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Blog und Diskussion

Jugend ohne Haft: keine Utopie

Dr. Christoph Koss - 19.8.2015 08:48

In Österreich befanden sich in den letzten Monaten zumeist zwischen 80 und 120 Jugendliche täglich in Straf- oder Untersuchungshaft. Das ist weniger als vor drei Jahren als es rund 120 bis 145 waren. Der Anteil der inhaftierten Jugendlichen an allen inhaftierten Personen in Österreich liegt bei 1,2 Prozent. Das klingt wenig, ist aber im internationalen Vergleich hoch. Vor drei Jahren waren wir mit 1,6 Prozent überhaupt unter den Top drei jener Länder in Europa mit den meisten Inhaftierungen. Mittlerweile sind wir „nur“ noch ein Drittel über dem europäischen Durchschnitt, der bei 0,9 Prozent liegt. Länder wie Italien, Spanien, die Niederlande, Schweden, Norwegen oder Dänemark nehmen Jugendliche in der Praxis nur in Einzelfällen oder gar nicht mehr in Haft.


Jugendliche – insbesondere männliche Jugendliche – haben das bei weitem größte Risiko, straffällig zu werden. Dieses Faktum gehört zu den wenigen globalen Konstanten der Menschheit: Die Tendenz zum Austesten und Überschreiten der gesetzten Normen ist in allen Kulturen, unabhängig vom religiösen oder ethnischen Hintergrund, bei dieser Gruppe deutlich ausgeprägt. Alle Gesellschaften werden von dieser Gruppe herausgefordert, die richtigen Antworten auf diese Normbrüche zu finden. Die richtige Antwort der Gesellschaft kann nur darin bestehen, einerseits die Normen zu festigen und andererseits den Jugendlichen beim Erwachsenwerden die Chance zu geben, dieses Verhalten wieder abzulegen.


Wir wissen heute – und das ist die gute Nachricht für Eltern und für die Gesellschaft –, dass mehr als 90 Prozent der Jugendlichen ihr straffälliges Verhalten nach wenigen Jahren wieder beenden. Selbst nach den schlimmsten Lebensumständen in der Kindheit, die leider der größte Risikofaktor sind, schaffen es Jugendliche mit guter Unterstützung, Begleitung und Kontrolle, sich ein Leben ohne Straftaten aufzubauen.


Maßnahmen wie Bewährungshilfe, Tatausgleich, gemeinnützige Leistungen, Anti-Gewalt-Training, Sozialnetz-Konferenzen, Therapieangebote, sozialpädagogisch geführte Wohnformen und vieles mehr sind solche Angebote. Sie sind nicht nur für Jugendliche, sondern auch für die jungen Erwachsenen wichtig, weil das Jugendalter nach dem heutigen Forschungsstand eher bei 21 bis 24 Jahren als bei 18 Jahren endet und eigentlich von Entwicklungsphasen als von einem bestimmten Datum auszugehen ist.


Neben Änderungen im Jugendgerichtsgesetz ist so wie in anderen Ländern eine Haltung notwendig, Jugendliche nicht in Haft zu nehmen. Vielmehr ist zu fragen, was diesen Jugendlichen als Kindern widerfahren ist und was sie brauchen, um aus einem Teufelskreis auszusteigen, der aus Opfern Täter macht. Ein Wunsch dabei ist, dass Kompetenzkonflikte zwischen Bund und Ländern für die Unterstützung dieser Gruppe in der Zukunft kein Thema mehr sind.


Dr. Christoph Koss ist Geschäftsführer von NEUSTART



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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

yvonne Czermak schrieb am 19.08.2015 14:27

Ich befürchte, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil der in Untersuchungshaft befindlichen Jugendlichen Flüchtlinge aus Traiskirchen darstellen, die aufgrund von "Fluchtgefahr" auch wegen geringfügiger Vergehen inhaftiert werden. Die unbegleiteten jungen Männer bleiben ohne Betreuung, Beschäftigung oder überhaupt eine Perspektive, sodass es wenig erstaunlich erscheint, wenn sie auf legale Abwege geraten. Eine menschenwürdige Aufnahme und effizienteVersorgung von (jugendlichen) Flüchtlingen würde in diesen Fällen wohl eine sehr lohnende Präventionsmaßnahmen darstellen.