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Blog und Diskussion

Nach der Haft ins Arbeitsleben finden

Mag. Klaus Priechenfried - 24.9.2015 07:14

Viele Inhaftierte waren vor der Haft schon arbeitslos. Aber auch manche, die schon Arbeit hatten, tun sich schwer, den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Die erste Zeit nach der Haft ist für Entlassene generell schwierig. Man muss sich in einer veränderten Welt orientieren; so manche Beziehungen haben die Abwesenheit durch die Haft nicht überlebt; viele Enttäuschungen sind zu verkraften. In dieser Zeit wäre es besonders wichtig, einen stabilen Tagesablauf, also einen Job zu haben, der nicht nur ein Einkommen, sondern auch soziale Beziehungen und Selbstwertgefühl bringt.


Deswegen betreibt NEUSTART an den Standorten Linz und Wien ein Arbeitstraining, das schon in der Haft bei Ausgängen besucht werden kann. Nach der Entlassung bietet dieses Arbeitstraining oft den einzigen bereits vertrauten Fixpunkt für Personen, die wieder Fuß fassen wollen. Helmut F. beschreibt seine Erfahrung im Arbeitstraining so: „Für mich war das meine eigene, persönliche, private und vor allem kostenfreie Therapie, um von der Spielsucht loszukommen. Ich hatte Aufgaben, wurde von Vorgesetzten und Kollegen wertgeschätzt, konnte mit meinen Händen etwas Kreatives entstehen lassen. Und vor allem: Man hat mir vertraut. Diese positive Entwicklung im beruflichen Leben schwappt nun nach und nach auch ins Privatleben über. Denn der Kontakt zu meinen Kindern, wo seit über drei Jahren Funkstille geherrscht hatte – ich war in dieser Zeit leider eben kein Vorzeigevater – wird langsam besser. Ein ganz wichtiger Schritt, damit meine Seele wieder heilen kann und die Spielsucht für immer der Vergangenheit angehört.“


Der Arbeitsmarkt hat derzeit wenig zu bieten, besonders, wenn man Vorstrafen hat. Das Arbeitsmarktservice konzentriert sich auf die Zielgruppe der über 50-Jährigen, weswegen den meisten Haftentlassenen auch keine spezielle Hilfe von dieser Seite zugute kommt. Arbeitstraining unterstützt nach der Haft und bietet gleichzeitig auch eine Möglichkeit, die Fähigkeiten eines Entlassenen besser einzuschätzen und damit Empfehlungen zu geben, wo eine weitere Orientierung im Arbeitsleben möglich ist.


Unser Arbeitstraining bietet Fahrradservice und Reparaturen, arbeitet in den Wiener Gartenanlagen im Auftrag des Magistrats Wien, macht Räumungen und kleine Ausbesserungsarbeiten im Auftrag der Diakonie und vieler anderer Kunden. Seit einiger Zeit gibt es ein innovatives Projekt zweier junger Unternehmerinnen, die alte Snowboards recyclen und zu trendigen „Ruffboards“ umbauen. Das erfolgreiche Unternehmen beauftragt unser Arbeitstraining mit einem Teil der Tätigkeiten.


Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter von NEUSTART Wien 2



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Zu diesem Beitrag gibt es |3 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

U.H. schrieb am 18.11.2015 06:45

Ich bin schon 9 Jahre arbeitslos mit einer Unterbrechung von 1 Jahr befristeten und geförderter Arbeit. Welche Firma nimmt einen Vorbestraften mit Psychischen Problemen und so einem Lebenslauf auf.

Melanie schrieb am 27.10.2015 13:13

ich bin eine der beiden von Ruffboards, die Herr Priechenfried in seinem Beitrag erwähnt hat.
Ich wollte an dieser Stelle nochmals betonen, dass die Arbeiten der Werkstätten von Neustart ungemein wichtig sind und aus unerer Sicht die Möglichkeit bekommen sollten mehr Menschen ein Arbeitstraining anbieten zu können.
Wer hier Ausgaben streicht, verursacht Kosten für uns uns Alle die um ein vielfaches höher sind!
melanie ruff

O schrieb am 15.10.2015 10:25

Geschützte Werkstätten für vorbestrafte wäre eine bessere alternative.
Natürlich so das er sich hocharbeiten könnte und nicht befristet auf ein Jahr, oder auch die Möglichkeit sich selbständig machen zu dürfen.
mfg

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