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Tipps für heikle Situationen

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Blog und Diskussion

Das Delikt bearbeiten

Winfried Ender - 12.8.2015 09:15

In der Bewährungshilfe war und ist oberstes Ziel, Rückfälle und somit weitere Opfer zu vermeiden. Die verhinderte Straftat ist der beste Opferschutz. Der sehr klare Auftrag des Gesetzgebers formuliert unmissverständlich die Existenzberechtigung von NEUSTART. So heißt es im Bewährungshilfegesetz sinngemäß: „Die Aufgabe des Bewährungshelfers ist es, seinen Probanden von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten“. In diesem Sinn ist rückfallpräventive Täterarbeit von großer Bedeutung.


Nach der Existenzsicherung und dem Schaffen erster Perspektiven folgt in der Betreuung durch die Bewährungshilfe die Deliktbearbeitung. Lernen, das getane Unrecht zu verstehen. Den Täter mit dem Leid des Opfers zu konfrontieren und damit die Opferperspektive herzustellen. Was sind die Tatfolgen, wer ist betroffen und wie? Welches Leid entsteht für das Opfer und seine Umgebung? Was heißt das konkret für die Schadenswiedergutmachung?


Das ist der herausfordernde Teil und Kern unserer Arbeit. Wer gesteht schon sich selbst offen ein, jemandem Leid zugefügt zu haben? Scham und Schuld aktivieren eine der stärksten menschlichen Kräfte: die Verdrängung in Form von Neutralisierungstechniken. „Sie hat mich provoziert“, „Es war der Alkohol, ich konnte nicht anders.“ „Ich bin halt nur ein Außenseiter, hatte nie eine Chance…“.


Mit der der strukturierten Methode der Deliktbearbeitung nach Klaus Mayer, Zürich, versuchen wir das zu durchbrechen, den eigenen Anteil herauszuarbeiten und im Idealfall eine Abwägung beim Täter zu bewegen: „Was war der Nutzen meiner Tat? Lohnt sich das? Steht mein kurzfristiger Nutzen im Verhältnis zu den Tatfolgen für das Opfer und für mich? Welche Handlungsalternativen zur Gewaltanwendung habe ich?“


Durch diese intensive Auseinandersetzung mit dem Delikt über einen längeren Zeitraum wird die Tat gründlich reflektiert, Empathie mit dem Opfer wird gefördert und neue Handlungsalternativen werden erarbeitet. Vertieft geschulte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Einrichtungen unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen bei dieser Herausforderung.


Winfried Ender ist Leiter von NEUSTART Vorarlberg



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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

O schrieb am 16.08.2015 18:38

Jedermann kann für die Leiden eines Menschen Mitgefühle aufbringen. Es bedarf aber eines wirklich edlen Charakters, um sich über die Erfolge eines Menschen zu freuen.
Mfg O

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