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Blog und Diskussion

Asyl und Kriminalität

Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid - 16.12.2015 06:42

Kürzlich beantwortete die Innenministerin eine parlamentarische Anfrage des Team Stronach über die Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf die Kriminalitätsentwicklung. Dies anhand einer Aufstellung der angezeigten strafbaren Handlungen gegen Asylwerbende in den Zeiträumen Jänner bis August 2015 (9.513 Straftaten) sowie Jänner bis Dezember 2014 (8.484 Straftaten). Die Anfragesteller schlossen aus diesen Zahlen, dass mit den Kriegsflüchtlingen auch viele Kriminelle ins Land kämen und die Bundesregierung der Bevölkerung ein falsches Sicherheitsgefühl vorgaukle. Ein Teil der Medienlandschaft pflichtete dem bei, andere berichteten nicht.


Dass der Anteil der Anzeigen gegen Asylwerbende zunimmt, bedarf angesichts der drastisch steigenden Anzahl an Asylanträgen keiner besonderen Erklärung. Bereits in den herangezogenen ersten acht Monaten des Jahres 2015 wurden mit 46.133 Anträgen bedeutend mehr Asylanträge als im gesamten Jahr 2014 (28.027) gestellt, was naturgemäß auch die Anzahl der Menschen mit offenem Verfahren steigert. Die Anfragebeantwortung bildet im Gesamten (nur) die Zahl der Anzeigen ab, bei den Deliktsgruppen dann (nur) die Anzahl Tatverdächtiger. Beide Zahlen lassen keinen zuverlässigen Rückschluss auf die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung zu. Eine Anzeige ist nicht mit einer begangenen Straftat gleichzusetzen. Viele angezeigte Sachverhalte erweisen sich als nicht strafbar. Viele verbotene Vorgänge werden nie angezeigt. Einzelne Tatverdächtige können auch mehrmals erfasst sein. Mangels vorhandener umfassender Dunkelfeldforschung in Österreich ist eine Orientierung an diesen Zahlen jedoch genauso unbefriedigend wie unumgänglich.


Herauslesen lässt sich: Im Deliktsverhalten scheinen sich die straffälligen Asylwerbenden wenig von den übrigen Straftätern in Österreich zu unterscheiden. Das Gros der Delikte bezieht sich auf Delikte gegen fremdes Vermögen, gefolgt von Delikten gegen Leib und Leben. Auffällig ist eine anteilsmäßig überproportionale Häufung von Urkundendelikten, was wohl gefälschten Einreisepapieren geschuldet ist. Oftmals wird Asylwerbenden eine besondere Häufung von Sexualdelikten unterstellt: 2014 wurden 120 tatverdächtige Asylwerbende wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung angezeigt; dem stehen jährlich gesamt 3.511 Tatverdächtige in Österreich (2014) gegenüber. Im Jahr 2014 gingen gesamt 1,8 Prozent der Anzeigen auf das Konto von Asylwerbenden; insgesamt gingen die Anzeigen in Österreich 2014 gegenüber 2013 um 3,4 Prozent zurück.


Es deutet wenig darauf hin, dass die Asylwerbenden Österreich derzeit tatsächlich zu einem unsicheren Ort machen. Panikmache ist genauso fehl am Platz wie die Negierung drohender Probleme. Denn in einem sind die (oft jungen) Asylwerbenden ähnlich wie wir Österreicher: Mangelnde Teilhabechancen und mangelnde Anerkennung befördern nicht die Identifikation mit den Werten unserer Rechtsgemeinschaft. Langeweile und Perspektivlosigkeit sind ein Sicherheitsrisiko. Schnellere Asylverfahren und ein Zugang zu legaler Beschäftigung wären daher auch kriminalpolitisch dringend notwendige Schritte.


Mag. (FH) Mag. Lukas Schmid ist Leiter von NEUSTART Oberösterreich



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