gerechtfertigt sein, aber im allgemeinen wir damit kein Problem gelöst. Auch die Zuweisung zu einer speziellen "Wohneinrichtung" entspricht doch eher einer Ausgrenzung.
Was also sollte getan werden?
Neben einer entsprechenden sofortigen, aber nicht übertriebenen Maßnahme in konkreten Fällen, muss man sich im klaren werden, dass Kinder und Jugendliche immer das tun, was sie von ihren Vorbildern gesehen haben. Das sind nuneinmal wir Erwachsene. Häuffige Ausreden wie "Ich bin ja auch nur ein Mensch" oder "Ich habe es ihm ja eh gesagt" sind da einfach nicht brauchbar. Es zählt nicht was wir sagen, sondern was wir tun.
Kinder und auch Jugendliche brauchen einen bestimmten Freiraum um experimentieren und üben und aucheinmal einen Fehler machen zu können ohne, dass es sofort zu extremen Konsequenzen kommt.
Dafür ist es erforderlich, dass wir wieder mehr gesamtheitlich denken und handeln und weniger die Kompetenzen auf andere abschieben. Befassen wir uns wieder mehr mit unseren Kindern, Freunden und Nachbarn. Wobei da nicht gemeint ist einfach mal öfter zu feiern, sondern miteinander zu LEBEN.
Die Politik ist dabei aufgefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und - entgegen ihrer bisherigen Handlungsweise der weitgehenden Zergliederung von Gruppierungen zur besseren Regierbarkeit - die bildung unpolitischer, aber lebensfähiger und LEBENDER Gruppen zu fördern um damit die Menschen wider soweit zu bringen, auftretende Probleme selbst und sofort zu behandeln.

O schrieb am 20.06.2016 21:36

Ein 14-jähriger Jugendlicher von der Polizei aus der Wohnung weggewiesen und es wird ein Betretungsverbot. Ist eine dermaßen Frechheit sondergleichen. Jeder der zur solchen mittel wie Wegweisung greift sollte sich Schämen.
Es ist ein Zeichen der Schwäche und Dummheit. Wer bin ich wen ich nicht mal mit einen 14 jährigen jungen umgehen kann? Wie viel Intelligenzquotient brauch ich um zu wissen was aus dem jungen wird? Bitte hört mit dem Betretungsverbot auf. Dieser Missbrauch an Betretungsverbot führt früher oder später zur Massen Amokläufern.
Hat der Mensch nichts dazu gelernt? Ist unser psychologischer Sinn so dermaßen verabscheut das wir zu harten Methoden greifen müssen? Sind wir nicht mehr in der Lage Menschen auf dem normalen weg zu helfen? Wen wir schon soweit sind das wir nicht mal unseres gleichen auf normalen weg helfen können, wäre es doch sinnvoller wir lernen nichts mehr und gehen einfach von dieser Welt und hinterlassen ein Chaos.
Eine Wegweisung ist sicher sehr gut für ganz harte fehle. Dazu wurde das Gesetz auch gemacht. Sehe ich voll und ganz ein. Aber heute wird dieses gesetzt nur mehr missbraucht. Nur um seine Macht zu zeigen was die Amts träger für macht haben oder können.
Was ist mit den Leuten die auch dieses Betretungsverbot haben und ihre macht zeigen. Indem sie ihre opfer töten oder noch schlimmeres viele Unschuldige sterben lassen. Um Gottes willen lernt ihr Politiker und Amt-träger überhaupt nichts?
lg O

rainer schafhuber schrieb am 25.05.2016 12:39

Danke für deinen guten Artikel. Es geht auch anders.
Ein 19jähriger Konventionsflüchtling hat eben vom Fond Sozialen Wien Wohnungslosenhilfe eine Förderungsabsage erhalten. Der Vater will ihn auf keinen Fall mehr in der gemeinsamen Wohnung haben. Begründung vom Fond: Ein 19jähriger der noch nie wohnversorgt werden musste, ist keine Zielgruppe mehr für die Wohnungslosenhilfe. Schamils Familie hat 2013 zusätzlich einen ablehnenden Bescheid bekommen, als die Familie von Graz nach Wien zog. Das ein 19jähriger, der gerade beginnt seinen Hauptschulabschluss nachzumachen, der sich "erstmals" Gedanken über sich, was er getan hat und seine Zukunft macht, spielt für den Fond Soziales Wien Wohnungslosenhilfe auch keine Rolle. Keine Förderungsbewilligung. Der Bearbeiter von der Wohnungslosenhilfe ist selbst ratlos. Er sagt, wir haben mittlerweile sehr viele Jugendliche die wir nicht mehr wohnversorgen. Die Frage bleibt, welche Möglichkeiten geben wir Jugendlichen und jungen Erwachsenen wie Schamil?

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