Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Häftlingszahlen und bedingte Entlassungen in Österreich

Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid - 6.4.2016 07:14

Justizminister Brandstetter hat am 29. März 2016 eine parlamentarische Anfrage beantwortet und Auskunft über Häftlingszahlen und bedingte Entlassungen im Jahr 2015 gegeben. 8.665 Personen waren mit 1.1.2016 inhaftiert (weitgehend unverändert zum Vorjahr). Das Haftentlastungspaket 2008 konnte den seit 15 Jahren zu beobachtenden Aufwärtstrend nur kurz unterbrechen. Die Haftzahlen bewegen sich heute erneut auf Rekordniveau.


Ein maßgeblicher Grund dafür ist die regional stark variierende, aber insgesamt gesehen zurückhaltende Praxis der Gerichte bei bedingten Entlassungen. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 2.777 Personen bedingt entlassen. Im Jahr davor waren es 2.799 bedingte Entlassungen. Auch wenn die Gesamtzahl der Entlassungen erst im – noch nicht veröffentlichten – Sicherheitsbericht 2015 abgebildet wird, scheint sich an der Entlassungspraxis nicht viel geändert zu haben. 2014 verbüßten 46 Prozent der Strafinhaftierten die volle Strafe; 35 Prozent wurden bedingt entlassen. Der übrige Anteil entfiel auf das vorläufige Absehen vom Strafvollzug wegen Einreise- oder Aufenthaltsverbots beziehungsweise auf andere Erledigungen.


Der gesamt gesehen hohe Anteil an „Vollverbüßern“ ist kriminalpolitisch unbefriedigend. Es gibt keinen empirischen Beleg für die Annahme, dass die „Vollverbüßung“ für sich gesehen eine überlegene spezial- oder generalpräventive Wirkung entfalten würde. Niedrigere Wiederverurteilungsquoten oder gar niedrigere Kriminalitätsbelastungen in den „strengen“ Gerichtssprengeln waren und sind nicht beobachtbar. Problematisch ist vielmehr: Es handelt sich bei den „Vollverbüßern“ gerade um jenen Personenkreis, der (oft auch durch mehrmalige Hafterfahrung) besondere Schwierigkeiten hat, sich zu integrieren. Mangels bedingt nachgesehenem Strafrest steht genau bei dieser risikobehafteten Gruppe die Anordnung von Bewährungshilfe oder Weisungen nicht zur Verfügung.


Ein weiterer Aspekt: Österreich gehört zu den europäischen Staaten mit dem höchsten Anteil an ausländischen Inhaftierten. Diese werden nach wie vor ohne weitere Maßnahmen mit Ende der Strafe entlassen. Das ist teuer und ineffektiv. Es ist im Interesse einer forcierten Anwendung bedingter Entlassungen unumgänglich, die bestehenden unionsrechtlichen Normen über die „Überwachung justizieller Entscheidungen in Strafsachen im Rahmen der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten der EU“ mit Leben zu erfüllen. Bislang sind dahingehende länderübergreifende Kooperationen zwischen Strafgerichten noch exotische Ausnahmen.


Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid ist Leiter von NEUSTART Oberösterreich



Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |noch keinen Kommentar|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Kein Eintrag vorhanden. Schreiben Sie den ersten.

powered by webEdition CMS