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Blog und Diskussion

Wieder mehr Jugendliche in Haft

Mag. Klaus Priechenfried - 2.9.2015 06:32

Schlägt das Pendel zurück? Im Frühjahr 2013 sorgte die Vergewaltigung eines 14-jährigen Burschen in der Justizanstalt Wien-Josefstadt für eine Welle der Empörung. Damals wurde gefordert, das die Justiz Alternativen entwickelt, damit so etwas nicht wieder passieren kann. Eine Taskforce wurde installiert. Diese sondierte und erprobte Alternativen. NEUSTART leistete mit der neuen Methode der Sozialnetz-Konferenz in Kombination mit einer intensiven, hochfrequent betreuenden Bewährungshilfe einen Beitrag. Die Mehrheit der Jugendlichen, bei denen der Richterin oder dem Richter diese Methode vorgeschlagen wurde, konnte innerhalb kurzer Zeit wieder enthaftet werden. Die Betreuungs- und Überwachungspläne erschienen der entscheidenden Richterschaft ausreichend und sie sah von der Verlängerung der Untersuchungshaft ab. 85 Prozent dieser Jugendlichen konnten bis zum Ende der Untersuchungshaft in den Betreuungsnetzen bleiben. Sie verübten kein neues Delikt (die Tatbegehungsgefahr ist ja der häufigste Grund für die Verhängung der Untersuchungshaft bei Jugendlichen).


Mit diesen Maßnahmen und vor allem durch die gestiegene Sensibilität der Öffentlichkeit und der Richterschaft wurde die Inhaftierungsziffer von 69 Jugendlichen in Untersuchungshaft (April 2013) auf 34 (1. Jänner 2015) gesenkt. Ein sensationeller Erfolg! Nun aber ist die Zahl der Jugendlichen in Untersuchungshaft wieder gestiegen (zwischen 60 und 70 sollen es derzeit sein). Diese Entwicklung zeigt sich auch bei jenen Jugendlichen, die in Strafhaft sind. Vom April 2013 zum 1. Jänner 2015 sank die Zahl von 140 inhaftierten Jugendlichen auf 99. Nun meldet Die Presse am 28. August 2015, es seien wieder 123 Jugendliche in Haft.


Was ist hier los? Schlägt das Pendel mangels medialer Aufmerksamkeit wieder zurück auf das alte Niveau? War es nur ein kurzes Zwischenhoch aufgrund des Eindrucks der Vergewaltigung und ist alles wieder in Vergessenheit geraten? Oder ist der erneute Anstieg nur vorübergehend, obwohl die Beteiligten alle wissen, dass das Gefängnis für Jugendliche ein sehr schlechter Platz ist, auch wenn sie sich etwas zuschulden kommen ließen? Was ein Jugendlicher in Haft erlebt unterstützt leider nicht die Bildung einer reifen, zivilisierten Persönlichkeit. Im Gegenteil – die Ausbildung von gewaltfreien Tendenzen wird in Haft eher behindert. Alternativen zur Haft sind also nach wie vor gefragt. Hoffen wir, dass der Anstieg jugendlicher Haftzahlen nur eine zufällige Schwankung darstellt und bald neue Tiefstände an Jugendhaft bevorstehen.


Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter von NEUSTART Wien 2



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