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Blog und Diskussion

Gefängnislose Gesellschaft als ewige Vision

Alfred Gschwendner - 30.3.2016 08:17

Der Name Christian Broda ist mit großen und bleibenden Reformen im Rechtswesen verbunden. Die Vision einer gefängnislosen Gesellschaft mit dem Ziel einer gerechten und humanen Gesellschaft war Teil seiner Grundhaltung. Zu helfen statt zu strafen war einer seiner zentralen Grundsätze. Brodas Reformen im Strafrecht haben die Freiheitsstrafen zurückgedrängt, denn Christian Broda sah die Strafe nur als Notlösung und Ultimo Ratio. Vor der Strafrechtsreform 1975 gab es noch ein Strafgesetzbuch mit sehr hohen Strafandrohungen. Die Einführung von Geldstrafen und der Ausbau der bedingten Entlassung unterstützten das Zurückdrängen der Freiheitsstrafen.


Der Grundsatz, dass Vorbeugung und Wiedergutmachung nützlicher und wirksamer sind als bloße Strafe, ist für NEUSTART seit der Einführung der Bewährungshilfe ein maßgeblicher Leitgedanke. NEUSTART hat sich in der Arbeit mit Straffälligen für diesen anspruchsvollen Weg entschieden, weil dieser Weg Opfer in ihren Ansprüchen ernst nimmt und Täter in der Bearbeitung der Straftaten fordert und in die Verantwortung nimmt.


Haft bedeutet für Menschen nicht nur die Einschränkung von persönlicher Freiheit, sondern auch das Fehlen der Verpflichtung, Verantwortung sich und anderen gegenüber wahrzunehmen. Menschen, die Entwicklungspotenzial haben, sollen nicht zu Anpassung, sondern zu einem Leben in Freiheit begleitet werden, damit sie dann selbstbestimmt und selbstbewusst leben. Daher sind Alternativen zum Strafvollzug so wichtig, bei denen Lernen in Richtung Autonomie und Verantwortung möglich ist.


Gemeinnützige Leistungen statt der Verbüßung einer kurzen Haftstrafe wären ein gutes Beispiel dazu. Eine Wiedergutmachungsleistung an der Gesellschaft durch sinnvolle Arbeit fördert die Integration und zeigt auch nach außen die Übernahme der Verantwortung für das abweichende Verhalten. Der Ausbau des elektronisch überwachten Hausarrests als alternative Vollzugsform für Haftstrafen ist eine weitere Maßnahme, die Menschen motiviert, mit Unterstützung das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Gesicherte Arbeit und Wohnen und eine klar vorgegebene Tagesstruktur ermöglichen, intensiv an den Ursachen der Straffälligkeit zu arbeiten.


Die Haft als Notlösung bleibt bestehen für Menschen, die für die Gesellschaft ein hohes Gefährdungspotenzial darstellen. Dafür sollten dem Vollzug genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Wir können aber weiter daran arbeiten, uns der Vision der gefängnislosen Gesellschaft anzunähern, ohne das Sicherheitsbedürfnis der Menschen und vor allem der Opfer von Straftaten aus den Augen zu verlieren.


Alfred Gschwendner ist Leiter von NEUSTART Kärnten



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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

O schrieb am 20.06.2016 23:30

Wen die Politiker diese Menschen einsperren würden die, die Kinder vernachlässigt misshandelt sexuel missbraucht haben. Würden noch 20 Gefängnisse mehr gebraucht werden. Aber solche Menschen haben für den Vater Staat gearbeitet somit ist es legitim. Und das sind unsere vorbilder. ( meine sicher nicht). Lest meine Beiträge auf wir Heimkinder Benutzer Yellowhello und Yellohello http://www.wir-heimkinder.at/index.php?page=Thread&threadID=7311
Lg O

hannahhaindl@hotmail.com schrieb am 31.03.2016 16:46

"Haft bedeutet für Menschen nicht nur die Einschränkung von persönlicher Freiheit, sondern auch das Fehlen der Verpflichtung, Verantwortung sich und anderen gegenüber wahrzunehmen". (zit)
- Auch die Haftsituation erfordert die Verpflichtung, Verantwortung für sich und anderen gegenüber wahrzunehmen. Der Strafvollzug beschränkt die Freiheit, nicht das Handeln.