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Blog und Diskussion

Sozialarbeit und radikalisierte junge Menschen

Mag. Bernhard Glaeser - 9.9.2015 07:25

Für Sozialarbeit ansprechbar sind radikalisierungsgefährdete oder radikalisierte junge Menschen, die in der Radikalisierung Zugehörigkeit, Identität und Schutz suchen. Extremistische Ideologien können ein Gefühl der Stärke, der Zugehörigkeit und des Verstandenwerdens vermitteln (im Gegensatz zu Gefühlen der Ohnmacht und sozialen Isolation). Ängste vor Unterlegenheit werden durch Überlegenheitsfantasien ersetzt. Empfänglich für solche Botschaften sind deshalb junge Menschen mit tendenziell geringer Bildung und geringen Perspektiven, die unzufrieden und mit persönlichen Konflikten konfrontiert sind, sich oft gedemütigt, abgelehnt und dadurch frustriert fühlen.


Für (junge) Menschen mit dem Gefühl „Eigentlich interessiert sich keiner für mich“ wirkt das Versprechen von Anerkennung und Aufgehobensein in einer Gemeinschaft mit absoluter Wahrheit und Mission sehr anziehend. Religiös erklärte Normen, wie gelebt werden soll, was das wahre Leben ist und was falscher Glaube ist, werden einfach und verständlich vermittelt. Das Einzige was der Mensch im Leben tun muss ist, an Gott und sein Buch zu glauben. Suren werden aus dem Zusammenhang zitiert und zu einfachen Schwarz-Weiß-Bildern zusammengefügt. Es ist klar, was gut und was böse ist. Für ein „falsches“ Leben droht die Hölle (Angstpädagogik). In Wirklichkeit sind junge radikalisierte Kämpfer nicht viel mehr als Kanonenfutter – die Drahtzieher wirken im Hintergrund und sind international vernetzt. Ideologische, von politischen Themen motivierte Führungskader, Aktivistinnen und Aktivisten sind mit den Mitteln der Sozialarbeit nicht erreichbar.


Erstes Ziel der Sozialarbeit bei NEUSTART ist es, die Gewaltbereitschaft der Klientinnen und Klienten zu beenden und sie von ihren extremen Ideologien abzubringen. Besonderen Stellenwert bei radikalisierten Klientinnen und Klienten hat die Arbeit an persönlichen Ressourcen: Wie kann es gelingen, sich auf anderem Weg als über radikale Ideologien als stark und wirksam zu erleben, wie kann es gelingen, sich zugehörig zu fühlen und nicht als Außenseiterin oder Außenseiter? Ganz wichtig in diesem Prozess ist es, mit den Klientinnen und Klienten alternative persönliche Ziele und Selbstbilder zu erarbeiten. Dabei können enttäuschende bis traumatisierende Erfahrungen auch konstruktiv im Sinne eines Umdenkens genutzt werden.


NEUSTART sucht aktiv die Einbindung in Expertennetzwerke. In der Zusammenarbeit mit Koranexperten kann es zum Beispiel gelingen, dem engen Islamverständnis radikalisierter Menschen Gegennarrative entgegenzusetzen: Es ist gut möglich, mit dem Islam zu leben, ohne gewaltbereit sein zu müssen. Ganz besondere Bedeutung hat die kritische Betrachtung des sozialen Umfelds: Unterstützende Strukturen in der Familie und ein nicht gewaltbereiter Freundeskreis können großen stabilisierenden Einfluss ausüben. Ziel ist es, mit den Menschen ein Leben zu entwerfen, in dem sie sich nicht mehr fremd fühlen und Perspektiven ohne Gewalt für ihr künftiges Leben entwickeln.


Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit bei NEUSTART



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