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Blog und Diskussion

Was tun bei Extremismus?

Jürgen Kaiser MBA - 26.11.2014 08:28

Schlagzeilen über religiösen Extremismus gehören mittlerweile fast schon zum Alltag. Der Terrorismusexperte Guido Steinberg aus Berlin nannte in einem ZIB 2-Interview vom 13.11.2014 zwei Hauptmotive für die Anfälligkeit junger Menschen für diese Art von Fanatismus. Das erste Hauptmotiv ist ein tief empfundener religiöser Wunsch, bedrängten Islamisten zu Hilfe kommen zu wollen; und das zweite Motiv ist, in einem islamischen Staat leben zu wollen.


Mich beschäftigt dabei seit längerem, welche Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte diesen Motiven zugrunde liegen. Gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen religiösem Extremismus und politischem Extremismus? Ich vermute, die Antwort ist nein. Es geht in vielen Fällen um den Wunsch nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen und gesellschaftliche Phänomene. Grundlage ist oft ein Schwarz-Weiß-Denken, ein Gut-Böse-Denken, ein Entweder-oder-Denken. Und es geht meiner Meinung nach um ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Anerkennung, der Geborgenheit und des einander Verstehens. Etwas Gemeinsames haben die verschiedenen Formen des Extremismus auch, was die Anfälligkeit der Menschen betrifft. Es handelt sich dabei oft um benachteiligte Menschen. Sei es aufgrund mangelnder Förderung und Bildung, aufgrund von Armut, Migration und in der Folge fehlender Integrations- beziehungsweise Inklusionsmöglichkeiten oder einer Mischung aus all dem.


Aber gibt es auch eine allgemein gültige Lösung dafür? Die enttäuschende Antwort ist leider wieder nein. Es gibt keine einfachen Lösungen für komplexe Fragen und Problemstellungen. Etwas Gemeinsames in den möglichen Lösungen kann ich jedoch anbieten: Wir müssen Menschen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen, ihren Ängsten und Sorgen ernst nehmen. Das klingt nach politischen Schlagworten – so ist es allerdings nicht gemeint. In der Sozialarbeit gibt es das Grundprinzip, die Menschen dort abzuholen, wo sie sich befinden; um sie zu einer Veränderung zu motivieren und auf einem Weg zu begleiten, der ihnen eine positive Richtung weisen könnte. Sei es, was berufliche Perspektiven, Existenzsicherung, persönliche Entwicklung betrifft oder schlicht und ergreifend, damit sie sich ernst genommen fühlen.


Jürgen Kaiser MBA ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit bei NEUSTART



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