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Blog und Diskussion

Vom Seitenwechsel zum Perspektivenwechsel

Dr. Kristin Henning - 23.7.2014 11:11

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien führte uns allabendlich vor Augen: 45 Minuten (mit der Unterstützung der Fankurve im Rücken) verteidigte eine Mannschaft ihr Revier, versuchte den Ball zu erobern, den Gegner zu überlaufen und ein Tor zu erzielen. Nach einer kurzen Halbzeitpause war auf einmal alles spiegelverkehrt.


Das vormals eigene Feld wurde zum gegnerischen, das vormals Fremde zum Eigenen. Auf einmal waren nicht mehr die eigenen Fans im Rücken, sondern jene der gegnerischen Mannschaft. So ein Seitenwechsel erfordert zwangsläufig einen Perspektivenwechsel. Genau um diesen Perspektivenwechsel geht es auch im Tatausgleich, der Konfliktregelung zwischen Täter und Opfer.


Typischerweise betrachten wir alle unser Tun und Lassen aus unserer eigenen Perspektive. Der Tatausgleich erfordert, dass der Täter sich auch mit der Perspektive des Opfers auseinandersetzt. Teilweise kann es sogar hilfreich sein, dass nicht nur sprichwörtlich die Positionen getauscht werden, sondern tatsächlich auch mal die Stühle gewechselt werden, um die Tat aus einer anderen Perspektive zu beleuchten.


Der Sprachgebrauch im Fußball hat manch martialische Ausdrucksweise: Es ist von Balleroberung und Raumgewinn die Rede, es wird angegriffen und verteidigt. Spiele wie auch Konflikte werden hitzig und emotional geführt; doch am Ende des Fair Play gehen Spieler mit Gesten des Zuspruchs und der Anerkennung, auch für die gegnerische Mannschaft und deren Leistung, auseinander.


Dr. Kristin Henning ist Leiterin von NEUSTART Tirol



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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Hannah Haindl schrieb am 24.07.2014 09:55

Der Tatausgleich ist eine gute diversionelle Maßnahme. Auch wenn bei der WM meines Erachtens die "falsche" Mannschaft gewonnen hat (Hup Holland hup) ist beim Tatausgleich die Verschiebung zwischen Täter und Opfer nicht möglich und der positive Abschluss sowohl ein Gewinn für Täter, als auch Opfer.
Dies sollte meines Erachtens auch so bleiben.

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