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Blog und Diskussion

Radikalismus

Susanne J. Pekler - 21.10.2015 07:34

Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung achtet sensibel auf Gefahren innerhalb der österreichischen Gesellschaft. Etwa auf gewaltbereiten Rechtsextremismus oder radikalislamische Agitation. Bei der Tagung der österreichischen Jugendrichterinnen und -richter in Gamlitz letzte Woche wurde im Zusammenhang der aktuellen Verurteilungen von Jugendlichen, die nach Syrien ausreisen wollten oder ausgereist sind, diskutiert. Thematisiert wurde aber auch die Radikalisierung der rechten Szene im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Insbesondere vor den letzten Landtagswahlen in der Steiermark, in Oberösterreich und in Wien. Was hier an menschenverachtenden Hassparolen und unverhohlenen Aufrufen zur Gewalt in den Online-Foren zu lesen war macht wirklich Angst. Umso mehr, als nicht selten mit vollem Namen gepostet wurde.


Fremdenhass ist wieder gesellschaftsfähig geworden. Erst jüngst wurden Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund begangen: So wurde in Bad Fischau-Brunn einem Mann von vier Tatverdächtigen ein Hakenkreuz in die Stirn geritzt um ihn zu nötigen, mit seiner Familie aus dem Nachbarhaus auszuziehen. Und die Sozialdezernentin und Bewerberin ums Amt der Oberbürgermeisterin in Köln, Henriette Reker, wurde von einem Attentäter mit fremdenfeindlichem Hintergrund mit einem Messer schwer verletzt.


Es ist auch erschreckend, mit welcher Massivität und mit welchen modern gestalteten Videobotschaften im Internet („Pop-Dschihadismus“) junge Männer und auch junge Mädchen dazu gebracht werden, ihr als unglücklich erlebtes Leben in Europa aufzugeben und nach Syrien zu gehen, um in den Dschihad zu ziehen und in diesem Kampf zu sterben. Für unsere Arbeit in der Bewährungshilfe ist spannend, dass zwei nur auf den ersten Blick unterschiedliche Gruppen, nämlich radikalisierte Dschihadisten und gewaltbereite Rechtsextreme im selben Becken nach ihren Anhängern fischen: nach Menschen mit geringer Bildung, geringen beruflichen Perspektiven, wenig sozialer Eingebundenheit, mangelndem Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeitsgefühlen.


Häufig ist der Einstieg in die radikale Szene gepflastert mit zuerst kleinen, dann immer schwerer werdenden Straftaten. Die klassische Bewährungshilfe-Arbeit, mit jeder Klientin und jedem Klienten maßgeschneiderte Reintegrationspläne zu entwickeln, deren Umsetzung zu begleiten und zu fördern sowie soziale und gesellschaftliche Normen und Werte zu verdeutlichen ist also aktueller und notwendiger denn je. Immer weniger kann uns das alleine gelingen. Es braucht die aktive Mitarbeit der gesamten aufgeklärten Zivilgesellschaft: Inklusionsangebote für Menschen mit Migrationshintergrund und ein Bekenntnis zur gewünschten Diversität unserer Gesellschaft. Und ebenso klares Zurückweisen von Hass, Gewalt und Ausgrenzung von Menschen aus Gründen der Herkunft, der Religion, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung. Geben wir radikalen, Gewalt verherrlichenden Ideologien bei uns keinen Platz, keine Stimme und kein Gehör – egal, von welcher Seite sie kommen!


Susanne J. Pekler ist Leiterin von NEUSTART Steiermark



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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

barbara stehle schrieb am 26.10.2015 10:49

radikalismus war und ist teil unserer gesellschaft, er hat bereits platz, stimme und gehör -(ignoranz ist die schlimmste form der kommunikation!)
ich sehe mich oft mit aussagen konfrontiert, die mir gar nicht gefallen - ich sehe es als meinen beitrag zur veränderung der gesellschaft, platz zu geben, hinzuhören und darüber zu reden, um eine veränderung anzubahnen.

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