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Blog und Diskussion

Junge Erwachsene und das Strafrecht

Mag. Georg Mikusch - 17.12.2014 09:26

Seit dem 1. Juli 2001 kennt das Strafrecht junge Erwachsene; davor gab es nur Jugendliche und Erwachsene. Diese Einführung einer neuen Altersgruppe in das Strafrecht war jedoch nicht als Akt der Umsetzung entwicklungspädagogischer Erkenntnisse geplant, sondern als Abfederung einer einschneidenden Verschärfung des Jugendgerichtsgesetzes: Jugendlicher ist seither nicht mehr jener, der das 19. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, sondern nur mehr jener, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. In den Erläuterungen des damaligen Gesetzesentwurfs wurde ein damit verbundener Anstieg von Freiheitsentzug in der Altersgruppe der 18-Jährigen mit zu erwartenden 9.000 Hafttagen jährlich angegeben. Diese Perspektive schreckte den Gesetzgeber des Jahres 2001 keineswegs ab. Der heutige Gesetzgeber erscheint sensibler, weshalb ich Hoffnungen auf einen Ausbau von Sonderbestimmungen für junge Erwachsene für realistisch halte. Aber warum halte ich solche Sonderbestimmungen für erforderlich?


Die Entwicklungsphase der Adoleszenz ist eine krisenhafte, von Grenzüberschreitungen geprägte Lebensphase der Identitätsentwicklung. Gerade im Bereich der Normüberschreitungen – auch in Bezug auf strafrechtliche Normen – gibt es in dieser Altersgruppe massive Häufungen. Insbesondere die Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen weist eine besonders hohe Kriminalitätsbelastung auf, die jedoch in den unmittelbar darauf folgenden Altersgruppen (entwicklungsbedingt) deutlich sinkt. Dieses Phänomen ist seit langem beforscht und hängt mit zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zusammen: nämlich der Entwicklung persönlicher Autonomie sowie sozialer Integration. Normen zu übertreten um Grenzen auszuloten ist ein oft notwendiges Begleitphänomen im Prozess der Entwicklung einer individuellen und sozialen Identität.


Ein Haftvollzug in der Entwicklungsphase der Adoleszenz ist aufgrund der stattfindenden Identitätsbildung besonders problematisch, da sich Identität immer nur in Beziehungen entwickeln kann – was dann in der Subkultur des Gefängnisses stattfindet. Aus diesen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen folgt, dass die staatlichen Reaktionen auf strafbares Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit deutlich geringerer Eingriffsintensität zu wählen sind als bei Erwachsenen, die die Entwicklungsphase der Adoleszenz bereits abgeschlossen haben.


Mag. Georg Mikusch ist Leiter des Zentralbereichs Recht von NEUSTART



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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Michael Josef Seiss schrieb am 18.12.2014 09:31

Klare Positionierung, logisch argumentiert. Quellenverzeichnisse der Aussagen würden diese zusätzlich untermauern.